Die neue TagesWoche: Es geht ums Ganze

Wer gibt schon gerne zu, dass er Geld braucht? Das sieht nach Schwäche, nach Betteln aus. Wir haben lange diskutiert, wie wir Geld verdienen können und wie wir Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser mitteilen, dass wir Ihre finanzielle Unterstützung brauchen.  Unser Weg: Zuerst mehr bieten und erst dann um mehr Geld bitten.

(Bild: getty images/Montage: Nils Fisch)

Zugegeben, es war ein Schreck zu erfahren, dass die Stiftung für Medienvielfalt nicht über unendliche Ressourcen verfügt. Es ist ein schmerzhafter Kraftakt, uns von einem weitgehend stiftungsfinanzierten Medium zu einem Unternehmen zu wandeln, das einen Grossteil seines Finanzbedarfs selber erwirtschaftet.

Fakt ist: Wenn es uns nicht braucht, wird es uns in drei Jahren nicht mehr geben. Das heisst: Es wird Zeit, dass wir uns unentbehrlich machen mit gutem Journalismus, mit dem wir auf dem Markt bestehen können.

Im Mediengeschäft sind eine moderne Website, ein einfaches Abomodell mit marktüblichen Preisen und einem Angebot für Unternehmen, ein modernes und einheitliches Logo unternehmerische Pflicht. Diese Hausaufgaben haben wir nun gemacht, die Ergebnisse erleben Sie ab sofort.

Kritischer, direkter, ehrlicher

Bereits seit Anfang Jahr sind wir massiv am sparen. Darum mussten wir Stellen streichen, auch in der Redaktion. Wie sollen wir mit weniger Journalisten bessere Arbeit abliefern? Das haben wir uns Ende März in einer Teamsitzung gefragt.

Die Antwort: Wir werden radikaler. Unter diesem Motto wurde das neue Inhaltskonzept erarbeitet: Entweder halten wir unsere Beiträge kurz oder wir investieren unser journalistisches Können und viel Zeit in ausgewählte Geschichten. Unsere Unabhängigkeit erlaubt es uns, kritischer, direkter, ehrlicher zu sein und damit eine Lücke zu füllen.

Mit Stolz blicke ich als Geschäftsführerin auf die letzten Monate zurück – auf ein Team, das sich aufgerappelt und zusammengerauft hat und dabei über sich hinausgewachsen ist. Das war sensationell und berührend.

Von nun an soll es aber nicht mehr um uns gehen, im Mittelpunkt stehen ab sofort und radikal: Sie.

Dossier Das ist die neue TagesWoche

Die TagesWoche macht sich nicht nur mit einem neuen Web-Auftritt schön. Sie verpasst sich auch ein überarbeitetes publizistisches Konzept. Was sich ändert, was gleich bleibt – und warum: Das lesen Sie hier.

Alles zum Thema (10)

Konversation

  1. @TaWo, das ursprüngliche Ziel, der „neuen rechten BaZ“ entgegenzuwirken, fand ich super. Leider seid ihr entgegengesetzt in die andere – linke Richtung – gegangen. Möglicherweise hätte eure Zeitung mehr Erfolg gehabt, wenn ihr einen neutralen, politisch unabhängigen und kritischen Weg gegangen wärt. Schade.

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  2. Ich war auch von Anfang an mit grossem Interesse und Wohlwollen bei der Tageswoche mit dabei und scheute die notwendigen Kosten nicht, brachte Ideen ein, die nie umgesetzt wurden, aber was soll’s? Anfangs ging’s ja gut, dann wurde es schwieriger bis sehr schwierig….Nun bist Du liebe Sybille am Ruder. Ich erinnere mich lebhaft an die DV vor über einem Jahrzehnt, wo auch Du Dich zur Verfügung gestellt hattest für das Rote Haus, meine Unterstützung fehlte da nicht. Aber es kam anders.
    Kürzlich hat es in Zürich im Roten Haus eine neue Initiative gegeben mit tollen, innovativen Journalisten, das sehe ich gerne. Weil ich aber meine Kindheits-Stadt schon lange verlassen habe, liegt mir die neue Heimat halt näher und ich unterstütze gerne nochmals Euren Neuanfang in Basel. Besonders mit Dir und den – so viel ich wahrgenommen habe – vielen anderen guten Leuten.
    Viel Glück!

