Auf dem Lysbüchel gäbe es viel Gewerberaum, doch die Gewerbler jammern lieber

Der Gewerbeverband kämpf mit einem Referendum gegen die Umwandlung des heutigen Industriegebiets Lysbüchel in eine Mischzone mit Wohnungen. Das konkrete Angebot von günstigen Mieträumen auf dem Areal ignorierten Gewerbetreibende aber weitestgehend.

Das Gewerbe zeigte kein Interesse an den Räumlichkeiten im ehemaligen Coop-Verteilzentrum auf dem Lysbüchel-Areal.

Für den Basler Gewerbeverband geht es bei der Umwandlung des Industrieareals Lysbüchel zu einem neuen Wohn- und Gewerbegebiet um die grosse Grundsatzfrage: Um die seiner Ansicht nach letzte zusammenhängende Gewerbe- und Industriefläche zu retten, sammelt der Verband Unterschriften für ein Referendum gegen die vom Grossen Rat klar abgesegnete Umwandlung. Die Sammelfrist läuft Ende Juni aus.

Für Irritation bei diesem Kampf sorgt, dass nach der Umwandlung deutlich mehr Industrie- und Gewerbearbeitsplätze zur Verfügung stehen würden, als dies jetzt der Fall ist. Konkret ist von 2000 bis 3000 statt den heute existierenden 500 Arbeitsplätzen die Rede.

Kultur- und Eventhaus ohne Gewerbe

Irritiert zeigt sich im Interview mit der TagesWoche auch Rolf Borner, Geschäftsleiter von Immobilien Basel-Stadt. Die Verwaltungsstelle der Häuser im Kantonsbesitz hat im September Gewerberäume im ehemaligen Coop-Verteilzentrum auf dem Areal zur Vermietung ausgeschrieben. «Das Gewerbe hat praktisch kein Interesse an den ausgeschriebenen Flächen gezeigt», sagt er. Dies obschon die Mieten mit Quadratmeterpreisen von 120 Franken für Büros, 110 Franken für Gewerbebetriebe und 60 Franken für Lagerräume «sehr moderat» seien.

«Es wird also nicht wie geplant ein Gewerbe- und Kulturhaus, sondern ein Kultur-, Event- und Freizeithaus», sagt Borner. Für den Geschäftsleiter von Immobilien Basel-Stadt zeichne sich damit ein «absoluter Mehrwert» für das neue Quartier ab.

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Nach Auffassung des Gewerbeverbands waren verschiedene Punkte für die Zurückhaltung massgebend: Das Angebot sei mangelhaft kommuniziert worden, teilt Partrick Erny, Leiter Politik beim Gewerbeverband, auf Anfrage mit. «Eine aktive Information in Gewerbekreise fand nicht statt, nicht einmal die Mitglieder der IG Lysbüchel wurden aktiv informiert.»

Des Weiteren bezeichnet Erny das Raumangebot als «unklar». «Die konkrete Raumeinteilung ist noch unbekannt, ebenso der Nutzungsmix.» Überdies habe der Umstand, dass die Räume erst ab Sommer 2020 bezugsbereit seien, viele von einer Bewerbung abgehalten. «Gerade Klein- und Kleinstbetriebe, welche mit dem Angebot angesprochen werden sollen, haben eine kürzere Planungsfrist», so Erny.

Und nicht zuletzt verweist er auf das anvisierte Referendum gegen die Gesamtplanung des Lysbüchel-Areals: «Viele Unternehmen warten nun den politischen Entscheid hinsichtlich der Entwicklung des Lysbüchel-Areals ab.»

Konversation

  1. Wir lernen bekanntlich nicht aus der Geschichte, mir kommt die Geschichte aber bekannt vor. Von Seiten der Stadt gibt es in letzter Zeit viele vage Ideen, die in langen Entwicklungsphasen in bezahlter! Arbeit erdacht werden – Stichwort Kopfbau Kaserne, Alternative für die Kunstschaffenden der Ateliergenossenschaft Klingental (während der Sanierungsphase). Die erdachten Modelle und Vorschhläge sind oft weit weg von den existenziellen Bedingungen der NutzerInnen, ersponnen in sozial abgesicherten Büroräumen.

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  2. Einmal mehr gefällt sich der Gewerbeverband lieber in der Opferrolle einer linksregierten, wirtschaftsfeindlichen Stadt. Aber dieses Dääfeli ist so was von abgelutscht, das langweilt nur noch.

    Muss bitter sein, derart auf verlorenem Posten zu stehen. Fundamentalopposition statt konstruktiver Mitarbeit auch und vor allem zum Wohle der Gewerbetreibenden – ein Trauerspiel.

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