«Meine Mutter schämte sich» – Knackeboul über Kürzungen in der Sozialhilfe

Wer Unterstützung vom Staat braucht, ist kein fauler Sack. Unser Kolumnist schreibt an Mitbürger, die bei den Ärmsten sparen wollen.

«Selber schuld.» Wer sich und seine Familie nicht selber durchbringt, trägt das Stigma des Versagers. (Bild: Getty Images (Symbolbild); Montage Nils Fisch)

Während die Schweiz sich überlegt, Kampfjets für acht Milliarden Franken zu kaufen und immer wieder millionenschwere Steuergeschenke an Superreiche und Grosskonzerne verteilt, wird gleichzeitig kräftig gespart bei den Ärmsten im Land.

In Zürich wurde neulich per Volksabstimmung das Sozialhilfegesetz zulasten von vorläufig aufgenommenen Ausländern verschlechtert. Auch Basel kürzt die entsprechenden Leistungen, wenn auch weniger drastisch. Soweit betrifft es «nur» Ausländer. In Bern hingegen kommen alle Sozialhilfeempfänger dran. Ihnen will Regierungsrat Pierre Alain Schnegg von der SVP die jetzt schon geringen Zahlungen um zehn Prozent kürzen.

Ich kenn mich mit den Kämpfen eines Sozialhilfeempfängers aus. Ich war selbst mal einer.

Seit ich denken kann, wird die Sozialhilfe immer wieder von rechts angegriffen. Ich halte sie neben der Bildung und einem gebührenfinanzierten Radio und Fernsehen für eine der wichtigsten Säulen unserer Demokratie. Ich äussere mich bekanntlich immer wieder zu politischen Themen, aber dieses hier geht mir besonders nah.

Ich kenn mich mit den Kämpfen eines Sozialhilfeempfängers aus. Ich war selbst mal einer. Deshalb hier ein Brief an den Schweizer Bürger, der so gerne «Zuerst den Menschen im eigenen Land helfen!» schreit, aber bei der Sozialhilfe sparen will:

Liebe Mitbürgerin, lieber Mitbürger

Lassen Sie mich meine Hauptkritik gleich am Anfang anbringen. Es geht um eine Annahme Ihrerseits, bei der ich hoffe, dass sie nur ein Denkfehler ist, sonst wäre sie nämlich der Hohn. Sie vertreten die Meinung, Leute würden nur Sozialhilfe beziehen, weil dies so attraktiv sei. Wieso sollte man arbeiten gehen, wenn man Geld für das Nichtstun kriegt?

Sie unterstellen damit Sozialhilfebezügern Faulheit und gleichzeitig Kalkül. Sie leiden unter dem Gölä-Syndrom, das sich äussert in Sätzen wie: «Wir fleissigen Büezer krampfen uns ab und diese faulen Säcke machen sich mit unserem Geld ein schönes Leben.» Fehlt nur noch: «Früher hat man sich noch geschämt, wenn man aufs Sozialamt musste.»

Für meine Mutter bedeutete es jedesmal eine Qual, aufs Sozialamt zu gehen.

Das meine ich mit Hohn. Denn ja, meine Mutter schämte sich wirklich, wenn sie aufs Sozialamt musste. Sie hat Tag und Nacht gearbeitet, um uns Kinder durchzubringen, und trotzdem hat es nicht gereicht. Sie hat geputzt, gebügelt, andere Kinder gehütet und später lange Schichten als Verkäuferin gestemmt.

Wir wohnten zu sechst zuerst in einer Viereinhalbzimmerwohnung und zogen später – von der Gemeinde verordnet – in eine Vierzimmerwohnung. Meine Mutter schlief im Wohnzimmer. Kleider kriegten wir aus der Kleidersammlung. Alle Kinder hatten in den Ferien Ferienjobs. Ausflüge, Skilager und manchmal sogar ein gefüllter Kühlschrank waren für meine Mutter eine Riesenherausforderung. Irgendwie hat sie es geschafft.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Wir Kinder waren meistens glücklich, wenn wir einfach mit den anderen spielen und zur Schule gehen konnten. Aber für meine Mutter, die bürgerlich erzogen worden war, bedeutete es jedesmal eine Qual, aufs Sozialamt zu gehen. Denn an diesem Gang klebten die Begriffe «Versagerin», «Schmarotzer», «Selbst schuld» und «faul».

