Dreirosen-Kenner Kerim Chebbah: «Ich bin schon auch froh, gibt es hier viele Polizeikontrollen»

Was ist das wirklich für ein Viertel, das in Basel meist nur Negativschlagzeilen schreibt? Heute erzählt uns Kerim Chebbah seine Sicht der Dinge. Der umtriebige Ladenbesitzer ist seit 17 Jahren fest im Quartier verankert.

Auch ein bisschen Quartierpsychologe: Velohändler Kerim Chebbah vor seinem neueröffneten Quartierlädeli «Nimm’s leicht».

Kerim Chebbah betreibt sein Velo­geschäft seit 2001 an der Breisacherstrasse 131. Zehn Meter entfernt hat er mit seiner Freundin Annette Huber vor einem Monat den Spezialitätenladen «Nimm’s leicht» eröffnet. Bald folgt ein Spielzeugverleih gegenüber der Dreirosenanlage.

Wer im Quartier wohnt, kennt Chebbah. Er steht oft vor seinem Laden, um Reparaturen anzunehmen oder Kunden zu beraten. Manchmal erledigt er dort auch kleine Reparaturen, die Kundinnen können dann gleich weiterfahren.

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Er sei auch ein wenig Quartierpsychologe, sagt Chebbah: «Da kommen immer wieder Leute und reden mit mir. Die Linken und auch die Rechten. Wenn die Rechten bei mir ablästern, frage ich mich manchmal schon, ob sie sich überlegt haben, woher mein Name kommt.»

Chebbah und Huber sind nicht nur Arbeitgeber im Quartier, sie wollen auch hier leben. «Ich geschäfte hier und will das auch die nächsten 30 Jahre können», sagt Chebbah. «Mein Veloladen heisst Good Feeling und das ist auch mein Motto. Für manche ist die Traumdestination Tausende Kilometer weit weg. Wir wollen es vor unserer Haustür gut haben.»

Jeder, der hier im Viertel um die Dreirosenanlage wohne, solle auch mitgestalten, findet Chebbah. «So wie wir zu Hause aufräumen, sollten wir das im Quartier tun. Die Dreirosenanlage steht direkt vor unserer Hütte, das ist sozusagen die Verlängerung unseres Wohnzimmers.»

Früher habe er den runden Tisch mit Anwohnern, Behörden und Nutzerinnen der Dreirosenanlage noch besucht. «Aber ich habe bald gemerkt: Was wir uns ausdenken und mühsam aushandeln, wird kaum umgesetzt. Wir können nichts entscheiden. Dann habe ich es bleiben lassen.»

«Es wird Zeit, dass wir im Quartier wieder mal sehen, wer hier eigentlich zuständig ist.»

Die Dreirosenanlage sei eine totale Fehlplanung. Der Sportplatz zum Beispiel gehöre nicht vor die Wohnblöcke. Das gebe Anlass zu Reibereien. «Aber das ist nicht das einzige Problem», sagt Chebbah. «Auf der Dreirosenanlage kommt halt alles zusammen. Der Platz war wieder vermehrt in den Medien.»

Einiges sei aufgebauscht worden, denn auf dem Schlechten rumzureiten sei halt immer einfacher. «Aber ich habe keine Bedenken, meine ­Kinder hier spielen zu lassen.» Ganz im Gegenteil: «Wir sind hier, gerade weil das Quartier lebt, man nicht isoliert ist und auf die Leute zugehen kann.» Multikulti – das gebe «mehr Salsa im Leben».

«Ich bin aber auch froh, dass es hier viel Polizeikontrollen gibt. Und wenn mal etwas aus dem Ruder läuft … Ich meine: Polizisten sind auch nur Menschen», sagt Chebbah, «auch sie haben eine Tagesform.»

Man solle schlechtes Verhalten Einzelner nicht verallgemeinern, das oberste Gebot sei aber schon die Deeskalation. «Die Polizei hat einen Scheissjob. Sie muss hier Erzieher spielen. Es sind immer wieder neue Leute hier. Manche kommen frisch aus anderen Kulturen. Die kennen die Regeln nicht. Und klar: Es gibt auch ­Idioten.» Im Moment «köchle» es auf der Dreirosenanlage, sagt Chebbah. Aber spätestens mit dem Herbst kehre dann wieder Ruhe ein.

«Es wäre jetzt besonders wichtig, dass der Kanton ein offizielles Parkfest organisiert.» Die Anwohnerinnen und Anwohner würden sich schon genug engagieren. «Es wird Zeit, dass wir wieder mal sehen, wer hier eigentlich zuständig ist. So ein Fest bringt die Leute zusammen. Kommunikation und Austausch, auch mit dem Kanton, sind wichtig.»

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