Dreirosen-Kenner vom Bänggli: «Die Polizei kommt immer. Immer zu uns!»

Was ist das wirklich für ein Viertel, das in Basel meist nur Negativschlagzeilen schreibt? Heute erzählt uns ein Jugendlicher seine Sicht der Dinge. Er kifft oft mit seinen Kumpels im Dreirosenpark.

«Ein Weisser wird nur kontrolliert, wenn er mit Schwarzen zusammen ist», ist der junge Mann auf dem Bänggli in der Dreirosenanlage überzeugt.

Der Jugendliche auf der Parkbank will anonym bleiben. Wegen der Polizei, seinen Eltern und seiner kleinen Schwester. Er sei 15 Jahre alt, sagt er. Seine Eltern stammen aus Westafrika.


«Ich bin oft hier. Meine Freunde sind hier. Wir sind Brüder, weisst du. Wir machen keinen Stress. Wir wollen nur hier sein. Wo sollen wir sonst hin?

Klar kiffen wir. Wer kifft schon nicht? Alle kiffen hier. Die Alten, siehst du da drüben? Die trinken Bier. Kann man da vorne kaufen – ganz viel, ganz legal. Alkohol macht aggressiv. Besser wir kiffen, oder? Aber die Polizei und die Alten, die sehen das nicht so.

Die Polizei kommt immer. Immer zu uns. Siehst du mich? Ich bin schwarz. Schwarz! Hast du schon mal gesehen, dass sie einen Weissen kontrollieren? Nur, wenn er mit Schwarzen zusammen ist. Was sind wir denn? Scheisse? Wer sagt der Polizei, dass sie uns kontrollieren sollen? Dieser Park ist doch nicht nur für Weisse.

Wenn Chicas vorbeigehen, lassen wir sie in Ruhe. Aber sie kommen manchmal zu uns. Das ärgert die Alten. Sie sind eifersüchtig. Schau: mit dickem Bierbauch. Aber er trinkt weiter Bier. Wir kiffen und machen Sport.

Irgendwann bin ich auch alt. Ich habe dann Kinder, muss arbeiten. Ich bin nicht von hier. Will keine Sozialhilfe. Aber wer gibt mir dann Arbeit? Kraft reicht hier nicht. Ich muss gut in der Schule sein. Aber Schule ist langweilig.

Ich will arbeiten und zeigen, was ich draufhabe. Wenn ich Geld habe, muss ich auch nicht hier sein. Nicht hier auf der Parkbank. Ich habe dann eine Wohnung und kann dort mit meinen Brüdern sein. Da kommt die Polizei nicht hin.

Wir regeln unsere Probleme selbst. Wir stören nicht. Wir wollen nicht ­stören. Wir wollen nur unsere Ruhe.»

https://tageswoche.ch/stadtleben/problempark-dreirosen-hier-gibts-keine-probleme/

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Konversation

  1. Es zeugt tatsächlich von Scharfsinn, wenn man Kiffen mit Personenkontrollen in Verbindung bringen kann… Aber wie naiv muss man den sein, wenn man nicht erkennt, dass schwarze Kiffer und Dealer öfter kontrolliert werden als weisse Kiffer und Dealer. Wie kurzsichtig muss man sein, wenn man nicht erkennt, dass Jobs, Ausbildungen und Studienplätze für Schwarze, Asylsuchende und Flüchtlinge nicht an den Bäumen wachsen. Wir leben eine Gesellschaft in der Jobs wichtiger sind als Menschen. Wie naiv muss man sein, wenn man nicht erkennen möchte, dass Menschen im Überfluss vorhanden und Jobs als rares Gut gehandelt werden.

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  2. Dem Jungen muss man ja bloss einen Job beschaffen wo er gut verdient. So 8000 CHF im Monat, dann ist er vorab mal zufrieden.
    Der Knackpunkt ist aber, wenn er sich in der Schule nicht bemüht und diese langweilig findet, oder wohl eher mit dem Stoff nicht mit kommt, dann wird das nix.
    Er hockt mit seinen Kumpels im Park und kifft und wundert sich, dass er von der Polizei kontrolliert wird ? Den Rassismus Vorwurf hören Beamte und auch Billetkontrolleure täglich, der zieht nicht.

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  3. Als Farbiger, ja schon mit einem leicht fremdartig klingenden Namen muss man nicht nur gut, sondern besser sein als die Einheimischen.
    Erst dann hat man auch entsprechende internationale Konkurrenz und es ist egal, wie man heisst oder aussieht.

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    1. Ist beim FCB ja auch so. Ein mittelmässig begabter aber eher teurer Ausänder der beim nächsten Angebot wechselt, kann man doch durch einen eigenen Junioren ersetzten, welcher versteht was der FCB bedeutet. (kostet erst noch weniger. da jünger, weniger lohn und keine transferausgaben, zudem weniger risiko da qualitäten bekannt und keine kulturelle und sprachliche hürden zu überwinden sind.)

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  4. Könnte es evtl., vielleicht, zufälligerweise sein, dass diese Jugendlichen, die Hoffnung unserer Zukunft, kontrolliert werden weil sie kiffen und nicht weil sie Schwarz sind? Ist es unter unerklärlichen Umständen möglich, dass die Polizei nihct den kleinen Kiffer sondern den Dealer sucht?

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  5. „Ich muss gut in der Schule sein. Aber Schule ist langweilig.“ bringt es auf den Punkt: Schule ist für die Karriere wichtig, auch wenn sie für das Leben nichts zu bieten hat.

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