Ein Erfolg macht noch keine Trendwende, Herr Dürr

Baschi Dürr preist einen Erfolg als Trendwende und Folge seiner Arbeit. Der Überzeit-Abbau im Justiz- und Sicherheitsdepartement geht aber hauptsächlich auf einen Entscheid der gesamten Regierung zurück.

Christian Degen (45) übernimmt ab 1. Januar 2016 die Geschäftsleitung und Chefredaktion der TagesWoche.

(Bild: Nils Fisch)

Baschi Dürr preist einen Erfolg als Trendwende und Folge seiner Arbeit. Der Überzeit-Abbau im Justiz- und Sicherheitsdepartement geht aber hauptsächlich auf einen Entscheid der gesamten Regierung zurück.

Für Könige war das Leben angenehm. Ihr Führungsanspruch war gottgegeben und somit lebenslang gesichert. Wer dies anzweifelte, hatte ein Problem. Heute sind unsere staatlichen Führungskräfte vom Volk gewählt und müssen sich alle vier Jahre bestätigen lassen.

Damit dies gelingt, verweisen sie an Medienkonferenzen und in sozialen Netzwerken gern auf ihre Erfolge. Krisensituationen nutzen sie, um ihre Verbundenheit mit dem Volk und ihren Einsatz für dieses zu zeigen. Sie stellen sich als unerschrockene, starke Persönlichkeiten dar, die den richtigen Weg hartnäckig verfolgen und fähig sind, etwas durchzusetzen.

Dabei gilt es, keine Gelegenheit auszulassen, um sich als Tausendsassa zu präsentieren. Dies weiss Regierungsrat Baschi Dürr als ehemaliger Mediensprecher natürlich auch. Entsprechend hat er sich im März als unternehmerischer Führer präsentiert, der es endlich geschafft hat, die stetig steigende Zahl der Überstunden im Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) zu verringern. Den Erfolg hat er als «Trendwende» betitelt und damit der Bevölkerung gezeigt, dass er die Sache im Griff hat.

Pech nur, dass sich die TagesWoche dafür interessiert, wie viele Überstunden die Staatsangestellten in den letzten Jahren gehortet haben. Wie die Recherchen der Kollegen Matthias Oppliger und Felix Michel ergeben haben, sind es fast deren 600’000. Die Analyse der Details fürs JSD bringen nun an den Tag, dass die Reduktion der Überzeit um 29 Stunden pro Person nicht allein Dürrs Führungsstärke zuzuschreiben ist: Zwei Drittel davon wurde aufgrund eines Beschlusses der Regierung schlicht ausbezahlt.

Es ist klar: Im Wahljahr braucht es eine gute PR-Strategie, um bei der Bevölkerung zu punkten. Und Baschi Dürr hat wirklich einen Erfolg vorzuweisen. Die Überzeit-Zahlen seines Departements waren 2015 wieder auf dem Niveau von 2013. Das hätte genügt. Die TagesWoche wird weiterhin genau hinschauen, damit kleine Trends nicht mit grossen Wendungen verwechselt werden.

Wir haben die Zeitguthaben der einzelnen kantonalen Dienststellen analysiert. Dazu sind folgende Geschichten erschienen:

Konversation

  1. Ach je, Herr Degen.
    Welch journalistische Meisterleistung, dieses dürre Aufsätzchen.

    „Pech nur, dass sich die TagesWoche dafür interessiert…“
    „Die TagesWoche wird weiterhin genau hinschauen…“

    Who cares?

    Die TaWo ist doch – angesichts ihrer schwindenden Reichweite – auch nichts weiter als ein kleiner Frosch, der sich emsig aufzublasen versucht um mit seinemn Gequake „… bei der Bevölkerung zu punkten.“

    Danke Empfehlen (0 )
    1. Hmm, und was für ein seltsames Tier ist das denn, das sich in einen Frosch einloggt und glaubt, mit seinen Kommentaren über dessen Bedeutungslosigkeit auf irgendein bedeutendes Gehör zu stossen? Wohl kaum ein wesentlich Höheres…

      Danke Empfehlen (0 )
    2. @standbye

      das hat mich schon wiederholt gewundert (geschöpfe, die sich bevorzugt bei fröschen melden möchten, sind mir eh speziell suspekt ;-)) …
      die tröstliche lösung: schauen Sie sich das profilbild genau an: es ist der arme hund, der da in die tasten haut.
      mir jedenfalls passt es gut, wenn die tawo nachhakt/recherchiert – je hartnäckiger/konsequenter desto besser.

      Danke Empfehlen (0 )
  2. Die Tageswoche gebährdet sich immer mehr wie die BaZ, einfach von Links.
    Die BaZ will die rotgrüne Mehrheit kippen, die Tageswoche den totalen Machtanspruch der Linken untermauern.

    Beides ist erbärmlichster Politkampagnenjournalismus im Dienste anderer Parteien, welcher man versucht die Stiefel zu lecken, um im Duktus der Juso mal zu schreiben.

    Danke Empfehlen (0 )
  3. Trẹnd·wen·de
    Substantiv [die]
    der Umkehrpunkt einer Entwicklung, ab dem eine gegenteilige Entwicklung eintritt.
    „die Trendwende auf dem Arbeitsmarkt herbeiführen“

    Überstunden-Guthaben der Polizei: Jahrelang ging dies rauf, 2015 erstmals runter (auch unter Rausrechnung von OSZE und Auszahlungen). Exakt genau dies ist nach Definition eine „Trendwende“…

    Danke Empfehlen (0 )
    1. Nur was nützt eine mögliche Trendwende bei den Überstunden, wenn über den selben Zeitraum (2011 – 2015, und ohne OSZE) die Ferien um 15, die GLAZ um 7 und die Schichtzulagen um 24 Stunden gestiegen sind, sodass das gesamte durchschnittliche Zeitguthaben von 60 Stunden auf 73 Stunden angestiegen ist?

      PS: Trends sind per Definition langfristig, weshalb sich der Zeitpunkt der Trendwende erst im Nachhinein feststellen lässt, denn ein kleines Rauf oder Runter hat noch keinen Einfluss auf den Trend.

      Danke Empfehlen (0 )
Alle Kommentare anzeigen (6)

Nächster Artikel