Giftiger Verteilkampf um eine warme Mahlzeit

Basel ist die reichste Stadt der Schweiz. Gleichwohl kämpfen Tausende Menschen jede Woche um Lebensmittelspenden. Die Helfer sind am Anschlag.

Basel ist eine Stadt mit massiven sozialen Problemen. Sie scheinen nicht durch, wenn mal wieder von Rekordüberschüssen die Rede ist oder teuren Bauprojekten. Doch das Geld fürs Nötigste fehlt an vielen Orten. So lebt zum Beispiel jedes fünfte ausländische Kind in Basel-Stadt von der Sozialhilfe, also am Existenzminimum. Tendenz: klar steigend.

Auch die Gesamtquote an Sozialhilfeempfängern nimmt wieder zu. Mit 7,4 Prozent im Stadtgebiet weist Basel eine der höchsten Quoten der Schweiz auf. Gleichzeitig gibt es keinen Kanton in der Schweiz mit einem höheren Pro-Kopf-Einkommen. Aktuell sind es im Durchschnitt knapp 170’000 Franken im Jahr. Wie passt das zusammen?

Dass im sozialen Gefüge dieser Stadt etwas nicht stimmt, bleibt der breiten Öffentlichkeit meist verborgen. Bettler finden sich kaum im Stadtbild, den meisten Menschen sieht man die Notlage nicht an. Aber es gibt Orte, an denen die Friktionen zutage treten.

Unter der Woche im Kleinbasel, 14 Uhr: In einer schmalen Gasse zwischen Riehenstrasse und Rosentalstrasse hat sich eine Schlange gebildet. 50, vielleicht 60 Leute, manche von ihnen warten schon lange. Es sind ältere Männer da, auch ein paar junge, sowie Frauen jeden Alters, von denen viele ein Kopftuch tragen. Auch ein paar Kinder sind mitgekommen. Fast alle sind mit einem Einkaufstrolley ausgestattet.

Es ist eine Essensausgabestelle, vor der diese Menschen anstehen. Bald geht das Verteilen los. Hinter der Aktion steht der gemeinnützige Verein «Dienst am Nächsten» (DaN). Über 200 Plastiksäcke voller Essen verteilt er wöchentlich an Bedürftige, den sogenannten «Heiland Sack». Registriert haben sich rund 500 Menschen für diese Ausgabe. Voraussetzung ist ein Nachweis, der die Bedürftigkeit belegt, beispielsweise ein Caritas-Ausweis, eine KulturLegi oder ein FamilienpassPlus.

Allein ins ehemalige Kino Royal kommen 200 Menschen pro Woche, um einen Sack Essen zu holen.

«Die Nachfrage ist noch viel grösser», sagt Leiter Michel Fischer, «aber mehr haben wir nicht zu verteilen.» Manche stünden schon ab elf Uhr bei der Ausgabestelle an, warten stundenlang. «Vor allem Geflüchtete», sagt Fischer. Andere kämen erst auf die drei oder halb vier, dann habe es keine Schlange mehr.

Die Essensausgabe befindet sich im ehemaligen Kino Royal, das jetzt von der Freikirche Vineyard gemietet wird. Fischer ist dort Pastor und hat vor elf Jahren den «Heiland Sack» ins Leben gerufen. Anfänglich bekamen fünf Personen einen Sack Essen nach Hause geliefert, inzwischen kommen wöchentlich im Schnitt über 200 Menschen.

Vor drei Jahren wurde der gemeinnützige Verein DaN gegründet. Im Zentrum steht die Absicht, Menschen Gutes zu tun – egal, welcher Religion sie angehören. Das Essen kommt zu 90 Prozent von der Schweizer Tafel. Sie holt die Nahrungsmittel bei Grossverteilern ab. Der restliche Teil ist Privatspende.

