Uh Baselbiet, wir kommen zu euch aufs Land! (Teil I)

Wir haben uns zu denen gewagt, die uns Städter am meisten ablehnen: die Baselbieter Gemeinden Hersberg, Tschoppenhof und Pfeffingen. Warum? Weil wir sie endlich verstehen lernen wollen. Ausgangspunkt heute: «dr Herschbrg».

Ein schöneres Dorf als Hersberg muss man erst noch finden. (Bild: Alexander Preobrajenski)

Eine Frau rennt die Strasse hinunter, zwei Knaben folgen ihr auf einem kleinen Traktor, sie transportieren Milchkannen auf dem Anhänger mit diesem Geräusch, das Plastikspielzeug auf Asphalt macht. Als sie weg sind, hört man wieder die Grillen singen, ab und zu fährt ein Auto durch die Julihitze Richtung Nusshof. Vor dem Bauernhof stehen Töpfe mit farbigen Blumen, aus denen Gartenzwerge güggslen, hinter den Häusern erstrecken sich Wiesen mit Obstbäumen und Felder, die in Wald übergehen.

Kein Zweifel: Der Hersberg ist schön. Er wäre die perfekte Kulisse für die «Landliebe», das Magazin, das Schweizerinnen gerne durchblättern, wenn sie sich nach Idylle sehnen. Basler kommen, um von hier nach Rheinfelden zu wandern, oder zum Wohnen. Die Hersberger dagegen wollen von den Städtern nichts wissen. Bei den Fusionsabstimmungen gehört Hersberg jeweils zu den stärksten Neinsagern und ist stolz drauf.

Doch wir wollen heute nicht mit unseren Nachbarn über Geld streiten, im Gegenteil: Wir wollen ihnen näherkommen, wir wollen sehen und hören, wie sie ihr Leben leben. Zwei Hersberger führen uns an diesem Dienstag durch ihr Dorf, erstens der Gysin Ruedi, 15 Jahre, Beckham-Tolle, weisses Poloshirt, kurze Hose: «Für mich gibts nur den Herschbrg.»

Der Gysin Ruedi: «Kein Junger kennt den Herschbrg besser als ich.»

Zweitens René Itin, weisses Cap mit Bernhardiner – Itin hat einen – und kariertes Hemd. Der pensionierte Lastwagenfahrer ist nicht der einzige Itin im Dorf: «Itin ist in Hersberg Hauptgeschlecht.» Zeitweise hatte es allein drei Männer, die Karli Itin hiessen, einer davon war Renés Vater.

René Itin und sein Bernhardiner drehen täglich eine Runde durch Felder und Wälder.

Vor ein paar Tagen hatte ich in Hersberg Plakate aufgehängt mit der Bitte: «Liebe Hersbergerinnen und Hersberger, wer zeigt mir Euer schönes Dorf?» René Itin sprach mich auf meiner Runde an und Ruedi Gysin rief noch am selben Tag auf der Redaktion an: «Kein Junger kennt den Herschbrg so gut wie ich.»

Bitte keine Flachdächer

Sie führen mich an Pferden auf der Koppel vorbei zum Dorfausgang, in die Ecke mit den neueren Bauten. Hier ist die Porsche-Dichte auffällig hoch. Die Pool-Dichte ebenfalls. «Wohlstandspfützen», sagt Itin trocken. Er ist kein Typ der grossen Emotionen, es ist nicht immer klar, ob er etwas kritisiert oder einfach nur feststellt. Als wir plötzlich nur noch Beton sehen – das Haus vor uns steht auf einem wuchtigen Betonvorbau und hat eine Betonterrasse mit Betondach – sagt er nichts, lächelt aber, als der Fotograf sagt: «Das sieht aus wie ein Bunker.»

Beton, Beton, Beton.

Daneben steht ein Haus mit Mortadellaverputz, einer Mauer aus grossen Steinen, die gerne zu einem Rustico gehören würde. Doch es gibt Grenzen: Hersberg hat ein Flachdachverbot. Satteldächer müssen eine Neigung von 40 Grad haben, Walmdächer eine von 20 Grad, so steht es im Zonenreglement. «Flachdächer passen nicht in unser Dorf», sagt Itin. Die Einwohner finden schon Wege, um ihrem Dorfbild Sorge tragen zu können.

