Boulevard Fischerstube: Zigaretten sind okay, Stumpen und Pfeifen tabu

Nach drei Jahren Streit und Verhandlungen mit Anwohnern darf endlich auch die Fischerstube die Boulevardmeile Rheingasse nutzen. Allerdings mit Einschränkungen.

Fischerstube-Wirt Karim Frick schneidet das Gastgeschenk eines Anwohners auf.

Die Boulevardmeile Rheingasse ist gewachsen: Seit vergangener Woche kann auch das Restaurant Fischerstube Gäste auf der Strasse bedienen. Allerdings nicht direkt vor dem Beizeneingang – dort ist die Gasse bekanntlich zu schmal – sondern einen Steinwurf weiter in Richtung Mittlere Brücke beim Antonierhofbrunnen vor dem Arbeitsamt.

Dort steht jetzt neu ein langer Tisch, der eine gewisse Symbolkraft ausstrahlt, nämlich für ein friedliches Zusammensitzen von Menschen, die das Heu nicht immer auf der gleichen Bühne haben beziehungsweise hatten. In diesem Fall sind es Anwohner, die sich lange, sehr lange Zeit gegen Boulevardtische gewehrt haben, und das Ausgehvolk, dem nun neue Open-Air-Plätze zur Verfügung stehen.

Die Brauer brachten Hopfen und Malz zusammen

Die Anwohner hatten sich mit derartiger Vehemenz quergestellt, dass Fischerstube-Wirt Karim Frick, der 2015 ein Boulevard-Gesuch gestellt hatte, das Projekt zwischenzeitlich begraben wollte. Doch Anita Treml-Nidecker, die Geschäftsführerin der Ueli-Bierbrauerei, hatte mit einer diplomatischen Charme-Initiative schliesslich Erfolg. Die Anwohner stimmten drei Jahre nach dem ursprünglichen Gesuch einem Probelauf mit Öffnungszeiten von Montag bis Samstag, jeweils 17 bis 22 Uhr, zu.

Dieser Probelauf ist allerdings mit aussergewöhnlichen Einschränkungen verbunden: Ein Schild auf den Tischen weist darauf hin, dass es erlaubt ist, eine Zigarette anzünden, das Rauchen von Pfeife und Zigarren hingegen nicht. «Das ist doch mal ein origineller Kompromiss», sagt Frick dazu.

Am vergangenen Freitag wurde die Fischerstube-Boulevardtafel offiziell eingeweiht. Zusammen mit Anwohnerinnen und Anwohnern, die sich sehr über «ihren» neuen freundnachbarschaftlichen Aussensitzplatz zu freuen schienen. Eine Nachbarin hatte ein vegetarisches Currygericht für die Anwesenden gekocht, ein anderer brachte eine riesige Wassermelone als Gastgeschenk mit.

Konversation

  1. Die meisten rauchen ja eh Zigaretten, Stumpen- und Pfeiffenraucher begegnet man eher selten.
    Wollte man mit diesem Beschluss die Antiraucher ein wenig besänftigen.

    Meiner Ansicht nach sind die vorbeifahrenden Autos genauso ungesunde Dreckschleudern wie der Zigarettenrauch. An dieses Thema wagt sich ja noch kaum jemand wirklich. So müssen die Raucher zusätzlich stellvertretend für alle anderen Dreckschleudern geradestehen.

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  2. Ein typisch schweizerischer Kompromis, hahaha. Wer raucht den heute noch Stumpen und Pfeife. Das Übel sind immer noch die Raucher. COPD lässt grüssen.

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  3. Merkwürdiger Kompromiss. Seit man drinnen nicht mehr rauchen darf, kann man draussen nicht mehr in Ruhe essen. Dort hat es zu viele Raucher. Die Lösung wird sein, auch draussen das Rauchen zu verbieten. Es ist bald soweit.

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    1. „…und das funktioniert einwandfrei“. Aus der Sicht der Raucher schon. Für mich als überzeugter Nichtraucher macht es keinen Unterschied, ob mich ein Paffer drinnen oder draussen anpafft. Von wegen Verständnis für andere. Einfältig.

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