Ich weiss, Sie wollen mir jetzt damit kommen, dass ja «die, die arbeiten wollen» nicht gemeint seien, sondern nur die Faulen. Dann zeigen Sie mir bitte die Gruppe der Faulen. Und ich spreche nicht von Einzelfällen. Von denen wird genug in reisserischen Schlagzeilen geredet. Nein, zeigen Sie mir die vielen Faulen, die momentan nur Sozialhilfe beziehen, weil sie nicht arbeiten wollen.

Wer in diesem Land keinen Job und kein Geld hat, trägt das Stigma des Versagers und kann wenig aus sich machen.

Wenn es nicht meine Mutter ist, wer ist es dann? Sind es die alten Männer, sind es junge Frauen, sind es vielleicht die Ausländer? Wer sind diese faulen Schmarotzer und Taugenichtse? Ich kenne selbst keine.

Ich kenne Menschen die eine schlechte Ausbildung oder einen schlechten Job haben und deshalb immer wieder den Job wechseln müssen oder wollen. Ich kenne erfolgreiche Menschen mit Geld und ich kenne sogar den einen oder anderen Lebenskünstler, der sich in diesem System nicht zurechtfindet. Ich kenne Menschen vieler Nationalitäten und gesellschaftlicher Schichten.

Sie haben alle etwas gemeinsam: Sie wollen etwas machen, sie wollen sich verwirklichen, sie wollen die Gesellschaft mitprägen, sie wollen arbeiten. Ja, einige sind abgelöscht und frustriert, aber das hat oft mit gesellschaftlicher Ächtung zu tun. Wer in diesem Land keinen Job und kein Geld hat, trägt das Stigma des Versagers und kann wenig bis nichts aus sich machen.

Wenn wir noch mehr Familien in die Armut drängen, züchten wir eine ganze Generation am Rande der Gesellschaft heran.

Wenn Sie diesem Land wirklich helfen wollen (auch beim Sparen), dann investieren Sie in eine starke Sozialhilfe! In eine starke Bildung. Denken sie auch über ein bedingungsloses Grundeinkommen nach. Dann könnte unser Land für die Zukunft gewappnet sein. Die Zukunft liegt in der Bildung. Im Wissen. In der Forschung. Und in einer gesunden Gesellschaft, in der auch schlechter Ausgebildete und Verdienende würdig am Alltag teilhaben dürfen.

Sparmassnahmen bei der Sozialhilfe führen zu Frustration und sehr viel Leid bei Tausenden von Kindern und Erwachsenen in der Schweiz, einem der reichsten Länder der Welt.

Wenn wir noch mehr Familien in die Armut drängen, züchten wir eine ganze Generation am Rande der Gesellschaft heran. Und das wird uns spätestens in ein paar Jahren viel teurer zu stehen kommen als anständige Sozialversicherungen heute.

https://tageswoche.ch/gesellschaft/wenn-es-im-reichen-basel-nur-fuer-billig-essen-reicht/