Cindy und Ibrahim

Im Saal rücken knapp zwei Dutzend Mitarbeitende die vollen Kisten zurecht und plaudern. Es ist ein bunt gemischtes Team aus Männern und Frauen. Sie sind alle selbst Bezüger, die früher oder später einfach den Wunsch hatten, selbst ehrenamtlich mitzuarbeiten.

14.15 Uhr: Die ersten Gäste kommen mit ihren Einkaufstrolleys rein. Zuerst gehen sie an den Kisten vorbei. «Magst du einen Joghurt?», fragt Cindy. Die schwarzhaarige, tätowierte Frau ist seit 2015 im Team. «Ich bin Taxifahrerin», erzählt sie. Sie sei alleinerziehend, habe zwei Töchter. «Und vor drei Jahren ist mein Umsatz wegen Uber so eingebrochen, dass ich Ergänzungsleistungen beantragen musste.»

Cindy kam damals zur Essensausgabe und entschied schon beim ersten Besuch, dass sie mitarbeiten möchte. Es macht ihr sichtlich Freude.

«Ist gut für Kinder?», fragt ein Mann in gebrochenem Deutsch und zeigt auf einen Pudding. Cindy liest vor: «Protein-Pudding.» Nein, das sei eher für Erwachsene, antwortet sie dem Mann und muss lachen: «Für den Muskelaufbau!»

Neben Cindy steht Ibrahim. Der Syrer kam vor dreieinhalb Jahren in die Schweiz. Er hat keine Arbeitsstelle, aber vier Kinder zu versorgen. So kam er zum «Heiland Sack». Erst als Bezüger, später als ehrenamtlicher Mitarbeiter. «Ich mag gerne Leuten helfen», sagt er.

Mangel an Bezugskarten

Yvonne Bürgin verantwortet für die Sozialinstitution Schwarzer Peter die Verteilung von Essenskarten der Organisation Tischlein deck dich.

Bürgin ist besorgt über die Situation mit den Essensverteilungen in Basel. Und auch zunehmend verärgert: «Es ist ein Chaos, es gibt keine Transparenz, wer eine Essenskarte bekommt und wer nicht», sagt die Gassenarbeiterin. Sie hat vor ein paar Tagen einen Notruf auf Facebook platziert:

Genügend Essen auf dem Tisch ein Lottogewinn? Bürgin sagt, es gebe deutlich zu wenige Lebensmittel, die verteilt werden könnten und entsprechend wenig Bezugskarten. Der Schwarze Peter hatte bis vor Kurzem nur drei Karten, jetzt sind es immerhin sechs. Der Bedarf sei jedoch ein Vielfaches davon. Eben erst musste Bürgin ein Pärchen wieder heimschicken. «Die sind in Tränen ausgebrochen, als ich ihnen keine Karte geben konnte», sagt sie.

Bürgins Klienten sind oft alleinerziehende Mütter. Aber auch ältere Menschen, die von einer minimalen AHV- oder Witwenrente leben. Und dann gibt es noch solche, die sich ohne Sozialgelder durchzuschlagen versuchen – aus Scham, auf den Ämtern vorstellig zu werden.

«Wenn wir zehn Menschen helfen, enttäuschen wir zugleich neunzig andere.»

Alex Stähli, Geschäftsführer von Tischlein deck dich

Bürgin macht die Situation zu schaffen. Weil sie keine Antwort hat auf die verzweifelte Lage ihrer Klienten. Und weil die Knappheit zu einem vergifteten Verteilkampf führt. Kartenbezüger werden des Missbrauchs bezichtigt, bei Ausländern heisst es schnell, sie würden Schweizer aus der Notvorsorge verdrängen.

Der Geschäftsführer der Organisation Tischlein deck dich, Alex Stähli, kennt das Problem nur zu gut, dass nicht alle Bedürfnisse befriedigt werden können. Er sagt: «Wenn wir zehn Menschen helfen, enttäuschen wir zugleich neunzig andere.» Die Organisation behilft sich mit einem Rotationsprinzip. Jeweils nach maximal zwölf Monaten müssen die Sozialinstitutionen eine Neubeurteilung vornehmen und die Karten an andere Bezüger weiterreichen. «Es gibt kein Gewohnheitsrecht», sagt Stähli.

