Anwohner wehren sich gegen den Riegelbau am Voltaplatz

Die Baupläne am Voltaplatz mussten in den letzten Jahren immer wieder auf Eis gelegt werden. Jetzt haben Anwohner der Elsässerstrasse Einsprache gegen das Bauvorhaben eingereicht.

Wo ein Bauvorhaben ist, ist auch eine Einsprache. (Bild: Illustration: Hans-Jörg Walter)

Mario C. Ress packt grad die harten Worte aus. Im Kampf gegen das Bauprojekt «Volta Ost» ist der ehemalige Präsident des Neutralen Quartiervereins fürs Emotionale zuständig: «Als Anwohner fühlen wir uns verarscht», sagt er. Zusammen mit seiner Frau betreibt er die «Spiil-Butygg» an der Elsässerstrasse 46. «Wenn der Kanton uns diesen Riegel vors Gesicht setzt, haben wir weniger Licht und Aussicht.»

Grund für seine Emotionen ist der geplante zehnstöckige Riegel entlang der Elässerstrasse, dort, wo jetzt noch das alte Postgebäude steht. Ausserdem soll entlang der Voltastrasse, hin zum Fernheizkraftwerk, ein dreistöckiger Sockel entstehen. Die Gebäude sollen Quartierwohnungen, Wohnungen für Studierende und Sozialhilfebezüger sowie Quartierläden und Beizen beherbergen.

Mindestens zwei Einsprachen

Die Baupläne sind das Resultat eines Architekturwettbewerbs für das Entwicklungsareal rund um den Voltaplatz. Die Pläne sind seit eineinhalb Jahren bekannt. Jetzt hat der Kanton im November endlich ein Baugesuch eingereicht. Bis diesen Freitag läuft die Einsprachefrist.

Mindestens zwei Einsprachen sind eingegangen. Eine davon von Mario Ress. Die andere kommt von Martin Elpers. Er, der Architekt, ist fürs Inhaltliche zuständig.

Elpers wohnt selber im Haus, in dem die «Spiil-Butygg» ist. Es gehe ihm aber nicht nur um die Aussicht und das Licht in seiner Wohnung, sagt er. «Dieses Bauvorhaben ist städtebaulich eine Katastrophe.» Es breche mit der Blockrandbebauung an der Elsässerstrasse. Die anderen Häuser seien fünfstöckig. «Da ist so ein zehnstöckiger Riegel ein unglaublicher Einschnitt ins Quartierbild».

Und auch gesetzlich nicht zulässig, glaubt Elpers. Der Grosse Rat hat zwar im März 2015 beschlossen, dass «im Teilbereich West zur Gewährleistung einer städtebaulich und architektonisch hochstehenden Bebauung von der zulässigen Gebäudetiefe, der Gebäudehöhe, Geschosszahl und von der Baulinie abgewichen» werden darf.

Laut Elpers fällt die Elsässerstrasse aber nicht in diesen Bereich. Deshalb seien dort zehn Geschosse nicht zulässig. «Die nun eingereichte Bewilligung entspricht (…) dem Beschluss des Grossen Rates und der Definition des Bebauungsplanes nicht», schreibt er in seinem Einspruch.

Eine Verzögerung nach der anderen

Die Geschichte von «Volta Ost» ist eine der Verzögerungen. Ursprünglich war der Baubeginn fürs Jahr 2014 geplant. Doch Novartis und die Industriellen Werke Basel (IWB) blockierten die Entwicklung des Areals. Die IWB zogen in Erwägung, an der Voltastrasse ein zweites Holzschnitzelkraftwerk zu bauen. Sie überlegten über zwei Jahre lang – offenbar, weil sich Novartis aus ästhetischen Gründen gegen den Bau der Holzschnitzelsilos stellte.

Das wiederum hatte auch Auswirkungen auf die Bewohner der Wasserstrasse-Häuser. Diese wussten lange Zeit nicht, ob ihre Wohnungen abgerissen würden. Ebenfalls warten mussten die Primarschüler des Quartiers, weil die Arealentwicklung die Planung des erweiterten Volta Schulhauses verhinderte.