Das müssen sie auch, Auswärtige verwirklichen sich hier ihre Hausträume. Hersberg liegt perfekt für Pendler, im Nachbarort Arisdorf kann man auf die Autobahn. Sie ist so weit weg, dass man sie in Hersberg nicht hört, und nah genug, dass man in 20 Minuten in Basel ist – gesetzt den Fall, dass es für einmal keinen Stau hat.

Die Autobahnzufahrt wurde 1983 eröffnet. Seither ist die Bevölkerung in Hersberg gemäss Statistischem Amt BL angewachsen. Im Jahr 1980 hatte das Dorf 240 Einwohner, jetzt sind es 335 Einwohner. Das liegt auch am neuen Kanalisationssystem: Früher bezog Hersberg das Wasser aus der eigenen Quelle, doch im Sommer versiegte sie oft; hallo Plumpsklo. Seit den 1960er-Jahren kommt das Wasser nun aus Sissach und die WCs haben Spülung.

Das Hersberger Land reicht nur noch für zwei Bauernbetriebe.

Für die Hersberger ist das nicht nur gut. Die Baulandpreise sind in der Folge in die Höhe geschnellt, der Quadratmeter kostet heute bis zu über 700 Franken, viermal mehr als noch 1979. «Einheimische können sich das oft nicht mehr leisten», sagt Itin. Wenn die Kinder erwachsen sind und eigene Familien gründen wollen, müssen sie wegziehen. Mietwohnungen gibt es wenig, Itin selber hat das ehemalige Milchhüsli gekauft und Wohnungen eingebaut. Er dachte dabei an Familien, jetzt wohnen ein Angestellter der Chemischen und eine Anwältin in den zwei über 100 Quadratmeter grossen Wohnungen. Wir kommen daran vorbei, das ehemalige Milchhüsli steht gleich am Dorfplatz, der aus einer kleinen Strasseninsel mit Baum, Wegweisern und einem Brunnen besteht.

Einmal Holländer, immer Holländer

Da, im Zentrum, steht auch der Olsbergerhof. Er stammt aus dem 16. Jahrhundert und verweist auf die Zeit, als Hersberg noch zum Kloster Olsberg gehörte. 1664 bekam Basel die Rechte, doch als 1833 der Kanton Basel-Landschaft gegründet wurde, ging Hersberg an den Bezirk Liestal über. Heute betreiben Itins, «aber andere Itins», dort einen Pferdehof. Die Hersberger nennen sie auch «s Holländers», weil einer der Vorfahren nach Holland auswanderte und später zurückkam.

Der Olsbergerhof steht unter Denkmalschutz.

Still, still, weil der Städter schlafen will

Die Hersberger wissen, wo ihr Platz ist. Aber auch Auswärtige gehören schnell dazu, wenn sie sich am Dorfleben beteiligen. «Sie müssen halt mal in die Beiz kommen oder an einen Umtrunk beim Adventsfensterlen», sagt Gysin. «Wir haben auch vier Schwarze im Dorf, das ist kein Problem», sagt Itin.

Problematischer wird es, wenn die Auswärtigen sich nur dann ins Dorfleben einmischen, wenn sie nicht finden, was sie suchen: ihre Ruhe. Wenn sie sich stören ob der Glöggli, die an den Hälsen von Schafen und Kühnen bimmeln. Aus dem Zürcher Oberland hört man ähnliche Geschichten von Zuzügern. Und die Ruhe geht tatsächlich vor: Als wir an einer Weide mit Schafen vorbeispazieren, hören wir nichts ausser «mäh».

Die Hersberger haben ihren eigenen Kompass.