Konversation

  1. Dieses Schäbigsystem der neuesten Strömungen hat mehrere Antriebe:
    1. Einen religiösen: Vermutlich waren es unsere lieben Reformatoren, die über vier Ecken ein Wohlstandsevangelium ins Land brachten: Wer reich ist, den hat Gott gerne, also ist er ein guter Mensch. Der weniger Reiche muss wohl irgendwo des Teufels sein. Das ist Grund genug, ihn zu verdammen, exorzieren, davonzujagen, etc.
    2. Einen „monacoischen“: Die Schweiz strebt in der Grundstruktur das Ziel an, Geld mit Geld zu verdienen, statt mit Arbeit. Schon heute wird hier im Lande mehr Geld mit Geld, denn mit Arbeit verdient. Die hiesigen Finanzstrukturen, nicht nur die beiden Grossbanken, sondern auch die Versicherungsstrukturen, die im Vermögensbereich tätig sind, beherbergen Reisensummen, oft unversteuert, sodass es für Deutschland sogar lukrativ wurde, sich für teures Geld entsprechende CDs zu kaufen. Danach ging der Schweizer Staat spionieren, statt sein eigenes schäbiges Hauptgeschäft zu sanieren. Die UBS drohte mal Konkurs zu gehen, was für das Land eine Katastrophe bedeutet hätte. 68 Mililarden „Nachthilfe“ schienen dann zu helfen. Aktuell haben die beiden Grossbanken wieder einen Clinch mit den USA, wohl wieder mit ähnlichem „Geschäft“. Da stört so ein armer nichtrepräsentativer Mitbürger nur. Oft wird er ja schon aus den Zentren verbannt. Auf dem Land ist die Willkür diesbezüglich nicht besser.
    Ziel ist eine „Monaco-Schweiz“, nur für Edle und Reiche, nicht aber für weniger Edle. Die Bodenpreise in Monaco sind derartig hoch, dass dort wohl schon vor Jahren der letzte Handwerksbetrieb (ausgenommen Edelmanufakur vielleicht) ausgezogen ist.
    3. einen kleingeistigen: Alleine, dass diese Werbung des „schmarotzenden Sozialhilfeempfängers“ überhaupt zieht, sagt viel über den allgemeinen Geisteszustand dieses Landes aus. Es fehlen auch die Gegenstimmen, die eine andere Ethik verbreiten. Sie sind wohl alle (Frisch und Dürrenmatt waren wohl die letzten) ausgebuht worden oder werden totgeschwiegen. Für „Geist“ scheint da einfach schlechtes Wetter zu sein.
    4. einen teureren: In der Schweiz kostet alles viel mehr, was aber auch nicht systematisch bekämpft wird (wohl, weil wesentliche Strukturen davon profitieren), so die Bodenpreise, Häuser, Lebenskosten, was auch hohe Löhne bedingt. Diese sind längst aus den Normalniederungen der Nachbarstaaten hinausgeschossen, sodass es für eine Firma, die ihre Produkte auch in die EU exportieren will (nein, keine Rolexuhren o.ä.), schwierig wird, hier noch mit einer schwartzen Null zu produzieren. In der EU sind viele Dinge nämlich billiger zu haben, was dann dem zu erreichenden Preisniveau entspricht. (Ein Blutdruckgerät kostete vor kurzem so gegen 200 SFr., im Aldi auf der anderen Seite gab es das nun schon für etwas über 20 Teuros.)
    Das bedeutet nun zunehmenden Auszug eben dieser Firmen, weil sie nicht mit Verlust produzieren können, ergo müssen die Produktionskosten gesenkt werden. Für die Schweiz bedeutet dies, dass sie „entarbeitet wird“: RAV und Sozialhilfe hüten zunehmend mehr Langzeit-Entarbeitete, bei denen es rein schon wegen der Statistik klar ist, dass das ihre letzte reguläre Arbeit war (mal abgesehen von Papierfetzchen aufsammeln und subsitutuierten Arbeiten im Entsorgungsbereich).
    5. einen sturen, kopfsandigen: So manches obige Problem ist seit Jahren allgemein bekannt. Die Strukturen scheinen aber nicht fähig zu sein, sich zu renovieren. So müssen Arbeitslose immer noch massenhaft die Personalbüros der Firmen belästigen, obwohl klar ist, dass da nicht viel zu holen ist. Das Argument, dass da schon so mancher einen neuen Job gefunden hätte, wirkt irgendwie dürftig.
    Ähnlich dürfte es mit den 50+-ern sein: Offiziell sind sie zu alt, inoffiziell wohl versicherungstechnisch zu teuer. Das ist aber Tabu.
    Die IV „spielt Arbeitsreintegration“, wohl wissend, dass ein Arbeitgeber wohl aus Versicherungsgründen blöd ist, einen ehemals arbeitsunfähigen Mitarbeiter zu beschäftigen. (Niemand würde sich ein Auto mit einem ähnlichen Ex-Defekt zuilegen.) Wenn die Taggeldversicherung nämlich das erhöhte Risiko spitz kriegt, kostet plötzlich deren Prämie wesentlich mehr….
    Die sind ja auch nicht blöd.
    Wenn man den Kopf aus dem Sand nimmt, muss man sich den Sand aus den Augen reiben, um wieder was zu sehen….