Mittlerweile hat sich einiges getan: 2014 beschlossen die IWB, ihr Holzkraftwerk neben der Kehrichtverbrennungsanlage zu bauen. Der Bau ist mittlerweile fast abgeschlossen. Die Häuser an der Wasserstrasse dürfen vorerst stehen bleiben, sie gehören nun zur Genossenschaft Gnischter. Nur die Kinder warten immer noch auf ihr Schulhaus und sitzen im Provisorium auf der Voltamatte. Die Regierung möchte das Schulhaus nun auf dem Lysbüchel-Areal bauen, doch der Gewerbeverband ist dagegen, der Grosse Rat hat das letzte Wort.

Der Baubeginn für die neuen Häuser am Voltaplatz ist für den Sommer 2018 geplant, Ende 2021 sollen die Mieter einziehen können. Zuerst muss nun aber das Bauinspektorat über die Einsprachen befinden. Dann wird sich zeigen, ob die Baumaschinen gemäss Zeitplan anrücken können und die Zeit der Verzögerungen am Voltaplatz definitiv ein Ende findet.

Konversation

  1. Oder wollen die Nachbarn keine Studenten oder Sozialhilfebezüger in der Nähe? Gerade für einkommensschwache Gruppen sollten die Wohnung im Volta-Ost ja gebaut werden. Das war ein Versprechen beim ganzen VOLTA-Bebauungsplan. Und natürlich ist es typisch, das zwar die Luxusbauten von Christ&Gantenbein schon lange stehen, aber diese Wohnungen noch immer auf sich warten lassen. ..

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  2. Wie man doch die Begriffe falsch verwendet…..
    Riegelhäuser finden sich noch in Allschwil.
    Dieser Bau da hat nichts, aber auch gar nichts von einem Riegelhaus.
    Dies ist ein Bau, der durch seine Grösse und Ausdehnung abriegelt.

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  3. Natürlich ist es legitim Einsprachen zu lancieren, wenn die Bauprojekte für die Nachbarschaft sich nachteilig auswirken. Wenn aber ein entsprechender Zonenplan vorliegt und die Bauvorschriften eingehalten werden, ist eine Einsprache oft auch eine Zwängerei. »Weniger Licht und Aussicht« sind jetzt keine Argumente, um ein zonenkonformes Projekt zu kippen. Einsprachen sind in der Schweiz ein beliebtes Kampfmittel, um unliebsame Projekte zu bekämpfen. Hier kann man seine Ressentiments abarbeiten. Man trifft aber die Falschen. Die Architekten sind nicht dafür verantwortlich, dass ein zehnstöckiges Bauvorhaben am Voltaplatz möglich ist. Die Zonen- und Bauvorschriften lassen offensichtlich ein solches Bauvorhaben zu. Man hätte also gegen die entsprechenden Zonen- oder Quartierpläne angehen müssen. Hat man aber offensichtlich verpennt. Gegen zonenkonforme Bauvorhaben anzugehen ist daher eine Sisyphusarbeit und strapaziert die Nerven aller Beteiligten. Vorallem aber bewirken Einsprachen, dass sie die Bauvorhaben verzögern und damit nicht unwesentlich verteuern. Damit wirken Einsprachen, welche chancenlos sind, preistreibend. Der Investor wird den Mehraufwand auf die zukünftigen Mieten umschlagen. Einsprachen sind okay, wenn man handfeste Argumente hat. Fehlende Aussichten, Schattenwurf, weniger Licht und sonstige Minimaleinschränkungen sind keine handfesten Argumente. Wir leben in städtischen Räumen und alle BewohnerInnen müssen mit Einschränkungen (Verkehrslärm, Baustellen, Tramverkehr, usw.) leben.

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  4. West ist immer noch die Hauptwindrichtung, aus der die Stadt belüftet und damit auch entlüftet wird vom selber erzeugten Dreck. Daher würde ich im Westen (und Osten) keine „Windriegel“ in die Landschaft stellen. Die schlechtere Belüftung führt auch zu schlechterer Luftqualität weiter hinten, hier im Zentrum der Stadt.

    Das könnte sich ändern, wenn man Hochhäuser ähnlich wie Flugzeugflügel bauen würde, aber soweit ist man in der architektonischen Stilfindung wohl noch nicht.

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