Auch Nachbarn, die abends nach 22 Uhr im Garten noch einen Schwatz halten, vertragen manche Ruhesuchende von auswärts nur schlecht. Dann schaut die Polizei vorbei und bittet, die Gespräche zu beenden. Die letzte Polizeivisite ist zwar drei Jahre her, doch unter den Dorfbewohnern immer noch Thema. «Wenn ich jemand abends plaudern höre, setze ich mich doch lieber dazu, statt die Polizei zu rufen», sagt Gysin.

Einbruchsquote: null

Aber grundsätzlich hat man auf dem «Herschbrg» seinen Frieden. Übrigens auch vor Einbrechern. Das Baselbiet ist bekanntlich ein Einbrecher-Lieblingskanton – nicht aber Hersberg.  Roland Walter, Sprecher der Kanonspolizei, muss in der Datenbank ins Jahr 2014 zurückgehen, bis er einen Einbruch findet. Die Langfinger haben offenbar noch nichts von der Autobahnausfahrt gehört. Und dann ist da noch René Itin, der die Lage im Auge behält. Wenn er am Abend mit seinem Bernhardiner auf seine Runde geht und ein fremdes Auto sieht, schreibt er die Nummer sicherheitshalber auf. «Man weiss ja nie, und hier schauen wir aufeinander.»

Itin schaut seit Jahrzehnten zum Dorfleben. Er war lange Kommandant der freiwilligen Feuerwehr und Präsident der Bürgergemeinde, bis heute ist er Mitglied in der Schützengesellschaft, Jäger und motivierter Teilnehmer der morgendlichen Stammtischrunde im Restaurant Schützenstube. Die Beiz sehen wir auf unserem Spaziergang nur von aussen, Sommerpause. «Es ist eine gute Beiz», sagt Gysin, «währschaft.» Trotzdem sind nicht alle Hersberger so fleissige Beizengänger wie Itin, viele gehen lieber auswärts: «Wir müssen doch schauen, dass unsere Beiz sich halten kann.»

Bitte einkehren.

Ein Dorf hält zusammen

Die Dorfgemeinschaft ist anonymer als auch schon, logisch, je mehr Leute, desto weniger kennt man sich. Das zeigt sich auch bei der Abstimmungsdisziplin in Fusionsfragen. Hersberg war einst bekannt dafür, stolzeste Baselbieter Gemeinde zu sein. 1969 stimmte das Dorf zu hundert Prozent gegen einen Zusammenschluss mit Basel. 75 Hersberger durften abstimmen, 75 Hersberger kamen an die Urne und sagten Nein.

Itin erinnert sich gern: «Das war etwas Emotionales. Wir haben nichts gegen Basel, aber wir sind noch ein so junger Kanton.» Im Jahr 2014 stimmten die Hersberger nicht mehr so geschlossen. Zwar sagte die Gemeinde innerhalb des Bezirks Liestals immer noch am deutlichsten Nein, aber «nur» mit 83 Prozent.

Auch die Schützengesellschaft ist nicht mehr das, was sie mal war. «Wir sind fast nur noch Pensionierte», sagt Itin, «das Angebot an Unterhaltung ist einfach zu gross.»

Die Kameradschaft, die war öppis

Die Hersberger sind häufig auswärts: Sie fahren am Morgen nach Pratteln oder Basel, arbeiten und einkaufen, und kommen am Abend zurück. Die Verwaltung hat die Gemeinde nach langjährigen Auseinandersetzungen an Arisdorf ausgegliedert und bei der Feuerwehr wird das teilweise auch bald der Fall sein. Es ist ja niemand da, während des Tages, wenn dann ein Feuer ausbricht…

Früher, da lief noch etwas in der Feuerwehr, erzählt Itin, als wir vor dem Feuerwehrmagazin halten. «Die Kameradschaft, damals, das war öppis.» Und wenn Übung war, dann war Übung, dann gabs nichts anderes. Nach der Übung gingen 80 Prozent bis Mitternacht in die Beiz, das war klar, manchmal wurde es auch halb drei. Und man nahm jedes Jahr am Feuerwehrwettkampf mit anderen Feuerwehren teil, «da ist noch was gloffe». Heute gehen acht von zehn Feuerwehrleuten nach der Übung nach Hause. Und mit den Feuerwehren der anderen Dörfer einen über den Durst trinken und dann mit dem Auto nach Hause fahren, liegt auch nicht mehr drin.