Yvonne Bürgin vom Schwarzen Peter hält wenig von dieser Regelung. «Natürlich ist das hochproblematisch», sagt Bürgin. Armut verschwinde ja nicht einfach mit dem Jahreswechsel. Aber was wäre eine fairere Lösung des Problems? Solange die Nachfrage das Angebot um ein Vielfaches übersteigt, bleiben viele Verlierer zurück.

Es wäre genügend Essen für leere Tische da

500 Bezugskarten verteilt Tischlein deck dich in Basel, die Zahl hat sich leicht erhöht im laufenden Jahr. Doch dem Wachstum sind Grenzen gesetzt. Derzeit erreicht die Organisation 19’000 Menschen in der ganzen Schweiz. Mehr liegt vorerst nicht drin. Die letzten beiden Jahre schrieb man Verluste und auch im laufenden Geschäftsjahr rechnet Stähli mit einem «substanziellen Fehlbetrag». Also werden keine neuen Projekte gestartet, wird erstmal der laufende Betrieb konsolidiert.

Eine zweite Grenze wird durch die Zahl der Lebensmittelspenden gezogen. Während diese bei den Grossverteilern wie Migros und Coop stabil bleibt, sind die Abgaben von Lebensmittelproduzenten rückläufig und müssen mit Neuakquisitionen kompensiert werden.

Für Stähli ist das allerdings kein schlechtes Signal. Denn seine Organisation richtet sich primär gegen Foodwaste und setzt sich nur in zweiter Linie für die Versorgung von Bedürftigen ein. «Wenn Firmen weniger Ausschuss produzieren, werten wir das als Erfolg unserer Bemühungen», sagt Stähli.

Dass die Bedürfnisse der Umwelt vor jenen der Menschen stehen, wirkt nur auf den ersten Blick problematisch. Denn zwei Millionen Tonnen Lebensmittel landen in der Schweiz jedes Jahr im Müll. Der grösste Gratisverteiler, die Schweizer Tafel, rettet davon gerade mal 4000 Tonnen, um sie an Bedürftige abzugeben. Es fehlt also nicht an Essen für leere Tische. Es fehlt an der Infrastruktur, an staatlicher Unterstützung, letztlich am Geld.

Die Scham steht vielen im Weg

Im ehemaligen Kino Royal geht der Besucherstrom derweil kontinuierlich weiter. Nach der losen Ware kommen die abgepackten Säcke. Es habe sich bewährt, diese vorab zu packen – möglichst ausgewogen, «so dass es von allem etwas hat», sagt Abgabeleiter Michel Fischer. Sonst hätten diejenigen, die später kommen, Sorge, das Gute sei schon weggeschnappt.

Einen Tisch weiter packen die Leute die Ware um in ihre Trolleys. Was sie nicht mögen, landet in einem dafür vorgesehenen Korb, die «Tauschbörse».

 «Leider getrauen sich viele Schweizer gar nicht her», sagt Walter, der seit zehn Jahren mithilft.

15 Uhr: Der Raum hat sich gefüllt. Gespräche hier und dort. Arabisch, vielleicht türkisch, deutsch. Zwei Mädchen, um die acht, neun Jahre alt, sitzen auf Holzbrettern am Rand und essen Cracker, die sie gerade bekommen haben. Rund um die Tauschbörse schauen ein paar Besucher, ob sie noch etwas Feines ergattern können.

Die meisten Menschen haben Migrationshintergrund, einige sind geflüchtet, berichtet Fischer. Einzelne sehen schweizerisch aus. «Leider getrauen sich viele Schweizer gar nicht her», sagt Walter, der seit zehn Jahren mithilft. «Die Scham und die Hemmschwelle sind gross», sagt er. Er ist im Rentenalter und findet es super, bei einer guten Sache mitzuhelfen.

