Da türmt sich was auf beim Bahnhof SBB

Das 40-jährige Rostbalken-Gebäude beim Bahnhof kommt weg. An dessen Stelle bauen die Post und die SBB eine neue Überbauung mit drei 87-Meter-Türmen.

Lange war der BIZ-Turm mit seinen 70 Metern das höchste Bauwerk auf dem Stadtgebiet rund um den Bahnhof SBB. Den Rekord hat er schon länger abgegeben: Weiter südlich und auf der anderen Bahnhofsseite ragen der Grosspeter Tower und das Meret Oppenheim Hochhaus gut zehn Meter weiter gegen den Himmel. Und in unmittelbarer Nachbarschaft wächst das neue Hochhaus des Baloise-Parks in die Höhe, der mit seinen 90 Metern den BIZ-Turm um 20 Meter überragen wird.

Doch damit ist das «höchst willkommene Hochhauscluster», wie der Basler Kantonsbaumeister Beat Aeberhard die hohen Türme rund um den Bahnhof nennt, noch nicht vollendet: Bis 2028 sollen anstelle des rostroten Postreitergebäudes drei weitere Türme mit einer Höhe von knapp 90 Metern entstehen. Bauherrinnen sind die Post und die SBB – letztere für einmal nur als «Junior-Partner», wie Susanne Zenker, Leiterin der Anlageobjekte der SBB, an einer Medienorientierung sagte.

450 Millionen Franken

«Junior Partner» ist relativ, bedeutet es doch, dass die SBB sich ihren Turm auf der Gundeli-Seite 100 Millionen Franken kosten lassen. Das ist allerdings weniger als ein Drittel der Investitionen von 350 Millionen Franken, welche die Post aufbieten wird.

Warum diese Neubauten? Die Post und die SBB versprechen sich vor allem Rendite, der Kanton Basel-Stadt freut sich auf städtebaulichen Gewinn durch eine Überbauung, die offen und öffentlich sein wird und nicht so abgeschottet wie das jetzige Gebäude.

Der heutige Bau wird übrigens nicht nur deswegen verschwinden, weil viele (aber nicht alle) ihn für potthässlich halten, sondern weil seine Hauptfunktion als Postbahnhof ausläuft. «Wir haben heute bereits rund 40 Prozent Leerstand», sagte Michael Heim, Leiter Portfoliomanagement bei der Post. Das sind zum Teil Riesenflächen, die einst von Lastwagen befahren wurden und sich kaum vernünftig umnutzen lassen. Dazu kommt, dass das 1980 eingeweihte Gebäude umfassend saniert werden müsste.

Das Fundament bleibt

Baufällig ist der Bau aber nicht, betonte Architekt Meinrad Morger, der den Testplanungs-Wettbewerb gegen seine zwei Konkurrenten Herzog & de Meuron und Buchner Bründler gewonnen hatte. Der Bau ist so standfest, dass das unterste Geschoss mit der 450-plätzigen Autoeinstellhalle über den Bahngleisen als Fundament stehen bleiben kann. Zum Glück, denn ein vollständiger Rück- und Neubau wäre bei laufendem Bahnhofsbetrieb nicht möglich.

Als städtebaulichen Gewinn wertet Aeberhard vor allem die Durchlässigkeit der neuen Überbauung. So ist die Nord-Süd-Passage für Velofahrer und Fussgänger viel grosszügiger geplant, als sie es heute ist. Neu wird die Überbauung als Brücke über die Gleise und als Zugang zu den Perrons nutzbar sein. Und drei grosse Innenhöfe mit Gastro- und weiteren, noch nicht definierten Dienstleistungsbetrieben sollen die neue Überbauung zum öffentlichen Raum aufwerten.

Geplant sind überdies 400 neue Veloparkplätze, die sowohl vom Gundeli als auch von der Nauenstrasse aus erreichbar sein sollen.

Ein Drittel Wohnungen

In den oberen Stockwerken der drei Türme sollen Wohnungen entstehen. Geplant ist ein Wohnanteil von einem Drittel, was rund 400 neuen Wohnungen entspricht. Mehr Wohnungen sind nicht möglich, weil die unteren Stockwerke wegen des Bahn- und Strassenlärms dafür zu laut wären.

Anfang Juni erfolgt die öffentliche Auflage des Bebauungsplans, der letztlich von der Regierung und dem Grossen Rat bewilligt werden muss. Erst danach geht es an die konkrete architektonische Gestaltung. Bis zum anvisierten Bau- beziehungsweise Rückbaubeginn im Jahr 2022 werden aber noch sehr viele Züge unter dem heutigen Bau hindurchfahren. 2025 soll dann die erste Etappe mit dem Sockel und den beiden Post-Türmen im Westen festiggestellt sein. Die SBB werden mit ihrem Turm auf Gundeli-Seite im Jahr 2028 dazustossen.

Konversation

  1. Insofern sicher ein gutes Projekt, dass der Bahnhof damit wieder mehr Licht bekommt. Ich versteh ja das Argument, dass es ein ein repräsentativer Bau der Epoche ist. Aber: Der Bau schafft mehr Dunkelheit und schummrige Ecken und schafft so ein Gefühl eines Unortes. Daher begrüsse ich das Konzept des Neubaus.

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  2. Ich liebe Türme, ich liebe Baselhattan, aber keine so zufällig hingerotzten Unförmigkeiten. Da wird ja der rote Stahlwurm plötzlich schön.

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  3. Ach die Basler!!!
    In Italien baute man schon vor Jahrhunderten Türme, die vor allem dazu dienten, die Edlen von den Einfachen abzugrenzen und damit seinen Wohlstand und Reichtum auch in Höhenmetern öffentlich klassifizieren zu können.
    Na, wer muss als nächstes bauen?
    Novartis-Torre, Versicherungs-Megalith, ….?
    Herr Ingvar Kamprad begnügte sich stets mit niedrigeren königsblauen Modellen mit öffentlichem Zugang….

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