Uni Basel fällt aus Top 100 zweier Hochschul-Rankings

13 Jahre lang gehörte die Universität Basel zu den 100 besten Hochschulen der Welt. Nun hat sie mindestens 14 Plätze im Shanghai-Ranking verloren. Und nicht nur in diesem.

Bereits in den Gängen des Kollegiengebäudes anzutreffen: Andrea Schenker-Wicki, die neue Rektorin der Universität Basel.

(Bild: Basile Bornand)

13 Jahre lang gehörte die Universität Basel zu den 100 besten Hochschulen der Welt. Nun hat sie mindestens 14 Plätze im Shanghai-Ranking verloren. Und nicht nur in diesem.

Andrea Schenker-Wicki hat diese Woche eine schlechte Nachricht erhalten. Die Rektorin der Universität Basel musste zur Kenntnis nehmen, dass ihre Uni im Shanghai-Ranking der weltbesten Hochschulen aus den Top 100 gefallen ist.

Seit der weltweite Vergleich von 1000 Hochschulen erstmals im Jahr 2003 publiziert wurde, gehörte die Uni Basel dazu. Im Ranking 2016 rutscht sie nun mindestens 14 Ränge zurück, irgendwo zwischen 101 bis 150 (genauer wird es nicht ausgewiesen).

Für Schenker-Wicki ist das Shanghai-Ranking «sehr wichtig», wie die Rektorin in einem Interview kurz nach ihrem Amtsantritt 2015 sagte. Und eigentlich ist ihr Plan gewesen, «weiter nach vorne zu kommen».

Das Gegenteil ist nun eingetreten. Und weil eine schlechte Nachricht selten allein kommt, fiel die Uni Basel auch im Times Higher Education Ranking aus den Top 100, dabei lag sie dort im vergangenen Jahr noch auf Platz 75.

13 Jahre dabeigewesen und nun draussen: Der Uni Basel reichte es nicht mehr unter die Top 100. (Bild: Shanghai-Ranking)

Was ist schiefgelaufen?

Darauf gebe es nicht eine einzige konkrete Antwort, sagt Mediensprecher Matthias Geering. Tatsächlich beruht das Shanghai-Ranking auf sechs Faktoren, die verglichen werden:

  • Anzahl Nobelpreise und Fields-Medaillen (Auszeichnung in der Mathematik) der Absolventen oder angestellter Forschender
  • Anzahl Publikationen in wichtigen Fachjournalen oder
  • wie oft die Wissenschaftler einer Hochschule in Fachartikeln zitiert werden, wobei das Ranking einen naturwissenschaftlichen Fokus hat und entsprechend diese Fächer berücksichtigt werden.
  • Aber auch die Grösse der Institution spielt eine Rolle.

«Sicher ist die Universität Basel nicht schlechter geworden», sagt Geering nach der ersten Besprechung des Shanghai-Rankings am Dienstagmorgen. Grundsätzlich sei es so, dass Rankings immer einer Schwankung unterliegen würden. «Die Uni Basel war auch nach Sprüngen nach oben nicht einfach besser», erklärt Geering.

Eine erste Analyse zeigt gemäss Geering vor allem, dass die akademische Konkurrenz mehr investiert habe: «Aus den Top 100 sind auch mehrere US- und britische Hochschulen gefallen, dafür sind drei asiatische dazugekommen.» Neu dabei sind die chinesischen Universitäten von Peking und Tsinghua sowie die National University of Singapore.

«Die bisherigen Hochschulen stehen unter Druck, da in Asien sehr viel in die Forschung investiert wird», sagt Geering dazu. Diese Universitäten holten sich anerkannte Forscher aus aller Welt, angesichts der Ranking-Indikatoren steige daher die Platzierung.

Warum ist so ein Ranking denn «sehr wichtig»?

Über diese Frage lasse sich streiten, sagt Geering: «Es ist ein Indikator zur Beurteilung der Leistung der Universität, aber nicht unser primäres Ziel.» Gemessen werde man an den besten Universitäten der Welt wie Berkeley oder Harvard, «das sind Hochschulen für eine wissenschaftliche Elite, die nicht auch noch den lokalen Nachwuchs ausbilden».

Beispielsweise sei es für das Ranking gut, wenn viele internationale Studierende und Forschende an einer Universität tätig sind, sagt Geering, «aber gerade dieser Punkt wird in der Politik äusserst kontrovers diskutiert».

Dass die Universität Basel aber mithalten könne an der Weltspitze, zeige das spezifische Ranking im Bereich Life Sciences, bei dem die Uni Basel auf Platz 44 liege, sagt Geering: «Wir können in jenen Bereichen mithalten, in denen wir Schwerpunkte setzen.»

Life steht für Life Sciences – die Parade-Disziplin der Uni Basel gemäss Shanghai-Ranking. (Bild: Shanghai-Ranking)

Eine Frage bleibt dennoch: Was bedeutet der Rutsch aus den Top 100 für die Uni Basel?

«Unmittelbar», sagt Geering, «hat dies keinen Einfluss.» Es werde für die Uni nicht schwieriger, Forschungsgelder zu erhalten, wissenschaftliche Mitarbeiter anzuwerben oder an Studien teilzunehmen. Die Universität will dennoch die Sachlage genau analysieren und versuchen herauszufinden, warum sie beispielsweise von der ETH Lausanne überholt wurde.

Die Liste der Schweizer Hochschulen, die im Shanghai-Ranking berücksichtigt werden. (Bild: Shanghai-Ranking)

Man werde «alles dafür geben, dass wir besser abschneiden». Genau so, wie die Rektorin das beim Amtsantritt versprach. Dass ausgerechnet jetzt die Uni Basel aus den Top 100 fällt, lässt sich nicht als erste Bilanz der Arbeit von Schenker-Wicki herunterbrechen, betont Geering: «Die Zeiträume, die für diese Rankings berücksichtigt werden, liegen länger zurück, teilweise bis zu zwei Jahre.»

Einen Schub erhofft sich die Universität Basel vom neuen Biozentrum. Das sei eine Investition in die Zukunft und setze ein «Fundament für die langfristige Perspektive». Das Biozentrum werde die Arbeitsbedingungen verbessern, neue Forschung ermöglichen und damit auch Einfluss auf den Forschungs-Output haben. Sollte dies tatsächlich eintreten, sollte man die Uni Basel allerdings auch beim Wort nehmen. Sprecher Geering sagt: «Wir haben uns nicht selbst gelobt, als wir in den Rankings aufstiegen, und das werden wir auch in Zukunft nicht tun.»

Die Top 20 des Shanghai-Ranking in der Übersicht (mit einem Klick hier kommen Sie zur kompletten Liste):

(Bild: Shanghai-Ranking)

Konversation

  1. Eigentlich beachtlich, wie gut sich die Uni Basel als rein kantonal finanzierte Uni einer 180’000-Einwohnerkleinstadt bisher halten konnte und in einzelnen Bereichen sogar absolute Weltspitze darstellt.

    Jetzt wegen solch einem Ranking in Panik zu verfallen ist falsch. Wie will man z.B. eine juristische Fakultät international vergleichen, wenn ja vor allem Landesrecht gelehrt wird?

    Ruhe bewahren, in Ruhe schauen, wo kann man qualitativ noch etwas machen und dann umsetzen. Wenn Politiker jetzt fordern werden, dass man deswegen nun Gelder kürzen müsste (das wird von der SVP BL so sicher wie das Amen in der Kirche kommen), dann haben diese Leute schlicht nicht mehr alle Tassen im Schrank.

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