Tausende wären bedürftig

Auch das versuchen Michel Fischer und sein Team aufzubrechen. Sie wollen mit ihren Gästen ins Gespräch kommen, sie auch aus der inneren Not holen. Es gelingt nicht oft, und auch wenn es klappt, bleibt das Engagement des Vereins bescheiden angesichts des Ausmasses der sozialen Notlage.

Die angefragten Abgabestellen gehen von einem Faktor zehn an Bedürftigen aus. Das heisst, dass Tausende Baslerinnen und Basler Lebensmittelspenden wollen, aber keine erhalten.

Das weiss auch Michel Fischer. Zum Schluss bittet er, den Wochentag der Abgabe in der Reportage nicht zu erwähnen. Nicht weil er nicht mehr helfen will, sondern schlicht nicht mehr Menschen helfen kann.

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https://tageswoche.ch/gesellschaft/wenn-es-im-reichen-basel-nur-fuer-billig-essen-reicht/

Konversation

  1. Vielen Dank Dinu Marsson. Beim Schreiben Ihrer Kommentare haben Sie offensichtlich meine Gedanken gespiegelt.
    Mich nervt auch immer wieder, wie auf Sozialhilfe angewiesene Personen in der Öffentlichkeit dargestellt werden, wahlweise als arme Tropfe, als geistig nicht ganz auf der Höhe, als Schmarotzer oder als Kriminelle.
    Meine Bitte: Hört endlich auf mit solchen demütigenden Aktionen! Sozialhilfeempfängern fehlt es an einigem, jedoch nicht an Essen. Eine vierköpfige Familie kommt auf über 5000 Franken im Monat, damit lässt sich Essen kaufen. Noch nie war Essen, gemessen an den übrigen Lebenshaltungskosten so billig wie heute (1 Kg Poulet im Coop für unter 5 Franken, so billig ist es nicht mal in Afrika).
    Wer will, dass sich die Situation für Sozialhilfeempfänger verbessert, sollte sich politisch einsetzen. Auch die Unternehmen sollten hier Verantwortung übernehmen.

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  2. ich muss sagen ich bin absolut dankbar das es das gibt. vorallem werden sonst schon zu viel lebensmittel weggeworfen, warum also nicht menschen helfen damit?

    und herr dinu marrson, ihre Aussage ist einfach nur traurig und beschämend. das existenzminimum ist extrem knapp berechnet und gesund einkaufen damit fast unmöglich. Ich hoffe schwer das Sie nie in die situation kommen werden, dass sie mitte monat vor einem leeren kühlschrank sitzen, weil zum beispiel diesen monat eine hohe stromrechnung zu bezahlen war. Ich denke dann wären sie auch froh das man lebensmittel nicht wegwirft sondern Sie für einen symbolischen Franken noch gute Lebensmittel bekommen, welche sonst nach ihrer Meinung besser im Müll landen würden. Aber zum glück liegt die Entscheidung ob man Menschen hilft, mit kleinigkeiten wie Lebensmittel oder gratis Kleider etc. nicht bei Ihnen.

    Danke an Schwarzer Peter wie auch DAN, viele sind froh drum!

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    1. IX66, Ihre Logik ist kurzschlüssig und sieht von den langfristigen Folgen ab. Lebensmittelresten sind im übrigen nicht schlimmer als andere Abfälle. Sie sollten einfach möglichst umweltfreundlich entsorgt werden. Gerne dürfen Lebensmittelresten auch vergünstigt weiterverkauft werden.

