Das Mahnmal der Mäzenin

Der Erweiterungsbau des Kunstmuseums ist ein Geschenk an die Öffentlichkeit. Aber die Herausforderung steht noch bevor: ein inhaltliches Programm, das der beeindruckenden Verpackung gerecht wird.

Ein prachtvolles Stück Architektur. Fragt sich nur, was darin alles passieren wird.

(Bild: Alexander Preobrajenski)

Der Erweiterungsbau des Kunstmuseums ist ein Geschenk an die Öffentlichkeit. Aber die Herausforderung steht noch bevor: ein inhaltliches Programm, das der beeindruckenden Verpackung gerecht wird.

Wenn in zwei Monaten der prächtige Erweiterungsbau des Kunstmuseums eröffnet, wird er seine Besucher umwerfen, verspricht der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels. Und die ersten Einblicke sind tatsächlich beeindruckend: berauschende Treppenkonstruktionen aus Beton und Räume mit Schneid, vereint in einem gewagten Bau, der sich geschmeidig zwischen die dicht befahrene Dufourstrasse und die historische Dalbevorstadt schmiegt.

Ein Prunkstück. Und eine weitere Gabe des Basler Daigs an die Öffentlichkeit. Mahnmal der Mäzenin Maja Oeri und der von ihr gegründeten Laurenz-Stiftung. Sie besorgte den Landkauf, sie stiftete die Hälfte des Geldes für den 100-Millionen-Franken-Bau. Den Rest steuert der Kanton bei.

Mäzene von Weltklasse

Die Beteiligung der Roche-Erbin Oeri ist nur eine weitere Verschränkung zwischen dem bildungsbürgerlichen Basler Geldadel und der Öffentlichkeit. Seit jeher waren es die Stifter und Mäzene, die das Kunstmuseum zu dem machten, was es heute ist: zu einer der weltbesten Institutionen seiner Art.

Da steht der Neubau also, kantig und markant, Verdienst der Architekten Christ & Gantenbein. Ein Glück für die Stadt Basel, die ihren kulturellen Stellenwert heute zu einem beträchtlichen Teil den Erben einer florierenden, globalen Pharma-Industrie verdankt.

Eine moderne Verpackung, die nach einem modernen Programm verlangt.

Jetzt harrt diese schöne Verschränkung zwischen Daig und Öffentlichkeit der Einlösung ihrer eigentlichen Herausforderung. Nämlich der Verschränkung der musealen Tradition des 20. Jahrhunderts – «Anschauen, nicht anfassen!» – mit dem ungestümen Drang nach Berührung des 21. Jahrhunderts.

Und genau hier muss sich unser neues Prunkstück noch beweisen. Der Kunstmuseums-Erweiterungsbau der Mäzenin und des Kantons ist ein Geschenk an die Bevölkerung und damit eine moderne Verpackung, die nach einem modernen inhaltlichen Programm verlangt. Dieses Prunkstück hat weit mehr verdient, als zu einem Mausoleum zu werden, in dem das Bildungsbürgertum des 20. Jahrhunderts verstaubt.

Konversation

  1. Ich find den Bau von aussen her interessant. Er bricht die Häuserlinie auf und provoziert. Die Fassade in verschiedenen Grautönen erinnert an Sedimentablagerungen, von dem her hat er etwas von einem in die Höhe gestemmten Sedimentgebirge, als kleiner Gruss an die geologische Entstehungsgeschichte unseres Landes.

    Ich fan die Häuserlinie/fassade mit dem alten Haus dort eher langweilig, austauschbar. Aber mit dem Neubau entsteht eine spannende Stadtansicht. Der Keil nach vorne wirkt ein wenig wie ein Tor in d’Dalbe.

    Entscheidend wird aber sein, was das Museum mit dem Inhalt macht. Ich bin sehr gespannt und ich denke rein von der Marke her, hat das Museum vieles Richtig gemacht, in dem sie die Dachmarke „Kunstmuseum“ nun etablieren und diese in die drei Bereiche teilen.

    Lassen wir uns überraschen, wie die Hülle nun gefüllt werden soll.

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  2. Bei aller Begeisterung fehlt mir aber ein diskreter Hinweis, dass sich dieses Geschenk (das wir notabene mit unseren Krankenkassenprämien längst selbst bezahlt haben) für die Basler Bevölkerung zuerst einmal in höheren Eintrittspreisen niederschlägt. Ein wahres Geschenk wäre es, den Museumseintritt an Sonntagen (und zwar an allen!) gratis zu machen. So wie es früher einmal war, und was der Grund ist, dass ich als Kind überhaupt die Museen kennenlernte, denn die heutigen Eintrittspreise hätten wir nie bezahlen können.

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    1. @Moerik
      ups das hat Ihnen offensichtlich auf den Magen geschlagen
      Den Kunstmuseum Bau mit unseren Krankassenbeiträgen vermischen, na ja.

