1:1 in Lausanne – ein Remis, das sich für Basel wie eine Niederlage anfühlt

Seine Torflaute hat der FC Basel mit dem Führungstreffer durch Michael Lang in Lausanne zwar beendet, in die Erfolgsspur findet die Mannschaft in dieser Nachtragspartie jedoch nicht, weil Simon Rapp in der 89. Minute der keineswegs unverdiente Ausgleich für die Waadtländer gelingt. In der Buchhaltung macht das für Basel 16 Punkte Rückstand auf den enteilten Leader YB – und nur drei Längen Vorsprung auf den Dritten FC St. Gallen.

Wenn es die Rechnung noch gab, mit der Maximalausbeute aus zwei Nachtragspielen sowie den beiden Direktduellen mit den Young Boys noch einmal so etwas wie Druck auf den souveränen Leader zu machen, dann kann der FC Basel nach diesem Abend in Lausanne jegliche Hoffnungen auf eine Rückkehr ins Meisterschaftsrennen endgültig begraben.

Das Remis auf der Pontaise ist ein weiterer bitterer Rückschlag in einem an Ernüchterungen bereits reichen Fussballjahr. Vor allem deshalb, weil der FCB in einer zähen Auseinandersetzung auf einem schwierig zu bespielenden Terrain den Widrigkeiten zu trotzen schien und in der 60. Minute seine Torflaute beendete.

Doch der Treffer von Aussenverteidiger Michael Lang reichte nur für eine vorübergehende Erlösung einer nach wie vor verkrampft wirkenden Mannschaft. In der 89. Minute kassierte sie den Ausgleich, einen Gegentreffer, der zumindest Ähnlichkeiten mit dem entscheidenden Goal gegen den FCB am Sonntag in Luzern hatte: Über die rechte Seite wurde der bis dahin ordentliche Léo Lacroix von Francesco Margiotta überlaufen, und dessen scharfe, flache Hereingabe verwertete Simon Rapp, den im Zentrum weder Fabian Frei noch Blas Riveros am Torschuss hindern konnte.

Wicky ist bedient, Lang fordert mehr Überwindung

Restlos bedient wirkte Raphael Wicky, der sich nach Spielschluss nicht zur Mannschaft in die Kabine begeben hatte, sondern ins Trainerzimmer. «Ich musste mich selbst abregen», sagte der FCB-Trainer ins «Teleclub»-Mikrofon, und erklärte auch, worüber er sich echauffierte: «Aus einem Abstoss ein total unnötiges Goal zu bekommen – das ist einfach nicht clever.»

Torschütze Michael Lang ging mit sich und seinen Kollegen ins Gericht: «Schlussendlich haben wir zu wenig gemacht für den Sieg. Das ist kein Vorwurf an die Mannschaft, aber in einer solch schwierigen Phase, in dem Teufelskreis, in dem wir stecken, muss man noch mehr machen, sich selbst überwinden, im Spiel, in jedem Training. Was wir bieten, ist nicht FC-Basel-like.»

Pomadig, harmlos und ohne zündende Ideen

Was der FCB und Lausanne-Sport in den 93 Minuten auf der Pontaise ablieferten, war durchaus ein Spiegelbild der Formkurve beider Teams: Hier die Gastgeber mit der schlechtesten Bilanz im neuen Jahr, dort der FCB, der in drei seiner vier Super-League-Spiele das Tor nicht mehr getroffen hatte. Ein paar Abschlüsse, die man als Chancen klassifizieren konnte, erarbeitete sich der Meister zwar, doch sein Spiel sah pomadig aus, war harmlos und ohne zündende Ideen.

Die Hereinnahme von Albian Ajeti für den glück- und wirkungslosen Ricky van Wolfswinkel zahlte sich immerhin aus. Ajeti kam zu Möglichkeiten, erzielte in der 54. Minute ein Kopfballtor, dem richtigerweise wegen einer eindeutigen Abseitsstellung die Anerkennung verweigert wurde, und war mit gutem Körpereinsatz massgeblich an der Entstehung des 0:1 beteiligt.

Dass der Wurm drinsteckt in einer verunsicherten Mannschaft, offenbarte sich jedoch auch bei fast jedem Gegenstoss, den die Lausanner aus ihrer dichtgestaffelten Hintermannschaft fuhren. Oder bei stehenden Bällen. In der 38. Minute landete ein Freistoss von Benjamin Kololli auf der Querstange von Tomas Vacliks Tor. Kololli war schon im September, bei der Mutter der bitteren Basler Niederlagen in dieser Saison, Schütze eines spektakulären Freistosstreffers gewesen.