      Beschämend würde ich es vielmehr finden, wenn mir plötzlich eine Stromrechnung reinflatterte. Bei mir flattern nur Rechnungen herein für Sachen, die ich vorher konsumiert habe. Ausserdem kann man Sozialhilfe beantragen, wenn man noch CHF 4000 auf dem Konto hat. Ich hatte während meiner ganzen Zeit bei der Sozialhilfe zwischen 2000 und 8000 Franken auf dem Konto. Wer einigermassen vernünftig wirtschaftet, kommt in aller Regel nicht in die von Ihnen supponierten Situationen. Es kommt ja noch hinzu, dass man als Sozialhilfeempfänger vielen Lebensrisiken enthoben ist, die Normalverdienende selbst targen. So werden sämtliche Arzt- und Zahnarztkosten übernommen, ebenso wie Versicherungskosten für Hausrat- und Haftpflichtversicherung.

      Ich kenne viele Sozialhilfebezüger und ich weiss, dass es darunter einige gibt, die ständig jammern, die Schuld auf andere schieben und um Verständnis (und Einladungen) betteln. Dieses Verhalten ist aber oft Grund der Sozialhilfeabhängigkeit selbst und gleichzeitig dessen Folge. Wenn nun noch Armenspeisungen und Kleiderverteilungen zur Norm werden sollen, verstärken wir diese falschen Einstellungen noch. Ein Sozialhilfeempfänger hat Geld zu erhalten und damit eigenverantwortlich umzugehen. Alles andere ist unwürdig.

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  3. Etwas irritiert lese ich hier die Kommentare und erkenne, dass Menschen, welche Lebensmittel verteilen und Bedürftige, die diese Lebensmittel annehmen, offenbar bei einigen ziemliche Wut hervorrufen.
    Und ich frage mich ernsthaft, warum das so ist….

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    1. Das ist tatsächlich etwas sehr Eigenartigs hier im Lande: Der Wohlhabende darf Steuern vermeiden, wird nicht nach dem Verbleib seines irgendwie bekommenen Geldes gefragt und am Gegenpol rechnet man dem Bedürftigen jeden Rappen vor, dem man ihm sponsern MUSS. Vielleicht hat man heimlich das Gefühl, dass Armut durch schlechtes Karma doch selber verschuldet sein könnte und dementsprechend unermesslicher Reichtum etwas mit Gottes Auserwähltheit zu tun haben könnte.
      So nimmt man sich dann das Recht, dem wohl selbstverschuldeten Armen, der womöglich auch noch zuwenig tugendhaft oder gar vom Teufel befallen ist, noch mehr zu plagen und zu schikanieren, etwa nach dem Motto: Wenn Gott ihn schon nicht mag, dann kann ich so Gott auch noch helfen….
      Dam anderen wird auch noch nichtgöttliche Hilfe zuteil mittels Steuerschlupflöchern, speziellen Steuergesetzen, Pauschalbestuerungen und natürlich ein völlig anderer, wesentlich höflicherer Umgang mit dem von Gott auserwählten Menschen….

      (Dem sagt man aber Wohlstandsevangelium und so steht das nicht in der Bibel drin.)

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  4. Die Tageswoche fragt mich online was ich darüber denke! Ja ich denke eben … und ich finde es gut, dass Lebensmittel zum „fressen“ verteilt werden statt daraus „Bio-Pfusch-Gas“ für Autos oder E-Bikes usw. herzustellen. Aber das asoziale Verhalten vieler Bezüger finde ich grenzwertig. Und das Sozialamt usw. ist wohl schon lange daran, diese kostenlose Leistung gegenzurechnen. Und trotzdem gibt es Bezüger, welche sehr dankbar und demütig sind für diese Leistung; insbesondere alleinstehende Personen mit oder ohne Kinder.

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  5. Kein Wunder haben sie kein Geld mehr da Paff-und Kiff kostet. Ja ich weiss wie mit wenig Geld auskommen.

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  6. Hört endlich auf mit diesem Lebensmittelverteilen! Das ist Sozialpolitik aus dem 19. Jahrhundert. Es ist unnötig und unwürdig. Wer Sozialhilfe hat (und erst recht, wer Ergänzungsleistungen zur AHV/IV bezieht), hat ein ausreichendes Budget für Nahrungsmittel. Früher oder später wird der Grundbedarf mit Hinweis auf die Gratislebensmittel gesenkt werden. Dann sind wird wirklich zurück im 19. Jahrhundert und alle werden das unwürdige Ritual des Anstehens verrichten müssen. Rein juristisch müsste heute schon diese Besserstellung dem Sozialamt gemeldet werden, es handelt sich faktisch um Geschenke. Diese Verteilaktionen dienen nur einem, nämlich der Selbstinszenierung der Verteiler.