Täglich zu den Grosseltern

Der Gysin Ruedi bringt Leben ins Dorf. Der 15-Jährige fehlt an keinem Anlass: Im Mai kontrolliert er am Banntag die Grenze, im Dezember besucht er den Umtrunk beim Adventsfensterlen, im Januar verbrennt er mit den anderen Dorfbewohnern die Weihnachtsbäume am Waldrand und im Februar macht er Fasnacht.

Jedem Dorf seinen Robin Hood.

Ruedi Gysin redet viel über die Fasnacht. Dieses Jahr hat er an 40 Abenden Schnitzelbängge in der Region gesungen. Und er hat in den letzten zwei Jahren die Hersberger Fasnacht wiedererweckt und eine Wagenvernissage mit Umzug organisiert. «Mich kennen alle. Wenn einer fragt: ‹Wo ist der Gysin Ruedi?›, wissen alle, wer gemeint ist.»

Ruedi lebt mit seiner Mutter und Schwester in einem Haus am Dorfrand, gleich neben dem Sportplatz, den er als Nebenverdienst mäht und pflegt. Die Familie ist nah: Während unseres Spaziergangs fährt sein Grossvater winkend auf dem Töffli vorbei, später sehen wir auf der Strasse seinen Onkel mit Frau und Kindern. Bis vor Kurzem hat Ruedi nach der Schule jeden Tag bei seinen Grosseltern vorbeigeschaut und ein Käffeli getrunken, am Wochenende grilliert die ganze Familie oft zusammen.

Hersberger Kinder sind selbstständiger

Mit dem Nachmittagskäffeli ist es jetzt aber dann vorbei, im August beginnt Ruedi eine Lehre als Koch auswärts. Deshalb will er die Traktorenprüfung machen, damit er abends mit dem Töffli nach Hause fahren kann, wenn es in der Küche spät wird. Der Bus fährt nur bis 22 Uhr. Wobei, was heisst hier «nur»: Als René Itin ein Knabe war, gingen die Kindergärtler und Schüler noch zu Fuss nach Arisdorf – «eine Stunde hin, manchmal drei zurück. Egal, bei welchem Wetter». Heute nehmen sie den Bus, eine Schule hatte Hersberg nie.

Für die Kinder ist das gut, sagt Itin: «Hersberger Kinder sind selbstständiger als andere.» Ruedi fuhr schon mit acht Jahren mit Freunden nach Liestal «uf d’Leutsch». Jetzt geht er öfters nach Basel «mit den Kollegen den Rhein geniessen». Mit Bus und Zug hat man nur 30 Minuten. René Itin besucht gerne das Tattoo, auch wenn er das Puff in der Stadt nicht mag, «und für die Parkplätze zahlst du ein Vermögen».

Danke für die Gastfreundschaft, Hersberg, wir kommen wieder.

Wenn sie etwas erleben wollen, müssen auch der Itin René und der Gysin Ruedi Hersberg hin und wieder verlassen. Doch am Abend, da kommen sie wieder heim. Hier sind sie aufgewachsen, hier wollen sie bleiben: «Mich zieht es in kein anderes Dorf», sagt René Itin. Der Gysin Ruedi nickt.

Dossier Baselbiet für Anfänger (also Städter)

Wer das Baselbiet verstehen will, sollte vielleicht einfach mal dahin fahren. Genau das haben wir getan.

Alles zum Thema (4)

Konversation

  1. Ich wohne seit 1975 in Hersberg! Der Arisdörfertunnel wurde 1970 eröffnet. Die Zufahrt zur Autobahn von Hersberg her kam später! Ich arbeitete in Pratteln am Rhein unten und fuhr noch eine ganze Zeitlang durch Arisdorf via Augst zu meinem Arbeitsplatz, weil es noch 1975 keine Autobahnzufahrt hatte!