Erst die Erlösung, dann der nächste Tiefschlag

Das Basler Führungstor, eingeleitet mit einem gescheiten, tiefen Zuspiel von Luca Zuffi, war Ergebnis einer steten Annäherung an das Lausanner Tor. Wickys Mannschaft überzeugte bis dahin zwar nicht, kontrollierte die Partie aber weitgehend, und Langs Schuss in die nahe Torwartecke war die Erlösung nach 240 torlosen Basler Super-League-Minuten (und 330 torlosen Minuten in den Schweizer Wettbewerben).

Schon die Phase unmittelbar nach diesem Treffer offenbarte bedenkliche Basler Schwächen in der Defensive. Nicolas Gétaz kam zu drei Möglichkeiten innert drei Minuten, zwei davon über die Seite von Blas Riveros lanciert. In der 64. Minute traf Gétaz die Latte.

Anschliessend bekam der FCB die Partie wieder in den  Griff, Ajeti, Zuffi und Mohamed Elyounoussi verpassten aber einen zweiten Treffer. Und dann zeigte Lausanne, das auch im 13. Heimspiel nicht ohne Gegentor geblieben war, warum dieses Team in dieser Saison zwar zwanzigmal in Rückstand geraten ist, aus solchen Rücklagen aber noch 16 Punkte geholt hat.

FC Basel schaut derweil auf die magere Ausbeute von vier Punkten aus fünf Spielen im neuen Jahr und auf eine Mannschaft, die in einer tiefen Schaffenskrise steckt.

Bringen ihre Mannschaft in der Super League nicht aus der Schaffenskrise heraus: FCB-Cheftrainer Raphael Wicky und Assistenztrainer Massimo Lombardo (rechts).

Trainermonologe: «Mit unseren Ansprüchen müssen wir  dieses Spiel gewinnen»

Raphael Wicky, FC Basel:
«Es ist sehr, sehr bitter und enttäuschend, dass wir dieses Spiel nicht nach Hause gebracht haben. Mit den Ansprüchen, die wir haben, müssen wir dieses Spiel 1:0 gewinnen. Das haben wir nicht geschafft. 

Wenn du führst, musst du nicht mit sechs, sieben Mann angreifen, sondern vielleicht nur noch mit vier. Dann gewinnst du dieses Spiel. Bis zum Tor haben wie die Partie kontrolliert, dann hatten wir fünf schlechte Minuten und danach selbst wieder Chancen gehabt.»

Fabio Celestini, Lausanne-Sport:
«Ich bin zufrieden mit dem, was die Jungs gezeigt haben. Ich wollte, dass wir kompetitiv auftreten und eine Mannschaft sind.»

Die Aufstellung: Wieder mit Campo – Frei und Lacroix bilden Innenverteidigung

Wie schon bei der Niederlage gegen den FC Luzern setzte Raphael Wicky auf Samuele Campo im offensiven Mittelfeld. In der Innenverteidung kam das Duo Fabian Frei/Léo Lacroix zu seinem Debüt, weil Marek Suchy gesperrt fehlte.

Der zuletzt zweimal gesperrte Taulant Xhaka (in Manchester und in Luzern) kehrte in die Mannschaft zurück und Albian Ajeti übernahm den Part des Mittelstürmers. Valentin Stocker sass zu Beginn auf der Bank.

Insgesamt veränderte Wicky die Mannschaft auf vier Positionen im Vergleich zur Niederlage in Luzern.

FC Basel (4-2-3-1): Vaclik – Lang, Frei, Lacroix, Riveros – Xhaka, Zuffi – Campo (74. Serey Dié), Oberlin (61. Stocker), Elyounoussi – Ajeti.

Bank: Salvi (Tor), van Wolfswinkel, Stocker, Serey Dié, Manzambi, Bua, Kaiser.

Lausanne-Sport (3-4-2-1): Castella – Loosli, Monteiro, Rochat – Kololli, Schmid (80. Zarate), Pasche, Gétaz (72. Margiotta) – Geissmann (78. Zeqiri), Zidane – Rapp.

Bank: Martin (Tor), Zarate, Fransson, Maccoppi, Tejeda, Zeqiri, Margiotta.

Das Aufwärmprogramm

https://tageswoche.ch/sport/der-gefahr-gewahr/
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Konversation

  1. Wicki scheint mir zu verbissen. Das wirkt auf das Team.
    Die Stürmer (van Wolfswinkel, Oberlin, Ajeti) sind nicht meisterwürdig bzw. werden auch nächste Saison das notwendige Niveau nicht erreichen.

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