    Ob, wenn man sich die ganzen Probleme mal genauer ansieht, analog bei einem Auto da sich die Reparatur überhaupt noch lohnt?
    Vielleicht sind die Strukturen einfach am Ende.
    (Damals kam ein Napoleon zur Hilfe…)

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    1. Cesna,

      es waren nicht vermutlich sondern mit Sicherheit die Reformatoren (allen voran Calvin und Fanboys), die mit ihrer Prädestinationslehre das Fundament für diese obszöne Denkweise gelegt haben. In den historischen Kontext der damaligen (von Aberglauben und Halb- bis gar nicht- Wissen geprägten) Zeit vielleicht noch zu verstehen, heute aber meiner Meinung nach nicht tolerierbar.
      Ich verweise hier gerne wieder einmal auf „Max Weber: die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“. Er hat die Zusammenhänge schon Anfang des 20. Jahrhunderts mit wissenschaftlicher Präzision beschrieben.

      Viel allgemeiner ausgedrückt oder gefragt: liegt es in der Natur des Menschen, sein eigenes Unvermögen, in grossen Dimensionen zu denken, anderen in die Schuhe zu schieben (kleinere, überschaubare Gruppen von Menschen scheinen friedfertiger zu funktionieren, also die heutige globalisierte aber auch entsolidarisierte Welt)?
      Nicht dass ich mir die kleinräumige Klein- und Kleinststaaterei mit all ihren hässlichen „Du gehörst nicht dazu“ Fratzen wünsche. Aber das nur für eine verschwindend kleine Minderheit profitable (und durchlässige) zentralistische resp. globalisierte System wie wir es heute haben, kann es ja auch nicht sein. Ein (um einmal etwas lokaler zu bleiben) Europa der Regionen (also nicht ein von ökonomischen schwarzen Löchern zentral beherrschter zentralistischer Konzern) wäre vielleicht ein guter Anfang.
      Wir können am 21.12. („Wahlen“ in Katalonien), resp. die Tage danach (restliches Europa) sehen, ob unsere Gesellschaft dazu bereit ist (die schwarzen Löcher sind es sicher nicht).

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  2. Wenn ich von „millionenschweren Steuergeschenken an Superreiche“ lese, dann weiss ich: hier schreibt einer völlig unbeschwert von jeglichem Wissen darüber, wer in diesem Land die grösste Steuerlast trägt. Fehlendes Wissen wird durch Klassenkampfrhetorik aus der Mottenkiste ersetzt. Steuergeschenke? Was soll dieser hanebüchene Unsinn? Es wird gar nichts geschenkt, der Staat nimmt höchstens etwas weniger weg. Aber das ist vermutlich bereits zu hoch.

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    1. Der Staat nimmt nicht einfach weg, sondern er hat vorher durch Sicherheit, durch eine friedliche Gesellschaft und durch ein funktionierendes Rechtssystem den Investoren ermöglicht, reich zu werden. Das alles sind gesellschaftliche Investitionen, die etwas kosten.

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  3. Ich versteh bei diesen Sparmassnahmen eines nicht: Warum soll man Geld dort versuchen einzusparen wo es gebraucht wird? Warum holt man es denn nicht einfach dort, wo es welches hat und es sowieso nur herumliegt? Kein Menschbraucht Milliarden und trotzdem haben wir mehr als genug Menschen in de Schweiz, die eben diese Milliarden einfach auf der Bank herumliegen haben… Ist es nicht so, dass es Arme und der Mittelstand sind, die das Geld ausgeben und somit die Wirtschaft anfeuern? Und ist es nicht so, dass jeder profitiert, wenn er Aufträge kriegt und seine Arbeit vermarkten kann…
    Ich versteh es nicht…

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    1. Sie haben eine etwas banalistische Weltsicht. Das Geld liegt nicht rum, sondern ist investiert. Mehr Umverteilung bedeutet Desinvestition, weniger Produktion, weniger Gewinn, weniger Umverteilbares.

