Wegen neuer Regeln im «Fraueli»: Jetzt nervt sich Freiburg über Musliminnen aus dem Elsass

Seit das Frauenbad Eglisee seine Badeordnung verschärft hat, kühlen sich Musliminnen aus dem Elsass im Damenbad von Freiburg ab. Sehr zum Ärger vieler Besucherinnen.

Die Idylle trügt: Die Geschichte des «Fraueli» wiederholt sich im Freiburger Damenbad «Lollo».

51 Kilometer Luftlinie von Basel: Am Rande des kleinen Schwimmbeckens sonnen sich drei junge Musliminnen im Bikini, im Wasser schwimmen mehrere Frauen oben ohne und ein paar Meter weiter auf der Liegewiese knabbern drei Mütter mit ihren Kindern an ihren mitgebrachten Sandwiches, ihre Kopftücher schauen aus der Badetasche heraus.

Es ist Samstagnachmittag, 28 Grad, der erste heisse Tag nach rund 72 Stunden leichtem Regen, ein angenehmer Wind weht in Freiburg. Die Stimmung wirkt idyllisch und friedlich im Lorettobad, dem einzigen Damenbad in Deutschland.

«Ja, heute ist es vergleichsweise ruhig», sagt die blonde Bademeisterin auf dem Klappstuhl. «So ist es aber nicht immer. Die Sommerferien in Frankreich fangen ja erst an, das werden wir schon noch zu spüren bekommen.»

Die Bademeisterin lässt ihren Blick wieder schweifen und entdeckt die Muslimin im goldfarbenen Bikini. Diese sitzt am Rande des Pools und fotografiert ihre beiden Freundinnen beim Planschen.

«Fotografieren ist hier nicht erlaubt», ruft ihr die Bademeisterin freundlich, aber bestimmt zu. Die Frau murrt irgendetwas auf Französisch und legt ihr iPhone wieder weg.

Dann geht die weisse Holztüre neben dem Haupteingang auf, die drei Freundinnen blicken sofort Richtung Türe. Fehlalarm. Von einem männlichen Badeaufseher keine Spur. Also weiterplanschen.

Nur wenig später geht die Türe schon wieder auf. «Attention!», schreit eine der Frauen. Aber wieder nichts gewesen. Doch der Blick, den sich die Frauen jedesmal zuwerfen, wenn sich die Tür öffnet, verrät eine gewisse Panik. Und dass sie sich nerven.

Laute Kinder, falsche Kleidung und eine «Nazi-Schlampe»

Erbaut wurde das Lorettobad 1842, drei Jahrzehnte später wurde ein Teil des Areals zum Damenbad umfunktioniert. Seither hat sich an der Zweiteilung des Geländes nichts geändert. Direkt hinter der Kasse geht es zum Damenbad, ein paar Schritte weiter zum Familienbad mit Wasserrutschbahn, Spielplatz und Verpflegungskiosk.

Klein und fein ist das «Lollo», wie das Lorettobad in Freiburg liebevoll genannt wird. Eine Oase des Friedens, wie es scheint. Doch es ist Unruhe eingekehrt in das Idyll, und zwar seit Basel-Stadt die Regeln im Frauenbad Eglisee verschärfte, weil es im «Fraueli» immer wieder Konflikte im Zusammenhang mit Musliminnen gegeben hatte.

Es ist ein Dejà-vu-Erlebnis, was sich an heissen Tagen im Lorettobad abspielt: Muslimische Elsässerinnen, die bis Sommer 2016 mit ihren Kindern ins «Fraueli» gefahren sind, kommen nun mit dem Car nach Freiburg.

https://tageswoche.ch/allgemein/sportamt-greift-durch-aufenthalt-kuenftig-nur-noch-im-badkleid-erlaubt/

Das führt nun mit älteren Freiburgerinnen wiederholt zu Problemen, mit Stammgästen, die das Damenbad teilweise seit Jahrzehnten besuchen. Die alteingesessenen «Lollo»-Besucherinnen stören sich an den Kindern der Musliminnen, die ihnen zu viel Lärm machen. Sie stören sich an den Söhnen, die schon etwas älter sind und sich trotzdem mitten unter den oben ohne sonnenbadenden Frauen aufhalten.

Sie nerven sich ausserdem über Frauen, die im Burkini oder in Strassenkleidung ins Wasser springen. Und erst recht empören sie sich über einen Vorfall, von dem die «Badische Zeitung» berichtete. Demzufolge soll eine Muslimin eine alteingesessene Besucherin als «Nazi-Schlampe» beschimpft haben.