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    1. Nein! Das gibts doch nicht. Das ärgert mich jetzt, ich habe diese Information dreifach abgecheckt bei der Recherche, weil ich unsicher war, ob sie stimmt. Ich danke Ihnen aber ganz herzlich für den Hinweis, liebe Luna. Um sicher zu gehen, habe ich jetzt noch eine Anfrage ans Bundesamt für Strassen geschickt – ich halte Sie auf dem Laufenden. Vielen Dank!

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    2. So, jetzt habe ich Antwort vom Astra. Sie haben Recht: Die Autobahnzufahrt wurde 1983 eröffnet. Herzlichen Dank noch einmal für den Hinweis, auch wenn mich mein Fehler fuchst:-)

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  2. Warum wir gerne ländlich wohnen

    Warum haben viele ländliche Gemeinden JA gestimmt zur Masseneinwanderungsinitiative? Weil die ländlich wohnenden Leute die lockere Bauweise, den geringen Anteil von Mietwohnungen, die Eigenverantwortung für Haus und Garten und die mässige Verkehrsbelastung schätzen. Sie wollen nicht, dass noch mehr Gemeinden zu seelenlosen, verdichteten Agglomerationsgemeinden verkommen. Um die lockere Bauweise auf dem Land in möglichst vielen Gemeinden zu erhalten, müssen wir dort ansetzen, wo das möglich ist: bei der Reduktion der Zuwanderung. Die steigende Wohnflächennachfrage der ansässigen Bevölkerung, der Drang vieler Familien aufs Land können wir nicht beeinflussen.

    Eine qualitativ hochwertige Verdichtung der Besiedlung ist zu begrüssen und entspricht auch den Vorlieben der urban gesinnten Leute. Es gibt aber einen grossen Bevölkerungsanteil, der gerne sein „Hüsli mit Garten“ hat, ob das nun den Architekten und Stadtplanern passt oder nicht. Im Übrigen weist der Modetrend des „urban gardening“ darauf hin, dass auch bei den urban Gesinnten noch ein Rest an Natursehnsucht vorhanden ist, der gerne im Wohnumfeld erfüllt werden will.

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    1. Ja, die »seelenlosen, verdichteten Agglomerationsgemeinden« sind aber gut genug, wenn man sich via Finanzausgleich alimentieren lassen muss. Dieses Geld stinggt offenbar nicht.

      Niemand vergönnt Ihnen auf dem Land die Idylle. Es ist aber ebenso klar, dass die Agglo-BaselbieterInnen nicht alle freiwillig in der Nähe ihres Jobs wohnen. Logisch sind die Verhältnisse beispielsweise in Birsfelden daher mit rund 10’000 EinwohnerInnen etwas enger.

      Begeistert ist aber hier niemand, wenn der Verkehr auf der A2 wieder einmal zusammenbricht, weil alle Fricktaler & Oberbaselbieter mit dem PW zur Arbeit nach Basel fahren. Oder aus dem Laufen- oder Birstal die Freizeit-Karawane in die geliebte Stadt tuckert. Das sind dann die Kollateralschäden der Landidylle. Die Medaille hat immer zwei Seiten.

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    2. Vielen Dank für Ihren Input, Herr Schneider. Ich teile Ihre Sicht, dass sich auch viele Städter mehr Raum und Grünflächen wünschen. Das zeigt auch die Ablehnung der Stadtrandentwicklung in Basel und der Widerstand gegen die Umzonung von Familiengärten. Die Schwierigkeit ist, Wunsch und Realität zusammenzubringen. Fast alle müssen in die Stadt, um zu arbeiten. Und viele wollen gleichzeitig gerne viel Platz und Ruhe. Das bringt Verkehr und oder die Entvölkerung des Landes. Und steigende Bodenpreise und Mieten.

      Dass Ihre Lösung machbar ist, glaube ich dagegen nicht. Die Einwanderung zu begrenzen, ist fast nicht machbar, wie die Realität zeigt. Rückführungsabkommen, Untertauchen… Abgesehen, dass man darüber streiten kann, ob es menschlich und liberal ist und unserer Wirtschaft nicht mehr schadet als bringt.