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    2. Dinu Marsson,

      Ja, da haben sie recht. Das Geld liegt tatsächlich nicht rum. Und es wird auch investiert. Allerdings zunehmend in parasitäre Investitionen (Stichwort paradise papers), also in Finanzkonstrukte, die kaum der Realwirtschaft zu Gute kommen oder in Kriege und die dazu notwendigen Mittel.
      Das grosse Problem sehe ich darin, dass es lukrativer ist, in solche toxische Konstrukte zu investieren (z.B die perverse Möglichkeit, auf den Bankrott eines Staates zu wetten), als in z.B. die Aufrechterhaltung staatlicher Infrastruktur.
      Und aus diesem Grund ist die Weltsicht von jasi keineswegs banalistisch.
      Da aber der Teufel bekanntlich immer auf den grössten Haufen scheisst (oder anders gesagt, die Sozialschmarotzer des oberen 1% die Politik bestimmen, auch in der Schweiz) ist nicht davon auszugehen, dass sich da so schnell etwas ändern wird. Der Tanz ums goldene Kalb wird einfach immer schneller, bis er in einem riesigen Knall endet.
      Ihre Einschätzung, dass diese Kapital- und Machtakkumulation in Realwirtschaft und Gesellschaft umverteilt werden, ist erstens naiv und zweitens zu Genüge durch die Realität (siehe Artikel von Knäckeboul) widerlegt.
      Unbedeutende Nobelpreisträger wie Joseph Stieglitz und Paul Krugman warnen schon lange vor dieser Entwicklung, aber welcher Teilnehmer eines Pyramidenspiels will schon hören, dass dieses Spiel (fast) nur Verlierer kennt.

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    3. @Marsson:
      Deswegen gehört Ihr Geld, das Sie hart erarbeitet haben und weiter fleissig erarbeiten, und das Sie im Bankkonto der Bank Ihres Herzens deponiert haben, gar nicht Ihnen. Sondern Ihrer Bank. Als Beispiel hätten die Bürger Zyperns gefragt werden müssen von den Politikern: Dürfen wir euer Geld auf euren Banken verwenden, um damit die Beträge rauszuschlagen der Investoren, die sich verzockt haben? Die Bürger hätten natürlich geantwortet: Nein, natürlich nicht, das ist unser Geld!

      Das ist eben nicht so. Damit dieser Umstand nicht auffällt, hat man übers Wochenende oder so noch mittels Sperrung von Automaten die Bürger, die nicht wissen, dass ihr Geld auf der Bank nicht Ihnen gehört, ferngehalten und am Montag war die Sache erledigt.

      Würde den Bürgern ihr Geld in den Banken wirklich gehören, käme es gar nie zu solchen Ereignissen. Da aber den Bürgern ihr Geld auf der Bank gar nicht gehört und der Bürger das auch nicht wissen darf, fährt man so einen Mechanismus. Man hätte auch sagen können: Liebe Bürger, euer Geld auf der Bank gehört euch gar nicht, deswegen nehmen wir es um die Beträge der Investoren rauszuschlagen, die sich verzockt haben. Dann hätte es aber wohl einen üblen Volksaufstand gegeben.

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  4. Alles absolut richtig ! Man sollte alles sanieren ! Wies im Text steht !!! Es sollte ein Grundeinkommen geben und die Möglichkeit auf Bildung egal in welchen schwierigkeiten man ist !