Die Liste der im Artikel aufgezählten Vorfälle ist lang: Eine Muslimin habe ihr Kind auf der Liegewiese «Kacka» machen lassen, ausserdem habe die Polizei mehrmals ausrücken müssen, weil sich Frauen um Duschplätze gestritten hatten und einige handgreiflich geworden waren – oder weil Elsässerinnen letzten Sommer Gäste mit Wasser bespritzt hatten. Auch beklagten sich die Freiburgerinnen über Grillorgien der Besucherinnen aus dem Elsass.

 «Als das ‹Fraueli› in Basel im Sommer 2016 eine andere Badeordnung bekommen hat, fingen hier die Konflikte an.»

Klaus Winkler, «Freunde des Lorettobades»

Die Konflikte im «Lollo» sorgten deutschlandweit für Schlagzeilen. So titelte die «Stuttgarter Zeitung» zum Beispiel: «Erobert von Musliminnen». Auch über die Grenzen beschäftigen die Vorkommnisse im Lorettobad. Sie waren Thema zwischen dem Präsidialdepartement Basel-Stadt und dem Amt für Migration und Integration in Freiburg. Andreas Räss, Leiter Diversität und Integration in der Kantons- und Stadtentwicklung, sagt: «Wir tauschen uns über solche Phänomene selbstverständlich aus.»

Dass sich die Probleme von Basel nach Freiburg verschoben haben, bestätigt auch Klaus Winkler, Vorsitzender des Fördervereins «Freunde des Lorettobades». «Als das ‹Fraueli› in Basel im Sommer 2016 eine andere Badeordnung bekommen hat, fingen hier die Konflikte an», sagt er. Winkler möchte die Lage nicht dramatisieren. Er spricht auch nicht von Musliminnen, die hier Probleme bereiten würden, sondern formuliert es so: «Gewisse Besucherinnen verhalten sich nicht so, wie es die Badeordnung hier verlangt.»

Das Damenbad sei klein und wenn sich an einem heissen Tag bis 3000 Besucherinnen im Bad aufhalten, dann «gibt es nun mal Pöbeleien oder Reibungen», so Winkler. «In der Hitze ist die Stimmung angespannt, das führt leider zu Konflikten. Wir sind der Meinung, dass das Damenbad allen Frauen offenstehen soll, erwarten aber, dass die Spielregeln eingehalten werden.»

Erbaut wurde das Lorettobad 1842, drei Jahrzehnte später wurde ein Teil des Areals zum Damenbad umfunktioniert.

Um die Situation zu entschärfen, hat die Leitung des Lorettobades inzwischen reagiert und die Badeordnung angepasst. Neu sind offiziell auch männliche Bademeister im Damenbad im Dienst, und Buben dürfen nur noch bis zu ihrem dritten Geburtstag ins «Lollo». Vorher lag die Grenze bei sechs Jahren. Explizit verboten wurde zudem das Baden in Kleidung und das Grillieren im Bad.

Alteingessessene Besucherinnen sagen aber, die neue Ordnung bringe nur wenig. Laut Winkler gibt es «ein paar ältere Besucherinnen, die nicht mehr kommen wollen, weil es ihnen im Damenbad nicht mehr gefällt».

Brief nach Saudi-Arabien

Zu nennenswerten Vorkommnissen ist es gemäss den Betreibern des Lorettobades  in diesem Sommer zwar noch nicht gekommen. Zufrieden mit der heutigen Situation scheint aber auch Winkler nicht zu sein. Damit wieder Frieden herrscht im «Lollo», schrieb er im Namen des Fördervereins sogar einen offenen Brief an das Königreich von Saudi-Arabien. Mit der Bitte, man solle doch den Bau eines Damenbades im Elsass finanzieren – da «der Bedarf für ein separates Damenbad erkennbar gross ist bei den zahlreichen aus dem Elsass anreisenden muslimischen Frauen».

Gehört hat Winkler bis heute nichts.

Aufhorchen liess in der Region dagegen etwas anderes: Dass neu schriftlich festgehalten ist, dass Männer die Badeaufsicht im Lorettobad führen dürfen, wurde nicht ohne Aufschrei akzeptiert. Frauen lancierten eine Online-Petition, in der sie den Ausschluss männlicher Bademeister forderten.

Die Petition scheiterte allerdings, mit gerade einmal 430 Unterschriften aus der Region Freiburg. 2000 wären nötig gewesen, um die Stadt zum Handeln zu bewegen. Winkler ist froh, dass die Petition nicht zustande gekommen ist. «Es gibt einfach zu wenig Badepersonal. Es ist deshalb schwierig, nur Frauen einzusetzen.»

Wo sollen sie sonst hin?

