Der Streit um Lärm am Hafen eskaliert

Wegen unbewilligter Partys am Hafen bekommen die Zwischennutzer Ärger und müssen Konzerte absagen.

Krass Bass im Hafen – das wollen die Behörden dieses Jahr nicht mehr dulden. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Als am 19. August die Groove-Trucks auf das Hafenareal rollten, wusste Tom Brunner: Die diesjährige «Beat on the Street»-Afterparty könnte böse Folgen haben. Denn die Behörden hatten den Event nicht bewilligt. Weil die Bässe trotzdem pumpten, droht nun eine Anzeige.

Brunner, Präsident des Zwischennutzungsvereins Shiftmode, erzählt, wie es zum Streit mit den Behörden kam. Shiftmode hat seit 2016 eine Vereinbarung mit dem Kanton, dass man pro Jahr zehn Musik-Veranstaltungen bis Mitternacht durchführen darf, zwei davon bis 2 Uhr morgens. Bis im August seien es dieses Jahr erst vier Veranstaltungen gewesen, die über das Kontingent liefen, so Brunner.

Als er die «Beat on the Street»-Party anmeldete, beschied das Amt für Energie und Umwelt (AUE): Das Kontingent sei bereits aufgebraucht, die Party dürfe nicht stattfinden. «Die Begründung dafür war, dass auf dem Perimeter Holzpark Klybeck bereits etliche Male Partys veranstaltet wurden. Das war aber nicht der Verein als Vermieter, sondern vielleicht eine Bar oder andere, die mal die Musik etwas lauter drehten.»

20 Abende zu laut

Das AUE, das Lärmklagen bearbeitet, zählte seit Mai über 20 Abende, an denen es auf dem Hafen lauter war als erlaubt. Amtsleiter Matthias Nabholz erklärt, an diesen Abenden seien jeweils die Polizei oder Kantonsmitarbeiter vor Ort gewesen. Die Rapporte würden belegen, «dass es durch den Musikbetrieb dort zu erheblichen Belästigungen für die Anwohner kam».

Brunner meint: «Das AUE streicht uns unser Kontingent nach Gutdünken.» Es sei absurd, dass jede Party, die zu laut ist, dem Zwischennutzungs-Verein angelastet werde. Dies sei so, als würde das Basel Open Air auf dem Kasernenareal an einem Tag die Lärm-Obergrenze überschreiten und das Basel Tattoo müsste deshalb eine Vorführung streichen, die womöglich bereits ausverkauft war.

«Es kann nicht sein, dass wir wegen eines Missverständnisses einen Event mit Tausenden von Teilnehmern absagen müssen.» Tom Brunner, Präsident Shiftmode

Das AUE soll die Lärmverursacher direkt zur Verantwortung ziehen, fordert Brunner: «Denn diese haben auch einzeln die Gastgewerbe-Bewilligung von den Behörden erhalten.»

Gegen den Entscheid, die Party vom 19. August nicht zu bewilligen, legte Brunner Rekurs ein. Die Party fand dann statt, bevor die rechtliche Situation geklärt war. «Es kann doch nicht sein, dass wir aufgrund dieses Missverständnisses einen Event mit mehreren Tausend Teilnehmern absagen müssen.»

Toiletten demoliert und alles versprayt

Auch der Verein I-Land, der den oberen Teil des Hafens bespielt, streitet mit dem AUE. Dort ist man jedoch vorsichtiger. Die Marina Bar hat ein Konzert am vergangenen Samstag vom Hafen in den Horburgpark verlegt, weil das AUE auch in diesem Fall die Bewilligung verweigert hatte. Die Behörden hätten mit einer Strafanzeige gedroht, schreiben die Barbetreiber auf Facebook.

Der Geschäftsstellenleiter von I-Land, David Herrmann, fasst das Problem weiter: «Wir können schlichtweg nicht für alles verantwortlich gemacht werden, was auf dem Areal geschieht.» An heissen Sommerabenden kämen bis zu 5000 Partygänger an den Hafen, darunter seien auch solche, die niemand dort haben wolle. Ständig würden WCs demoliert und alles versprayt. «Das können wir nicht verhindern – selbst wenn wir wollten!»

Er sei auch schon auf Leute zugegangen, die im Hafen eine illegale Party veranstalteten. Doch bloss auf gutes Zureden hin hätten diese nicht die Musik abgestellt. Dass I-Land für solche Leute die Verantwortung tragen soll und die lauten Partys auf das Kontingent des Vereins gehen, versteht Herrmann nicht.