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  5. Vielen Dank für diesen Beitrag, Knackeboul. Man spürt Wort für Wort, dass da tatsächliches Wissen dahintersteckt und nicht Phrasenschweinargumente von Experten, die eine tatsächlich vorhandene kleine Minderheit dazunehmen, alle übrigen in den selben Topf zu schiessen. Warum macht es Sinn 100% aller SHE zu kontrollieren, wenn wissentlich nur 4 – 5% die SH „bescheissen“? Man sollte dabei nicht vergessen, dass für ein erfolgreiches Kontrollieren riesige Ausgaben nötig werden, nämlich weit über 1000 Lohnempfänger, riesige Immobilien(kosten) und Kosten für „Förderungsprogramme“ und Stunden an Begleitgesprächen. Wenn man nun alle diese Ausgaben zu Kontrollzwecken einmal zusammenzählen würde und das Resultat dann mit der Summe vergleicht, welche die 4-5% ganz oder teilweise mit der SH erschleichen können/könnten, kann man sich überhaupt sicher sein, dass da die erschlichenen Gelder nicht nur einen kleinen Prozentsatz gegenüber dem kompletten Aufwand ausmachen. Gibt es diese Aufstellung eigentlich? Wäre doch mal interessant! Vielleicht wäre ja das bedingungslose Grundeinkommen doch die günstigere Variante. Aber es ist ja schon klar, dass es dieses immer schwerer haben wird durchzukommen, denn nur schon die vielen Mitarbeiter auf dem Arbeits- und Sozialamt, sofern sie denn stimmberechtigt sind, würden sich ja selbst wegrationalisieren und dann vielleicht ihrerseits unter den „Faulen“ landen. Da ist es doch einfacher alle als Faule zu bezeichnen, damit die eigene Daseinsberechtigung untermauert wird.
    Das unsere Gesellschaft (mit Betonung auf „unsere“) nur aus guten und besseren Menschen besteht und alle anderen nur faule Schmarotzer sind, die sich noch dazu erdreisten eine Schachtel Zigaretten oder ein Handy kaufen zu können, kann ja wohl nur von Menschen kommen, die sich erfolgreich mit Vitamin B durchs Leben jongliert haben und es noch nicht aufgefallen ist, dass sie der Gesellschaft mehr nehmen als sie geben und sie sich wichtiger sind, als alle anderen, die sie vielleicht noch unterdrückt haben und desshalb diese durchs Raster gefallen sind. Willkommen in der neu erstarkten Gesellschaft mit Erst- und Zweiteklasse-Menschen…

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  6. Vielen Dank für diesen Bericht, er spricht mir sehr aus dem Herzen. Ich bin knapp fünfzig und seit 4 Jahren auf Jobsuche, bisher ohne Erfolg. Ich halte mich und meine beiden Söhne mit Alimenten und 2 Nebenjobs knapp über der Grenze des Mindesteinkommens. Kurzfristig war auch ich auf die Hilfe vom Sozialamt angewiesen, nachdem ich ausgesteuert wurde. Vielen ergeht es wie mir.
    Wenn ich höre wieviel die Politiker ans Militär und vor allem an die EU bezahlen wollen, drehe ich durch. Viele Menschen sind aufgrund der teuren Wohnungen und Krankenkassen heute bereits auf darauf angewiesen, mehrere Jobs zu haben. Dies auch aufgrund der Veränderung der wirtschaftlichen Situation. Das Schlimme ist, es kann jedermann treffen. Egal welche Ausbildung oder Herkunft er hat.
    Die Kluft zwischen Reich und Arm wird auch hier immer grösser. Wo ist der Mittelstand geblieben.
    Helft zuerst den Leuten im eigenen Land!!!

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  7. Kenne ich bestens. Vielen Dank. Zum Glück ist für mich bald Feierabend, bin nicht mehr die Jüngste. Bin froh, muss ich dann nicht mehr kämpfen. Eine Schande für die reiche Schweiz! Millionen ins Ausland werfen, aber die eigenen Bürger auspressen oder vernachlässigen.

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  8. Knackeboul, herzlichen Dank für diesen Artikel. Dasselbe Argument, das seien alles nur faule Säcke, hat man ja auch bei der Abstimmung über das Grundeinkommen geäussert- in einer Gesellschaft, die über die heutigen technischen Möglichkeiten verfügt, fallen viele Arbeitsplätze weg, die früher von ebendiesen schlecht ausgebildeten Menschen – unter anderem Frauen, die Kinder grosszogen und gar keine Ausbildung absolvieren könnten- besetzt. Dieser Fortschritt bringt auch Geld – dass eigentlich der Gesellschaft zu gute kommen könnte, statt in einigen wenigen Säcken zu landen – wir müssen nicht mehr alle arbeiten- es ist genug da. Aber natürlich sind Kampfjets viel wichtiger als Menschen, gell. Und Leute wie Herr Meier haben einfach zu viel Angst davor, ein Teil dieses Reichtums, für den wir alle Seite Jahrzehnten chrampfen, könnte bei Menschen – ja Herr Meier, die gehören auch zu dieser Spezies- landen, die nicht seit zehn Generationen einen Schweizer Pass haben …