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    1. @Dinu Marsson
      Ich vermute, dass Sie noch nie in den Genuss von Sozialhilfeleistungen gekommen sind, sonst würden Sie den Text nicht so schreiben.
      Es ist schon lange her, dass ich mit meinen beiden Kindern auf die Sozialhilfe angewiesen war. Meine Kinder konnte ich nur gesund ernähren, weil ich einen Pflanzblätz hatte und im Sommer Beeren und Früchte im Wald und sonst der Natur sammelte.
      Die Fürsorge zahlt noch lange nicht alles, wenn etwas kaputt geht. Wenn man so etwas bezahlen muss und es nicht nur ein paar Franken sind, reicht dann das Geld bis Ende Monat nur noch für die billigsten Nudeln und so oder auch nicht mehr.

      Das Geld, das man von der Fürsorge heute bekommt, reicht nicht mehr zum Leben, bestenfalls zum Uebereben.

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    2. @Maya Eldorado, Ihre Vermutung ist falsch, ebenso wie Ihre Behauptung, dass man von Sozialhilfe nicht gesund leben kann. Man könnte sogar von noch weniger gesund leben. Der Grundbedarf der Sozialhilfe beträgt über 30 Franken pro Tag. Damit bin ich sogar fast immer in ein kleines Restaurant gegangen. Kleider kosten heute fast nichts mehr und auch Internet und Handy sind leicht abgegolten. Man muss sich nur organisieren.

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    3. @Dinu Marrson
      Das mit den Richtlinien 30 Franken pro Tag das stimmt. Aber immer weniger Gemeinden halten sich an diese Richtlinien. Es findet da eine Errosion statt.
      Und diese dreihundert Franken müssen nicht nur fürs Essen reichen, sondern für vieles andere. Neben dem Grundbedarf wird nur noch die Miete, bis zu einem gewissen Betrag und die Grundversicherung der KK, nur bis zu einem gewissen Betrag, bezahlt.
      Daneben fällt beim Grundbedarf noch das Elektrisch an, Weiter Radio- und Fernsehgebühr. Heute muss man das ja bezahlen, egal ob man es hat oder nicht.
      Vielleicht sollte man ja auch mal zum Coiffeur, nicht alle haben die Gabe und den Mut selber zu schneiden.
      Das Velo muss auch wieder mal geflickt werden.
      Und da gibts noch Einiges.
      Und dann schauen Sie mal, was davon wirklich noch fürs Essen vorhanden ist.
      Ja und eben Natel und/oder Laptop.

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    4. Ich gebe Ihnen recht und weiss aus eigener Erfahrung, dass das Leben mit Sozialhilfe nicht komfortabel ist. Dass die meisten Gemeinden sich nicht an die Richtlinien halten, ist jedoch falsch. Richtig ist aber, dass die Bemessung der Sozialhilfe in den letzten Monaten unter Druck geraten ist – meines Erachtens zu Unrecht. Also kämpfen wir gemeinsam gegen die Kürzungen beim Grundbedarf!

      Die Rückkehr zu Armenspeisungen und Kleiderverteilungen ist jedoch keine Lösung, sie bietet bloss der Sozialindustrie, Freikirchen und Gutmenschen Inszenierungspotential. Es ist eine Schande, wenn Arme sich von Pfarreimitarbeitern und anderen nach Gutdünken Lebensmittel einpacken lassen, dafür gibt es Geld und Selbstbestimmung.

