Die Dreirosenanlage ist der wichtigste Park der Stadt

Nicht wegen ihrer Ästhetik, ihrer Grösse oder den Möglichkeiten zur Erholung – sondern weil sie Widersprüche zulässt und sie kollidieren lässt. Das ist die grosse Qualität der Dreirosenanlage.

Basel im Kleinen: Die Dreirosenanlage im untern Kleinbasel.

Die Dreirosenanlage ist ein Ort der ausgetragenen Konflikte. Darin besteht ihre seltene, schützenswerte Qualität. Manchmal fallen diese gewalttätig aus wie bei den zahlreichen Polizeikontrollen, die nicht immer reibungslos und mit Augenmass verlaufen. Manchmal endet ein Konflikt gar tragisch wie beim Tod des Obdachlosen Georges, der im Park erstochen wurde.

Viel häufiger sind es stille Krämpfe und kleine Irritationen, die empfindet, wer sich regelmässig im Park aufhält. Anwohner stören sich am Lärm, Jugendliche an pingeligen Anwohnern. Die Polizei hält jugendliche Schwarze per se für verdächtig, diese wiederum beklagen sich, ohne Grund in Verdacht zu geraten.

Jeder hat seinen eigenen Anspruch an die kleine Grünfläche und das Leben darauf. Und wer gezwungen wird, die eigenen Ansprüche zu hinterfragen, der kann viel gewinnen: Verständnis nämlich.

Reporter Alain Gfeller hat für unser Dossier «Brennpunkt Dreirosen» mit Jugendlichen gesprochen, mit Eltern und Anwohnern, mit Engagierten und  Passanten und mit der Polizei. Er hat nicht zuletzt eine gestörte Aussenwahrnehmung des Quartiers festgestellt.

Von einem gescheiterten Vorzeigeprojekt der Integration schrieb eine Lokalzeitung unlängst. (Nein, nicht die BaZ.) Wer unter Integration bloss geräuschlose Gleichmacherei versteht, der wird die Dreirosenanlage tatsächlich ablehnen. Wer Integration so versteht, dass jeder seinen Platz finden soll, ohne jemand anderem seinen Platz wegzunehmen, wird interessiert auf den kleinen Brückenpark blicken.

Die Qualität des Parks liegt genau darin, dass er einen Begegnungsort darstellt für all die Identitäten, Strukturen und Wertvorstellungen der umliegenden Quartiere. Ein wirksameres Integrationsprojekt kann man sich kaum vorstellen.

https://tageswoche.ch/stadtleben/problempark-dreirosen-hier-gibts-keine-probleme/

Dossier Brennpunkt Dreirosen

Dreck, Drogen und Gewalt: Das Horburg-Quartier hat in Basel keinen guten Ruf. Doch wer dort lebt, sieht vor allem dessen schöne Seiten.

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Konversation

  1. Für mich bedeutet Integration an erster Stelle sich an bestehendem zu orientieren und danach sich erstmal einzufügen (zwischen bestehendes. hence the „inter“)

    Hat man dann mal verstanden wo man ist, und in welcher bandbreite man seine freiheiten ausleben kann, kommt es im optimalfall zur symbiose und oft kulturellem mehrwert.

    Das problem ist das z.b. ich mich an neues anpasse. Klar ich kann das und es macht mir spass von neuem zu profitieren. Aber mein bestehendes leben (gefühl und verhalten) ist mit meinem 18monate alten sohn in diesem park nicht mehr dasselbe.
    D.h. ich als einheimische pflanze werde von den invasiven bedroht.

    Zum glück ist alles lebendige von natur aus lebenskünstler.

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    1. das ist ja genau der punkt.
      wenn man soweit ist, dass mögliche ängste nicht mehr angesprochen werden können (oder sich keiner mehr getraut), und unerwünschte aussagen und vorallem die person einfach anhand der verpackung oder form diskreditiert sind, hat dies wenig mit einem sozialen zusammenleben zu tun.
      ich bin doch der, der sich gedanken macht, und der trotz hohem einkommen und tolle bildung dafür entschieden hat in diesem quartier familie zu haben.
      ich bin ready für dialog.
      einfach wegzuziehen oder die kids mit dem suv an die privatschule zu schicken ist ja ne geile einstellung.

      das grösste problem sind nicht die paar „neuen“ gestalten im park. sondern die menschen welche nicht verstehen, dass echte toleranz bedeutet, dass eben nicht jeder so tolerant ist.

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    2. Wenn man Gewalt, Drogenkonsum etc. als wertvoll benennt wird der Park wohl zum wichtigen Ort.
      Dir würde ich Anraten vor Beginn der Schulpflicht Deines Sohnes wegzuziehen in einen Ort wo die Schweizer in der Mehrzahl sind. Ansonsten wird es Dein Sohn später schwer haben aufgrund des schlechteren schulischen Niveaus eine Lehrstelle etc. zu finden. Auch sonst gibt es in solchen gemischten Klassen mit tiefem CH Anteil viele Nachteile meiner Meinung nach, auch wenn kulturelle Vielfalt durchaus auch positive Aspekte haben kann

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