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  9. Lieber Knackeboul
    Danke für diesen Beitrag. Gerade das Zielpublikum der TW hat ihn nötig. Die SVP-Wähler bzw. Gölä-Hörer stehen wenigstens offen zu ihren Existenzängsten und der damit verbundenen Entsolidarisierung. Dagegen halten sich die „Linken“ selbst für solidarisch, weil sie alle 4 Jahre eine Liste mit top gebildeten und top verdienenden Kandidaten in die Urne werfen.
    Stehen aber Sachentscheide an, ist ihnen ihr eigenes Hemd dann doch wieder am nächsten. Dann werden wieder Lenkungsabgaben, Kopfsteuern und die Kapitalistische Ordnung nicht nur unterstützt, sondern zementiert. Schliesslich ist das neue MacBookPro nicht günstig, die nächste Weltreise schon geplant und die Bio-Produkte auch teuer. Da verzichten die „Linken“ dann doch lieber auf linke Forderungen, weil gerade sie selber aufgrund ihres Einkommens oder das zu erwartende Einkommen am Ende mehr abgeben müssten und weniger für sich hätten.
    Die direkte Kürzung der Sozialhilfe ist wenigstens koheränte und ehrliche Politik der Rechten.
    Die Rettung des Klimas, die Verminderung des Abfallberges etc. per Lenkungsabgaben den Ärmsten aufzubürden, das Gesundheitswesen und das Staatsfernsehen via Kopfsteuer zu finanzieren, den Arbeitsmarkt für fast ganz Europa zu öffnen und die verakademisierung von immer mehr Berufsfeldern ist dagegen hinterhältige Politik von heuchlerischen „Linken“.
    Der wahre Feind der wirtschaftlich Schwächsten in diesem Land sind also nicht Herr Schnegg und die Polterer der SVP. Es sind die smarten möchtegerne „Linken“, die SP Wölfe im Schafspelz!

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    1. Ich finde es schön, von konservativer Seite einen fundierten und ehrlichen Kommentar zu lesen.
      Insbesondere bei der Politik der Linken muss ich – als Linker – eingestehen, dass viel nicht so läuft wie es sollte. Ich würde es nicht umbedingt in die Worte meines Vorposters fassen, doch die heutige linke Politik ist eine linksintelektuelle und hat so nichts zu tun mit den Bedürfnissen der Basis zu tun – was man an den meisten Wahlsonntagen wieder sieht…

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  10. Wenn man schaut was sich Sozialhilfeempfänger mit diesem Geld alles leisten (können) liegt der Verdacht halt schon Nahe, dass das Geld immer noch sehr grosszügig bemessen ist. Zigaretten kosten 7 CHF (?) pro Pack, andere wiederum schicken monatlich Geld nach Hause via Western Union. Ich kenne einen Sozialhilfeempfänger der schickt monatlich 500 CHF an seine „Freundin“. Da muss man sich eben schon fragen ob der Betrag angemessen ist. Bei einer alleinerziehenden Frau mag es anders aussehen, wenn Kinder unterstützt werden und Kleider/Nahrung gekauft werden müssen. Andere leisten sich ein Auto und haben immer noch Ihr Flatrate Handyabo zusammen mit dem neusten iPhone, da scheint mir dann eben schon der Luxus zu dominieren.

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    1. Ihr Kommentar ist voller Allgemeinplätze, Peter Meier. Kommt mir spontan der Asylbewerber mit der Lederjacke in den Sinn. Oder damals, als die ersten Grünen in die Politik gingen. Sah man einen von ihnen in einem Auto, stand es am anderen Tag in der Zeitung. Für mich sind solche Argumente die Vorstufe zum Denunziantentum.

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    2. Herr Meier, ich wünsche Ihnen von Herzen, dass auch Sie sich in absehbarer Zeit einmal diesen enormen Luxus gönnen dürfen. Gesegnete Adventszeit … !