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    5. Ihre Worte in Gottes Ohr ;-). Bin etwas erstaunt, dass die TaWo die Selbstinszenierung-Aktion dieser Freikirche nicht kritisch hinterfragt. Danke für Ihren Kommentar, Dinu Marsson.

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    6. Noch etwas, Dinu Marsson
      Als Sozialhilfebezüger darf man Naturalien entgegennehmen. Man muss das nicht melden. Also, sie dürfen ihren Mantel verschenken, aber kein Geld geben, dass der einen Mantel kaufen kann.
      Sie können ihm etwas Essbares schenken, aber kein Geld geben, damit er etwas zu essen kaufen kann.

      Sie haben recht, als EL-Bezüger hat man wesentlich mehr, ein paar hunderter. Aber auch da kann es knapp werden, wenn die Wohnung z.B. zu teuer ist, oder krankheitsbedingte Kosten anfallen, die noch lange nicht von der Oeffentlichen Hand oder KK bezahlt werden.

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    7. Es trifft meines Wissens nicht zu, dass man Naturalien entgegen nehmen darf, ohne es zu melden. Gemäss SKOS-Richtlinien, A-4.1, sind auch „freiwillige Leistungen Dritter“ dem Subsidiaritätsprinzip unterworfen. Alles andere wäre auch unlogisch: Es würde bedeuten, dass Sozialhilfeempfänger mit spendablem Umfeld bessergestellt würden. In der Praxis wird aber sinnvollerweise meist darüber hinweggesehen, solange es sich um kleine Spenden handelt. Sollten solche Armenspeisungen aber zur Norm werden, werden sie rechten Politikern ein Argument liefern, den Grundbedarf zu senken.

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    8. @Dinu Marsson
      Mit freiwilligen Leistungen sind Geldleistungen gemeint. Wie soll denn das gehen, ich meine die Bewertung, wenn sie ein paar, schon ziemlich abgetragene Hosen bekommen oder einen Mantel, der auch schon bessere Tage gesehen hat.
      Früher waren die Container, wo die Grossverteiler und andere Geschäfte ihre nicht mehr brauchbaren Sachen wegschmissen, noch für jedermann zugänglich. Heute wird das über Tischlein Deck Dich abgewickelt.
      Man kann auch über die abgeernteten Felder gehen und das von den Maschinen liegengelassene einsammeln. Das ist oft sehr ergiebig. Da haben mich sogar zwei Bauern, unabhängig voneinander darauf aufmerksam gemacht. Der eine von beiden, hat mir in der Folge immer telefoniert, wann ich wo auf einem seiner Felder „ernten“ konnte.
      Wie soll solches abgegolten werden?

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    9. Nein, mit freiwilligen Leistungen sind nicht nur Geldleistungen gemeint. Deshalb spricht man ja von Leistungen und nicht von Zahlungen. Es ist juristisch kein Unterschied, ob Sie 200 Franken erhalten oder mit jemandem für 200 Franken einkaufen gehen. Und jammern Sie doch nicht von abgetragenen Kleidern, die man geschenkt bekomme. Auch modische Kleider kosten heute fast nichts mehr, das kann sich jeder Sozialhilfebezüger problemlos leisten. Niemand muss abgeerntete Felder aufsuchen. Als nächstes werden Sie wohl von Mülldeponien reden, wo Sozialhilfebezüger nach Essbarem suchen.

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    10. Das Hauptproblem hier ist heute, dass die SKOS die Mieten zu tief ansetzt. Die verlangten Mietpreise gibt es heute in Basel höchstens noch in zwei Wohnungen, der Rest ist deutlich teurer. Das führt dazu, dass ein Teil des Essensgeldes regelmässig für die Miete draufgeht.
      Gottseidank hält sich BS und BL noch an die SKOS-Richtlinien, AG und SO gehen deutlich drunter, obwohl auch dort die Lebenskosten nicht wesentlich tiefer sind.
      Ich verstehe diese Lebensmittelverteiler so als Puffer, wofür eigentlich der Staat zuständig wäre, aber leider klatschen die wohlhabenderen Bürger, wenn sie weniger Steuern bezahlen müssen. So wird dann an den Ärmeren gespart. (Die Stuerreduktion für die Betriebe ist ja schon fast beschlossene Sache.)
      Von der Seite halte ich Ihren Kommentar für etwas „robust“, oder elephantös im Prozellan-Laden.