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  3. Ich mag mich noch an die Anfangszeiten der TaWo erinnern. Ich hatte damals auch die TaWo abonniert. Die finanziellen Probleme müssen Sie, liebe Frau Schuerch, schon selber lösen. Wie wir aus den vergangenen Jahren wissen und da teile ich die Meinung von Stefan Heimers, löst ein frischer Auftritt diese Probleme nicht. WATSON hat im Auftritt und im Stil im Moment – vor allem bei den Jungen – sicher die Nase vorn. Hat auch mehr finanzielle Mittel im Rücken. Wenn schon, dann ein Vergleich mit ONLINEREPORTS. In den letzten Jahren habe ich diese Seite ein paar Mal aufgerufen. Kommentare sieht man dort – wie bei der TaWo – wenige. Ob es Onlinereports gut geht oder ob die auch ums Überleben kämpfen, weiss ich nicht. Jedenfalls habe ich die noch nie Jammern gehört ;-). Mein konstruktiver Vorschlag wäre: ein Probe-Abo der gedruckten Ausgabe oder eine Gratis-Ausgabe an alle ehemaligen Abonnenten oder registrierten User. Wer Hunger hat und zu lange aufs Essen warten muss, dem schmeckt es plötzlich nicht mehr, auch wenn es noch so sehr duftet. WATSON hat die Zeichen der Zeit erkannt und seine Zeitung zu einer Art drehendem „Sushi-Buffet“ gemacht, wo immer alles frisch und kreativ ist und garantiert für Jeden etwas dabei ist.

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  4. Die Idee, dass alle eingeladen sind, die Tageswoche mitzugestalten, hört sich zwar gut an. Nur: die Kommentare lassen bereits befürchten, dass hierzu das kreative und konstruktive Engagement fehlen könnte.
    Aber gut recherchierte provokative Artikel fehlen in vielen Medien und da ist die neue finanzielle Unabhängigkeit ja nur von Vorteil!

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    1. Mitgestalten heisst in diesem Fall: Spenden. Interessant: Kommentare, die den Spendenaufruf unterstützen, werden „Empfohlen“. Kritische nicht. Generell frage ich mich einfach: wer zum Kuckuck soll den Spenden? Etwa die Handvoll KommentatorInnen oder die „anonyme“ Masse, die zwar die TaWo liesst, aber nie etwas zu sagen hat? Bei ca. 14000 registrierten Usern wäre es doch mal interessant zu erfahren, wie viele Klicks die TaWo pro Tag hat. Wenn sich etwas nicht geändert hat, dann ist es die Tatsache, dass man dauernd um finanzielle Hilfe schreit, aber keine Zahlen präsentiert. Niemand investiert in eine marode Firma.

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  5. Vielleicht hätte man das knappe Geld und die Kraft lieber in die Inhalte investiert, als in nochmals ein neues Layout. Der Markt wird zur Zeit überschwemmt von Projekten, die behaupten den Journalismus neu zu erfinden. Die Tageswoche erfindet sich gar alle paar Jahre selbst wieder neu. Heraus kommt aber immer das Gleiche: Eine gewöhnliche Onlinezeitung. Wenn der Erfolg ausbleibt braucht es kein neues Konzept und kein neues Layout, sondern einfach mehr und bessere Inhalte. Die einzige Ausnahme ist Watson: Die haben den Journalismus mit unterhaltenden, weniger ernsten Elementen aufgelockert und scheinen damit Erfolg zu haben. Aber ich glaube das ist nicht das Ziel der Tageswoche.

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  6. Ja, meine Lieben. Es heisst: Ein Team, das sich aufgerappelt hat und nicht dass sich aufgerappelt hat. Bei der Sprache fängt es an und bei der Sprache hört es auch gleich wieder auf.

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    1. Werden neuerdings Kommentare zensiert?

      Nun denn, ein zweiter Versuch:

      Wer im Glashaus scheisst, sollte mit Vorsicht korinthenkacken. Insbesondere dann, wenn man die Rechtschreibung selber nicht im Griff hat.

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    2. Bodinus: Wollen Sie der Redaktion Vorschriften machen? Ihr Kommentar war rassistisch, dazu noch primitiv. Übrigens: in Ihrem neuesten Paphlet, das auch gelöscht gehört, hat es auch Rechtschreibe-Fehler. Also zuerst mal vor der eigenen Türe wischen!

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    1. Genau, eine derartige Spendefunktion wünschte ich mir auf dieser Plattform. So könnten nämlich auch jene Unterstützungswilligen, die sich kein Abo leisten können bzw. mögen, den einen oder anderen Batzen beisteuern.

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  7. Kritischer, direkter, ehrlicher..
    Das ist gut so, ich finde den weg richtig. Hier will ich nicht unbedingt lesen wo es den besten Hotdog der Stadt gibt. Hier möchte ich lesen weshalb? Warum und eben Wieso!
    Die TaWo war mir in den letzten zwei Jahren einfach zu harmlos, too much Kultur und zu wenig Kritik. Das war am Anfang ganz anders.
    Go TaWo, alles Gute.
    PS: Die Druckversion muss als nächstes überarbeitet werden, diese Zeitung macht keine Lust zum Lesen….

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