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  3. „Fascht e Familie“ geht mir durch den Kopf, wenn ich diese rührige Geschichte lese. Und die Nostalgie der Alteingesessenen ist gross, angesichts der Landflucht der Jungen. Teuscht aber nicht darüber hinweg, dass es in dieser Gemeinde, nebst Betonklötzen und Gartenzwerge, auch etliche Betonköpfe gibt. So haben die Hersberger die MEI mit 67% angenommen. Liedertswil alias Tschoppenhof gar mit 95%. Vielleicht hätten diese Gemeinden bei weniger Ablehnung der Ausländer heute vielleicht mehr Gäste in der Beiz oder Freiwillige bei der Feuerwehr. So wie es aussieht, findet die Masseneinwanderung nun eher durch Städter aus dem pösen Nachbarkanton statt.

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  4. Ich versteh den Finanzausgleich einfach nicht.
    Wie Herr Meury schreibt beziehen die Hersberger 66’000 Franken.
    Der Steuersatz ist mit 55 % aber um 4.36% tiefer als der Kantonsdurchschnitt.
    Für meine bescheidene Logik stimmt doch das was nicht.
    Zumindest müsste doch der Steuersatz auf den Durchschnitt angehoben werden, bevor ich die hohle Hand machen kann.

    Kann mir das mal jemand erklären, so dass auch ich es verstehen kann.

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  5. »Die Baulandpreise sind in die Höhe geschnellt, der Quadratmeter kostet heute bis zu über 700 Franken, viermal mehr als noch 1979. «Einheimische können sich das oft nicht mehr leisten», sagt Itin. Wenn die Kinder erwachsen sind und eigene Familien gründen wollen, müssen sie wegziehen.»
    Das klingt nach ungerechter Entwicklung und bösen Kräften. Nur, es waren die HersbergerInnen, welche ihr Land vor Jahren den fremden Fötzeln (?) verkauft haben. Daher ist diese Entwicklung (Ausverkauf der Heimat!) selbstverschuldet. Einigen wenigen Hersberger LandbesitzerInnen haben die Landverkäufe aber offensichtlich tüchtige Gewinne beschert und der Gemeinde Handänderungssteuern in die Kasse gespült. Natürlich kann man über die reichen ZuzügerInnen meckern (Betonvilla!), ich gehe aber davon aus, dass man im Dorf von den zusätzlichen SteuerzahlerInnen (Zuwachs in 47 Jahren rund 200 »Nicht-HersbergerInnen«) tüchtig profitiert hat. Irgendwohin müssen diese zusätzlichen Steuereinnahmen ja geflossen sein. Merkwürdig ist trotzdem, dass die Gemeinde beim Finanzlastenausgleich zu den Nehmergemeinden gehört und jährlich mit 66’000 Franken von den reichen (?) Agglogemeinden alimentiert werden muss.

    Die Abschottungspolitik der Hersberger ist offensichtlich nicht ganz wasserdicht: »Die Hersberger sind häufig auswärts: Sie fahren am Morgen nach Pratteln oder Basel, arbeiten und einkaufen, und kommen am Abend zurück«. Klar doch, man ist zu 100% gegen die Stadt und verweigert tapfer die Beteiligung an Zentrumsleistungen (kürzlich: Beitragskürzungen bei der Uni und Halbierung der Kulturvertragspauschale), geht aber gerne in die Stadt shoppen, konsumiert kulturelle Dienstleistungen und hat in Basel einen gutbezahlten Job. Eine Idylle mit Brüchen & Ungereimtheiten. Aber man singt gerne das Lied der hehren Baselbieter Landautonomie….Solange die Dummen weiterhin anstandslos blechen, die Pendlerströme erdulden und ihre urbanen Errungenschaften anstandslos teilen, usw. ist schöne Welt auch in Hersberg für die Gysin’s und Itin’s noch in Ordnung.

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    1. Lieber Herr Meury, Ihre Kritik ist willkommen. Bitte bleiben Sie aber sachlich . Die beiden Herren waren so freundlich, mich in ihr Dorf einzuladen und herumzuführen, da sehe ich ungern, wenn sie persönlich angegriffen werden.

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