Matias Delgado denkt über seinen Abschied nach

Nach dem Rücktritt als Spieler im letzten Juli folgte für Matias Delgado eine Findungsphase beim FC Basel. Nun muss sich der 35-Jährige entscheiden, wie es weitergehen soll. Er will Trainer werden, und Spanien als Lebensmittelpunkt ist eine naheliegende Alternative zur Schweiz.  

Bewegende Momente: Der offizielle Schlusspunkt als Profispieler war die Verabschiedung von Matias Delgado am 20. August 2017 im Joggeli. Nun zeichnet sich ein nächster Abschied ab.

Am Mittwoch waren sie wieder zu sehen, die FCB-Fans mit einem «Dangge-Matí-Shirt». Diese wurden bedruckt und zum Merchandisingprodukt des Klubs, nachdem Matias Emilio Delgado am 30. Juli des vergangenen Jahrs abrupt und tränenreich seinen Rücktritt als Spieler verkündet hatte.

Damals ging eine grosse Spielerkarriere zu Ende, die Aktivzeit eines Fussballkünstlers, der aus Argentinien gekommen war, 2003 in Basel auf die grosse Bühne trat und die Menschen verzückte, nach Istanbul wechselte und nach seiner Rückkehr vom Arabischen Golf im Jahr 2013 zum Captain des Teams und zur Integrationsfigur wurde. Innerhalb des Vereins wie auch für die Fans, die IHN als Fantasista verehrten.

Ganz weg war er nach dem Rücktritt nicht, denn umgehend wurde ein anderer Platz in der rotblauen Gemeinde für Delgado geschaffen: Im Trainerteam und als Botschafter des FC Basel.

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Nun könnte es aber nötig werden, endgültig Abschied zu nehmen von IHM. Am Rande des Auswärtsspiels in Lugano hat Delgado erzählt, er denke über seine berufliche Zukunft und den Lebensmittelpunkt nach. Dabei liess er durchblicken, dass dieser auch in Spanien liegen könnte. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen: «Ich weiss es nicht», sagt der grübelnde Delgado.

Natürlich hat sich mancher gefragt, was genau Matias Delgado macht in seiner Funktion als «Teil des Trainerteams». Aber das fragen sich auch viele bei Jean-Paul Brigger, dem von Bernhard Burgener eingesetzten Delegierten des Verwaltungsrates.

Wicky: «Seine Persönlichkeit und seine Präsenz ist wichtig»

Delgado stand in den vergangenen Monaten beim FC Basel am Rand des Trainingsplatzes, oft in einer beobachtenden Rolle. Er füllte die Spielergruppe auf, wenn die in den Nationalmannschaftspausen zusammenschrumpfte. Er sass während Spielen des FCB mit einem Computer auf der Tribüne und hielt seine Eindrücke des Geschehens digital fest. Und er suchte seine Rolle, die er künftig im Fussball ausüben will.

«Er kam zu uns ins Trainerteam ohne jegliche Erfahrung, nicht mit einer konkreten Aufgabe», schildert Raphael Wicky die Tage im August 2017, «es gab nicht jeden Tag eine ganz klare Aufgabe für ihn, und es war von Anfang an klar, dass es ein bisschen Flexibilität braucht. Er ist, seien wir ehrlich, in einer Findungsphase.»

Fürs Familienalbum: Matias Delgado am Abend des 2. Juni 2017 mit seiner Frau Maria Laura Rossi, den Kindern, den Pokalen für den Gewinn des Doubles – und Roger Federer, mit dem Delgado auf einer nicht unähnlichen Verehrungsebene bei den jeweiligen Fans steht.

Aber, betont der Cheftrainer, «für die Mannschaft ist er wichtig mit seiner Persönlichkeit und seiner Präsenz. Für die Spanischsprechenden ist er eine wichtige Person und für mich und das Trainerteam ist seine Meinung wichtig. Er sieht jetzt hinter die Kulissen, er lernt sehr viel, und gleichzeitig kann er mir und dem Staff sagen, was ein Spieler denkt, wie er einen Spieler sieht.»

Der junge Samuele Campo, auserkoren, in die Fussstapfen des an den besten Tagen genialen Fussballers Delgado zu treten, beschreibt, wie er den Ex-Captain erlebt: «Ab und an nimmt er mich zur Seite. Er ist ein sehr guter Trainer. Bodenständig, sehr nett, er will immer das Beste für die Mitmenschen. Man merkt, dass er helfen und seine Erfahrung weitergeben will.»

Pfeffingen oder Barcelona?

Delgado ist dankbar dafür, beim FC Basel eine Art Praktikum auf der anderen Seite des Profibusiness machen zu können: «Ich habe sehr viel mitnehmen können in den letzten Monaten.» Deshalb verdichtet sich bei ihm inzwischen das Ziel für den zweiten Abschnitt im Berufsleben: Er strebt eine Trainerausbildung an. Die Frage ist nun: wo?

Spanien liegt auch deshalb nahe, weil er sich in der Schweiz schwertun würde mit dem theoretischen Teil für die Diplome – die deutsche Sprache ist für den Mann aus Rosario auch nach all den Jahren eher Last denn Lust. In Barcelona leben seine Schwester, sein Schwager Julio Hernan Rossi und Christian Gimenez. Zwei andere Ex-Ikonen des FCB, die an Delgados Rückkehr ans Rheinknie mitgewirkt haben in ihrer Rolle als Spielerberater.

«Barcelona ist eine Möglichkeit, über die ich und meine Frau nachdenken», sagt Delgado, und kann es sich doch genauso gut vorstellen, in der Schweiz zu bleiben, wo er das soziale Umfeld und die Unaufgeregtheit schätzt. Die Familie lebt in Pfeffingen, die drei Kinder gehen auf die Internationale Schule, und unlängst liess sich Delgado zu einem kleinen und einmaligen Comeback im Trikot des FC Aesch überreden bei einem Freundschaftsspiel zweier Teams aus der untersten Amateurebene.

Rollentausch: Matias Delgado in der beobachtenden Rolle bei einem Testspiel des FC Basel Ende August 2017. Rechts daneben die Verwaltungsräte Alex Frei und Marco Streller.

Sportdirektor Marco Streller, der gemeinsam mit Delgado zwei Meistertitel gefeiert hat, sagt, er gehe «offen und freundschaftlich» mit seinem ehemaligen Mitspieler in Gespräche über eine Zukunft beim FCB. «Das zurückliegende Jahr war eine Starthilfe für Matias Delgado. Er bringt so viel mit an Führungsqualität und Leadership, aber es braucht auch Eigeninitiative von ihm.»

Klar scheint, dass sich Delgado auf einen konkreten Weg festlegen muss. Streller und Wicky haben sich untereinander verständigt, und die Position des Cheftrainers lautet: «Matias Delgado muss sich erst einmal entscheiden, wo er leben will mit der Familie – dann können wir über andere Sachen reden. Für mich ist er ein sehr angenehmer Mensch, der eine positive Energie vermittelt. Aber ich habe ihm klar gesagt, was ich mir vorstelle. Eine Rolle im Trainerteam muss Sinn machen.»

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