Party könnte teuer werden

Für Nabholz vom AUE ist hingegen klar, I-Land und Shiftmode müssen spezifische Auflagen erfüllen, da sie eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton zur Bespielung des Areals unterschrieben haben. Damit sind sie auch verantwortlich dafür, in welchem Rahmen Musikveranstaltungen durchgeführt werden dürfen.

Um die Frage zu beantworten, wer am Hafen eigentlich die Verantwortung trägt, will Herrmann einen Rekurs einreichen, auch als Reaktion auf die Konzertabsage in der Marina Bar: «Wenn wir nicht wissen, in welchem rechtlichen Rahmen wir uns bewegen, ist es schwierig, Events zu planen und durchzuführen.»

Hoffnungslos ist die Lage für Herrmann aber nicht. Es sei nach wie vor ein «konstruktiver Dialog», den der Verein mit dem AUE pflege. Das Intermezzo mit den Kontingenten trübe den eigentlich tollen Sommer, den er und die Party-Community am Hafen erlebten.

Brunner könnte die «Beat on the Street»-Party noch teuer zu stehen kommen: Für die Lärmbelästigungen könnte er als Vereinsverantwortlicher persönlich haftbar gemacht werden. Nabholz schliesst nicht aus, dass es zu Anzeigen kommen könnte. Man suche nach Lösungen – «falls nötig auch auf dem Rechtsweg».

Konversation

  1. Auch die Mitglieder des Trägervereins haben das Recht die Polizei anzufordern, damit vor Ort bei nicht angemeldeten Events für Zurückhaltung gesorgt werden kann. Und auch gegen Vandalismus kann etwas gemacht werden wenn man will.
    Es zeigt ja wieder Mal dass die eher links Alternative Szene sich nicht mal da zurückhält und auch Einrichtungen im „freien“ Umfeld zerstört.

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  2. Es geht nicht nur um Geld, auch wenn die Stadt hier grosse Unkosten übernehmen muss, (was ich auch nicht gutheisse). Es geht um Lärm, Gestank, Abfall, den diese Festbesucher und -Besucherinnen produzieren.
    Und für uns Anwohner ist die Schallgrenze erreicht. Wenn Betrunkene, weil sie nicht mehr aufrecht stehen und gehen können, überall ihr Wasser lassen, ihre Bierdosen und mit Abfall gefüllten Plastiksäcke einfach hinschmeissen, reicht es.
    Je weiter flussabwärts, desto schlimmer. Wenn Selbstregulierung nicht mehr funktioniert, müssen Verbote die Betroffenen schützen.

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    1. Ihr Beitrag erscheint mir ein bisschen wirr.
      Worauf beziehen sie sich denn genau mit „Fest“? Auf das Beat on the Street, welches einmal im Jahr stattfindet?
      Wie genau sind sie als Anwohner von Gestank und Abfall betroffen, wenn es um den Hafen geht? Zwischen Anwohnern und dem Areal liegt eine Eisenbahnlinie, die der Abfall kaum überquert und von ihrem Gestank riecht man selbst auf dem Areal nichts.

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    2. Im Gegensatz zu einigen (vielen?) anderen Veranstaltungen beginnt der Abfall, Dreck, das Urinieren, etc. bereits ab Kaserne rheinabwärts. Beat on the Street erscheint als Höhepunkt von Menschen, die zu diesem Zeitpunkt v.a. sich selbst im Fokus haben und keine Rücksicht auf die Umwelt – in diesem Falle die Anwohner, Anwohnerinnen – nehmen wollen. Den Gestank rieche ich ab Johanniterbrücke, den Abfall sehe ich – auch wenn die Putzequipe sich bemüht, alles wegzuräumen – ab Kaserne. Bat on the Street ist der Höhepunkt von Zumutung im Jahresablauf.
      Und ich schätze die Lebendigkeit am Rheinufer.

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    3. meine ich keineswegs ironisch: Ein mobiles WC wäre eine Lösung in dieser Frage. Mit einem Anhänger dran fürs Litteringproblem. Und dran ein Schild mit ‚Sponsored by….‘

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    4. In meinen Augen, ist eine Veranstaltung eine geplanter Event; würden sie dem zustimmen?
      Von denen gibt es am Rheinufer aber herzlich wenige. Die Probleme, von denen sie sprechen stammen von den grossen Massen an Menschen, das Rheinufer nutzen, um zu entspannen, grillieren, saufen etc.

      So oder so hat das aber alles nichts mit dem Hafenareal zu tun.

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