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    11. Sie sollten das Menschenkapital gescheiter in Lebenshilfe investieren. Finde diese Verteilung auch Leerlauf. Die Leute sollen lernen einzukaufen. Notfalls halt zzu zweit und immer in D. F ist zu teuer, nur Casino kommt in Frage.

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    12. Naklar!
      Im edlen Coop hier will man das Pöbel nicht auch noch sehen müssen mit den Budget-Produkten im Wägeli!
      Die sollen sich in Richtung deutscher Aldi verdrücken, wo sie VIEL besser hinpassen.
      Am Eingang zm Coop sollte eine Drehtür sein, die man nur mit der goldenen Kreditkarte öffnen kann, aber sicher nicht mit der Postcard!
      Das beleidigt ja das edle Auge!!!

      … oder habe ich da was falsch verstanden?

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  7. …..Doch das Geld fürs Nötigste fehlt an vielen Orten. So lebt zum Beispiel jedes fünfte ausländische Kind in Basel-Stadt von der Sozialhilfe ….

    Die Welt ist voller Widersprüche, so auch der vorangegangene Satz. Wer Sozialhilfe bezieht, bräuchte keine Spenden-Malzeiten. Aber die nimmt man halt auch noch gerne mit. Eine Familie mit drei Kindern bezieht in Basel-Stadt alleine für Wohngeld bis 1.950.- Franken kalt. Hinzu kommen Wohn-Nebenkosten, Krankenkassen, Haushalts Geld (eben für Nahrung) Sonderbeträge für Schulgeld, Kita, Kleider Möbel.

    Sozialhilfebezug Tendenz steigend? Klar! In den Gemeinden wird gesorgt – gesorgt für Arbeit! In der Stadt lässt es sich schön gemütlich, mehr oder weniger anonym Soz-Hilfe beziehen.

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    1. Und wer jetzt noch am System herum mault, der soll mir ein Ort auf der Welt sagen, wo grosszügerige Soz-Leistungen vom Steuerzahler berappt werden. Ich bin gespannt.

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    2. Ja, dazu möchte ich gerne etwas sagen:
      In keinem anderen Land sind wahrscheinlich die Vorschriften und Erwartungen, was von jedem geleistet werden muss, so hoch wie in der Schweiz.
      Beispiele: KK, ohne tiptoppe Kleidung findet man keine Arbeit, Radio und Fernsehgebüren, und noch vieles mehr.
      Verliert man eine Wohnung und hat noch keine neue gefunden, ja nicht auf der Gemeinde abmelden. Ist man nirgends angemeldet, gibt es auch nirgends Fürsorgeleistungen. Und in einer Gemeinde anmelden kann man sich nur, wenn man eine Wohnung hat.

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  8. EIN Gewinner der Lotterie streicht 183 Millionen ein anstatt es auf mehrere aufzuteilen. Gewinner 50% oder so. So ist es auch zwischen Arm und Reich. Das muss dringendst geändert werden sonst wirds ganz schlimm für Alle!

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  9. Fast 50% der Politiker in Bern waren GEGEN die Anpassung des max. Mietbeitrages. Merkt Euch die undwählt diese Ignoranten ab! Sie können und wollen sich nicht einfühlen. Sie müssten erst in diese miese Lage kommen. Ich weiss wie es ist unten zu sein bin aber aus mehreren Gründen privilegiert da nicht krank etc., kann mir selber helfen. Das braucht viele Nerven und technisches Wissen. Kenne Viele die selber früh zugrunde gingen beim ewigen Kampf gegen das Elend. Als Helfer oder Hilfsbedürftige.

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