Velofalle Trottoir-Kante: Kanton korrigiert nur von Fall zu Fall

Erst letztes Jahr wurde die Passage an der Greifengasse erneuert. Weil die Randsteine für Velofahrer eine Gefahr darstellen, muss der Kanton nun nachbessern. An anderen Stellen tut er das nicht.

Hier hat das Tiefbauamt die Einfahrspur zugunsten der Velofahrer korrigiert. Die drei Zentimeter hohe Kante wurde auf einer längeren Distanz abgeschrägt.

Für einige Velofahrer stellen die neuen Randsteine bei der Einfahrt in die Rheingasse ein Hindernis dar. Erst letztes Jahr baute der Kanton die Greifengasse und damit auch die Einfahrt um. Velofahrer müssen neu übers Trottoir fahren und dafür einen Randstein passieren.

Einige kämen damit aber nicht zurecht und stürzten, sagt SP-Grossrat Jörg Vitelli. Etliche Fahrerinnen und Fahrer meldeten sich nach der Umgestaltung auch beim Verein Pro Velo beider Basel und reklamierten über die neuen Randsteine, sagt Geschäftsführer Roland Chrétien.

https://tageswoche.ch/stadtleben/hier-kommen-velofahrer-in-basel-zu-fall/

Die neue Spurführung hat zwei Tücken. Auf einer Länge von zwei bis drei Metern ist der Randstein abgeschrägt. Diese «Einfahrt» für in die Rheingasse abbiegende Velofahrer ist schmäler als zuvor. Ausserem kann auch die abgeschrägte, glatte Randsteinkante für Velofahrer zum Stolperstein werden, besonders wenn sie nass ist.

Kante weiter abgeschrägt

Um Velofahrern mehr Platz zum Abbiegen zu bieten, hat das Tiefbauamt die Einfahrt nun verbreitert, also die abgeschrägte Kante verlängert. Das, nachdem SP-Grossrat Stephan Luethi-Brüderlin die Regierung in einem Vorstoss auf das Problem hingewiesen hatte.

Für Luethi-Brüderlin ist das ein guter Entscheid. Er wünscht sich jedoch, dass die Gefahrenpotenziale prospektiv erkannt und bereits bei der Planung berücksichtigt würden: «Es muss nicht immer erst etwas passieren, bevor man die Verbesserungsequipe losschickt.»

Beim Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) stellt man die Korrektur als normalen Vorgang dar: «Nach ersten Erfahrungen haben wir nun etwas optimiert, was sinnvoll ist und kaum Kosten verursacht hat», erklärt BVD-Mediensprecherin Nicole Stocker.

«Wurfkanten» auch im Gundeli

In der ganzen Stadt gibt es immer mehr von diesen sogenannten Trottoirüberfahrten. Der Kanton will damit den Verkehr entschleunigen und den Fussgängern den Vortritt gewähren. Im Gundeli werden die Randsteine bereits «Wurfkanten» genannt.

Gabriele Frank von der Quartierkoordination Gundeldingen spricht von «etlichen Unfällen», die sich in den vergangenen Jahren bei den Trottoirüberfahrten an der Güterstrasse ereigneten. Die verunfallten Velofahrer melden sich in der Regel nicht bei der Polizei – sie riskieren bei einem Selbstunfall eine Busse wegen Nichtbeherrschung ihres Fahrzeugs. Die Unfälle tauchen deshalb kaum in der Statistik auf.

Bei Frank meldeten sich erst im Frühjahr drei Velofahrer, die auf der Güterstrasse gestürzt waren. Sie weiss: «Es gab auch schon sehr heftige Unfälle wegen den Randsteinen.»

Frank fordert Verunfallte auf, sich bei ihr zu melden, dann könnten sie sich gemeinsam an das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) wenden. So würde sich vielleicht etwas verändern.

Beim Tellplatz passiert vorerst nichts

Auch bei der Spitex, deren Mitarbeitende meist mit dem Velo unterwegs sind, ist das Problem bekannt. Geschäftsführer Stefan Schütz nennt die Güterstrasse «die gefährlichste Strasse von Basel» für Velofahrer. Er rate seinen Mitarbeitenden, die Strasse wenn möglich zu meiden oder wenigstens abzusteigen und das Velo zu stossen.

Schütz weiss von «mindestens drei Unfällen» von Spitex-Mitarbeitenden auf der Güterstrasse in den vergangenen zwölf Monaten. «Wir haben bereits vor einigen Jahren in dieser Sache beim BVD interveniert. Massnahmen wurden ergriffen, wobei die Strasse weiterhin sehr gefährlich ist.»

Beim Tellplatz könnte sich mittelfristig etwas ändern. Nämlich dann, wenn die Tramhaltestellen behindertengerecht umgebaut werden. Im Rahmen dieser Arbeiten, die voraussichtlich 2023 oder 2024 stattfinden, würden auch die Trottoirüberfahrten angepasst, sagt Nicole Stocker vom BVD.

Konversation

  1. Von Fall zu Fall … besser wäre es es würde nicht zu einem Fall kommen. Die überhöhen Kanten an den Tramhaltestellen sind übrigens auch eine Sturzgefrahr für Fussgänger und die hohen Trottoirkanten nicht grad sonderlich gut für die Pneus der Autos.
    Schade, dass man kein gesamtheitliches Konzept verfolgt, sondern nur jeweils die eine Seite des Mikrokosmos in den Fokus rückt.

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    1. Das mit den Tramhaltestellen und deren Kanten ist in Zürich auch so. Anscheinend die einzige Möglichkeit das Behindertengleichstellungsgesetz umzusetzen. Aber für mich als Fussgänger eine unmögliche Kantenhöhe.

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  2. Der Artikel benennt korrekt die Priorität der Verkehrsplanung, welche sogenannt dem langsamsten Teilnehmer den Vorzug gibt: dem Fussgänger. Indirekt zielt man so gegen die Automobilisten, deren es zuviele seien. Doch das ist ein Schuss ins Knie der Velofahrer, und schliesslich einen in die eigene Verkehrsstrategie. Will man mehr Menschen vom Auto aufs Velo bringen, dann sollten nicht weitere Fallen in deren Wege eingebaut werden. Aber offenbar sind aufs Smartphone schauende Fussgänger, die nichts von ihrer Umgebung mitbekommen, dasjenige, mit dem sich Stadtplaner identifizieren. Der Rest der Bevölkerung darf sich um deren Wohlergehen sorgen. So werden Boulevards um Boulevards gebaut, die breit genug sind, um die Konsumwilligen sorgenlos zu stimmen. Auch die Güterstrasse soll nicht mehr durchfahren werden, denn gemäss ihrem Namen sollen künftig darin nur noch Güter den Besitzer wechseln, darum soll sie langsamst durchschritten sein. Verkehr soll woanders stattfinden. Ja, wo denn? Warum denn? Im Baudepartement macht man sicher Gedanken über die grossen Linien, wohin sich die Stadt entwickeln wird, aber ich bin offenbar nicht der einzige, dem die real existierenden Ergebnisse nicht kohärent scheinen. Vor allem, wenn man ein bisschen was von der Welt gesehen hat. Ja, die Güterstrasse ist fehlgeplant.

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  3. Schöner Titel: der Kanton reagiert von „Fall“ zu „Fall“. Wenn er’s dann tut.

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