      Den diskreten Hinweis betreffend Eintrittserhöhungen finden Sie übrigens beim gestern ebenfalls veröffentlichen Beitrag

      ‚Gesperrte Brücke und neuer Name: So feiert das Kunstmuseum Basel‘

      Ja es ist etwas teurer, aber eher auf der moderaten Seite.
      Damit können Sie aber wahrscheinlich nichts anfangen

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  3. Dieser Neubau IST da- da ist Fakt.
    Er ist genau so wie er ist ein bemerkenswerter Architektonischer Kommentar zum brutalen 21. Jahrhundert, er versucht gar nicht erst Neunzehntes oder frühes Zwanzigstes Jahrhundert zu kopieren oder zu „kuscheln“ dasd ist richtig so und den architekten hoch anzurechnen. Dieser Bau nimmt entschieden Bezug zu seinem vorgefundenen Umfeld und zum Alt oder Hauptbau des Kunstmuseums und, ja, er reibt sich auch daran- er kriecht jenem nicht hintenrein, auch das ist GUT so !
    Und die allermeisten städte europas wären überglücklich auch nur einen dieser Museumsbauten sich leisten zu können, von der Weltkunst darinnen mal gar nicht zu sprechen und vom Verhältnis der Größe der Stadt Basel zu der Kulturinstanz Kunstmuseum Basel schon gleich drimal nicht 1 Oder kennt Irgendwer eine andere stadt in Europa von Zweihunderttausend Einwohnern, welche sich einen derart Souveränen Umgang mit Kunst leisten kann und en Passant dem nwissenden Mitteilen darf, man beherberge schliesslich die älteste Öffentliche Kunstsammlung der Welt usw. usw?… Das an die Kritiker.
    Jetzt zu meiner Kritik;: Ceterum Censeo liebe Kunstmuseumsgewaltigen: Es ist und bleibt eine Unverfrorenheit erster Klasse uns den Deutschsprachigen Dreilandbewohnern ein ausschliessliches „Gränd Opening“ mitsamt einer Erstausstellung namens „Sculptures on Se Muuv“ zu verpassen,ych chönnt flueche ohni änd,, es heisst Grossi Neueröffnig (vu mir uus au uf Hochdütsch)
    und säli usstellig entschprächend “ Skulpturen in Bewegung / Sculptures en Motion / Sculptures on the Move“ , SO usschlieslig und numme in DÄRE Reihefolg, ghört sich das und alles andere isch ä Megapeinliches Geschiele uffs Internäschionäl Party-People-Art-Volch und ä Gruusigi, UNVERSCHÄMTI Missachtig vu UNS Bewohner vu und Gaschtgeber IN däre Regio- HÄNN IHR DAS JETZ ÄNDLIG GFRÄSSE ??? ANTWORT BITTSCHÖN, HERR MENDES-BÜRGI- SCHTÖHN SIE GFÄLLIGSCHT RED UN ANTWORT- DANKSCHÖN !!!

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    1. @D.H. Herr Schwald schreibt einen tollen Artikel. Danke. Und Sie DH schmeissen Dreck und Ihr eigenes Spiegelbild ins Internet. Etwas peilich und ohne jegliche Würde.

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  4. @ Hr. Heer Kraft:
    Sie werden es nicht glauben, man kann auch Backsteine anschmiegsam machen: Aktuell wird der Hafenbahnhof von Trawemünde versteigert. Der ist sogar etwas älter als der Neubau des Kunstmuseums.

    unter „Hafenbahnhof Trawemünde“ gibts die entsprechenden Bilder.

    So manche norddeutsche Backsteinkirche wird einladender als moderne Betonkirchen.

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  5. Alois: ich kann zu 100% zustimmen, wobei wir im Gegensatz zu Deutschland oder Berlin etwas gelassener mit der Rechten umgehen. Eine Pegida Demonstration stösst in der Schweiz kaum auf Interesse. Wir kultivieren keine solch destruktive Bewegung, sondern versuchen, alle in den politischen Prozess mit einzubinden. Der politische Streit ist moderater als in Deutschland, und die Impulse werden nicht in harter Polemik bis zum Bruch ausgefochten. Auch ein Blocher, der die Grenzen immer wieder gesprengt hat, kommt nach seinen Ausrutschern immer wieder zurück zum Gesprächstisch.

    In Blogs und Kommentaren werden schnell extreme Meinungen oder Anstiftungen rausgetippt, aber das reale Leben befindet findet auf einer anderen gelasseneren Ebene statt.

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  6. @ Esther:
    Stimmt, eine ordentliche gedeckte Bus- oder Drämmlihaltestelle darunter wäre etwas guter Service gewesen.
    Die unten fehlende Etage hätte man in dem Hochhausgewirr nebenan durchaus oben drauf setzen können.

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  7. Herr Schwald, danke für den schlichten Artikel, in dem Sie die Leistungen der Frau Oeri rühmen, hierin aber auch eine Herausforderung sehen, die Hülle entsprechend zu füllen. Ich schliesse mich Ihnen an: herzlichen Dank Frau Oeri, ich hoffe wir Bewohner der Stadt Basel können diesem phantastischen Geschenk würdig werden!
    Herr Hürrlimann: Ich teile Ihre gut verwortete Meinung sehr und wäre auch dankbar, gewisse Leute würden den Wert der so veröffentlichten Kunst schätzen lernen, wobei ich der Esther beipflichten möchte: Die Gratissonntage würden den Begriff „Kunst für alle“ wirklich machen..

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  8. Ein prachtvolles Stück Architektur? – eine rücksichtslose Dampfwalze, die sowohl der schönen Dalbenvorstadt als auch der Rittergasse sowie dem alten Kunstmuseum gnadenlos die Show stiehlt. Nicht mit Schönheit, nur mit Quantität. Ein solcher Klotz passt nicht zu Kunst. Ich schäme mich jedesmal, wenn ich dort durchfahren muss.

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