Fatma ist 24 Jahre alt, sitzt am Rande des Schwimmbeckens und streckt ihre Füsse ins Wasser. Sie kommt aus Strasbourg, knapp anderthalb Stunden Autofahrt hat sie hinter sich. «Ich bin extra nach Freiburg gefahren, weil ich sonst ja nirgends im Bikini baden kann.» Sie empfindet es als störend, dass auch männliches Badepersonal im Lorettobad eingesetzt wird. «Kein Mann hat mich jemals so nackt gesehen», sagt sie. Die Vorstellung, dass ein Bademeister sie im Bikini sehen könnte, beängstige sie. Aber wo wolle sie sonst hin?

«Im ‹Fraueli› haben wir keine Probleme mehr», freut sich Simon Thiriet vom zuständigen Departement.

Das «Fraueli» kommt für Fatma seit zwei Jahren nicht mehr infrage, zuvor war sie regelmässig dort. «Wenn ich mit meinen Freundinnen schwimmen gehe, möchten die auch ihre Kinder mitnehmen», erklärt sie.

Dies ist im «Fraueli» nur noch bedingt möglich, seit die Baderegeln in einer Art verschärft wurden, dass das Bad nicht mehr attraktiv ist für Gruppen von Musliminnen aus dem Elsass. Die Regeln in Basel sind um einiges strenger als in Freiburg: Einlass ab 16 Jahren, keine Strassenkleidung auf der Liegewiese, Schwimmen nur im eng anliegenden Burkini, Kinder nur noch bis ins Krabbelalter.

Die Massnahmen schrecken offensichtlich ab. Simon Thiriet, Mediensprecher des für das Sportamt zuständigen Erziehungsdepartements, sagt: «Im ‹Fraueli› haben wir erfreulicherweise keine Probleme mehr, die neuen Regeln werden akzeptiert.»

Immer noch Elsässerinnen im «Fraueli»

Knapp eine Woche nach unserem Besuch in Freiburg: 28 Grad, viele Wolken am Himmel, ein leichter Wind weht. Die Ferien in Frankreich sind in vollem Gange. Dutzende Frauen, vornehmlich ältere Schweizerinnen aus der Region, liegen gemütlich auf der Wiese des Frauenbads Eglisee, nackte Brüste überall.

Unter den Besucherinnen sind auch Musliminnen aus dem Elsass, gänzlich fern bleiben sie dem Frauenbad also nicht. Eine türkisch sprechende Frau liegt oben ohne da und zieht genüsslich an ihrer Zigarette, neben ihr sitzen vier Musliminnen im Badekleid. Eine hat ihr Baby dabei, die Frauen sprechen Französisch miteinander. Ein paar Meter weiter entfernt zieht eine ältere Dame ihr rotes Gewand und Kopftuch aus und zeigt ihre kurzen rotgefärbten Haare, bevor sie ins Wasser steigt.

https://tageswoche.ch/gesellschaft/wirklich-so-schlimm-stimmen-aus-dem-frauenbad-im-eglisee/

Es geht gesittet zu und her im «Fraueli». Im Becken, das etwa dreimal so gross ist wie dasjenige des Lorettobades, schwimmen gut ein Dutzend Frauen ihre Längen, eine trägt einen Burkini. Die Schweizerinnen wirken zufrieden. «Zum Glück ist es wieder ruhig hier», sagt eine ältere Dame nach ihrem Schwumm. Sie besucht das «Fraueli» seit Jahrzehnten. Eine weitere Besucherin meint, dass sie sich selber nie an Musliminnen aus dem Elsass gestört habe. «Aber es gibt halt hier viele ältere Frauen, die sich bedrängt fühlten.»

Das war einmal. Das «Fraueli» ist wieder ein Ort der Ruhe und kommt wieder «mehr den Bedürfnissen der älteren Frauen» entgegen, ganz so, wie es der Kanton vor zwei Jahren angekündigt hatte. Die älteren Damen haben wieder die Hoheit im «Fraueli». Ausbaden müssen dies nun die Freiburgerinnen.

Konversation

  1. Jetzt müsste man sich noch Gedanken machen wie man die Jungs, Halbwüchsigen und Männer aus den Gartenbädern kriegt, welche in Unterwäsche und Strassenshorts ins Wasser geht. Dies meist noch ohne Duschen ! Es würde mich nicht wundern wenn es die Männer und Söhne von den Frauen sind, die jetzt nach D ausweichen. Seit einigen Jahren braucht es sogar Sicherheitsdienst/Security in Basler Gartenbädern dank der kulturellen Vielfalt.

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  2. Die nicht anpassungswilligen Muslimas sind also verschwunden, die andern dürfen nach wie vor bleiben und stören niemanden. Also alles in Ordnung und wunderbar.

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