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    3. Herr Meier, wie Sie sagen: der Verdacht liegt nahe… der Verdacht. Werden Sie mal ehrenamtlicher Helfer oder Betreuer von Asylanten (ich meine nicht Wirtschaftsflüchtlinge, sondern wirkliche auf Leib und Leben Bedrohte) oder Behinderten mit IV Rente. Dann sehen sie hinter die Kulissen und wissen, woher der angebliche Luxus wirklich kommt. Ich bin Betreuerin und weiss Bescheid.

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    4. Herr Meier, von der Sozialhilfe bekommt man exkl. Miete und Krankenkasse monatlich 986 Franken, bei Paaren 755 Franken pro Person, Familien nochmal deutlich weniger.

      So, und nun rechnen Sie aus, wieviel *Sie* im Monat ausgeben. Vergessen Sie nicht Bilag-Beiträge, Versicherungen wie Hausrat, Auto oder Zusatzversicherung mit einzuberechnen. Auch das ÖV-Abo müssen Sie mitrechnen. Wie oft gehen Sie in den Ausgang? Mit 100-150 Franken muss man schon rechnen, bei den Eintrittspreisen, ausserdem konsumieren Sie vielleicht nicht den billigsten Wein, Drinks sollten auch drinliegen. Wie oft essen Sie schick auswärts? Mit 40 Franken wäre das noch ein günstiges Restaurant, 50-60 werden es rasch mal, insbesondere, wenn es auch ein Kaffee sein soll, vielleicht mit einem netten kleinen Dessert. Die alltäglichen Einkäufe müssen klar auch mit rein: Wieviel lassen Sie wöchentlich im Migros liegen? 150 Franken oder mehr, dürfte in etwa so sein. Ausserdem gönnt man sich ja gern mal was. Kleider, eine gute neue Navi, eine GoPro wollte man auch schon lange. Das Teleclub-Abo muss natürlich sein, wegen den Fussball-Übertragungen. Ok, das Kombi-Abo für TV und Internet ist mit 100 Franken pro Monat etwas teuer, aber da ist ja das TV-Replay mit drin. Man gönnt sich ja sonst nichts.

      Merken Sie etwas? Plötzlich liegt man bei 2000 Franken oder mehr Ausgaben pro Monat. Mit 1500 lebt man schon sehr sparsam. Mit weniger als 1000 Franken kommt der Normalbürger aber partout nicht aus. Jedenfalls dann nicht, wenn er ehrlich ist beim Zusammenrechnen. Aber das scheint von denen, die durch dumme Sprüche auffallen, kaum jemand zu sein.

      Von Alleinerziehenden habe ich gar nicht angefangen. Dabei sind sie eine erschreckend grosse Gruppe unter den Sozialhilfebezügern. Diese tun mir besonders leid, denn wer will schon seinen Kindern das vorenthalten, was die anderen Kinder mit ihren Markenkleidern und den iPhones alles haben. Aber das Geld fehlt, und das Kind muss enttäuscht werden.

      Und noch ein Letztes: Praktisch jeden Monat kommen beim Normalbürger Extra-Anschaffungen dazu. Sei es ein neues MacBook Pro oder der langersehnte Urlaub in Asien. Dafür hat man dann sein Sparkonto, von dem man die 1000 oder 2000 Franken nehmen kann. Sozialhilfebezüger haben kein solches Sparkonto. Ich kenne mehrere Bezüger. Sie sind praktisch jeden Monat bei einem Kontostand von Null Franken. Da ist es auch schon passiert, dass es aussergewöhnliche Ausgaben gegeben hat, kein Luxus, sondern beispielsweise ein unerwarteter Schaden. Und man nur mit grösster Mühe einen Ausweg gefunden hat.

      Das Leben eines Sozialhilfebeziehers ist die Hölle. Nicht nur ab und zu, sondern permanent. So einen Stress wünscht man niemandem, glauben Sie mir.

      Wer den am meisten Betroffenen helfen möchte: Ich empfehle eine Spende an die Unabhängige Fachstelle für Sozialhilferecht oder die Caritas. Damit tun Sie Gutes.

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