Gummiboot-Harassenlauf: Sicherheitsdirektoren prüfen militärische Lösung

Fünf Jahre nach dem vermeintlich endgültig letzten Basler Harassenlauf ist der verruchteste Anlass der Schweiz zurück – zu Wasser! Keine Sorge: Die Spitzen der Sicherheits- und Präventionsorgane arbeiten bereits an neuen finalen Gegenstrategien.

Mit Bier in die Birs: Fällt der Harassenlauf-Gedenkanlass wegen massiver Repression ins Wasser? (Bild: Hans-Jörg Walter)

Der Harassenlauf ist zurück, berichtet 20minuten.ch. Aber nicht als Lauf, sondern als Fahrt – als Bootsfahrt auf der Birs, um genau zu sein. Und auch nicht mit Harassen, wenn man es noch genauer nimmt: Die Organisatoren bestehen darauf, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Bier in Büchsen mitbringen und anschreiben. Ausserdem sind – auch das eher Harassenlauf-untypisch – Verkleidungen erwünscht. Und die Sause findet nicht am 1. Mai statt, sondern im August.

Moment. Harassenlauf?

Ins Leben gerufen wurde der legendäre Harassenlauf im Skater- und HC-Untergrund von Reinach und Umgebung. Acht lange Jahre lang blieb er unter dem Radar der Öffentlichkeit. Der Spaziergang (oder für Sportliche: das Rennen) vom Skatepark in Reinach bis zum Hügel in der «Grün 80» – im Schlepptau eine Harasse Bier pro Paar, auszutrinken bis zur Ankunft am Ziel – blieb Geheimtipp im Vor-Facebook-Zeitalter. Erst für eine Handvoll Freunde, dann für ein paar Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dann für einige Hundert.

Das alljährliche 1.-Mai-Ritual tauchte erstmals 2004 in der «Basler Zeitung» auf – in einer Strassenumfrage über 1.-Mai-Pläne. Dann, 2005, schlug die BaZ mit dem vollen Programm zu. «Massenbesäufnis: Behörden machtlos», der Haupttext, und dazu das Interview mit dem «Suchtfachmann»: «Halt, das ist so nicht okay.»

Mehr Teilnehmer, weniger Bier

Der Rest ist Geschichte: Über 450 Artikel – die zahllosen TV- und Radiobeiträge nicht miteingerechnet – sind zum Basler Harassenlauf bis heute erschienen. Beste Werbung für den Anlass: Die Teilnehmerzahlen stiegen ins Unermessliche.

Inhaltlich unterschieden sich all die Berichte aus den Folgejahren kaum je von den allerersten BaZ-Artikeln: Der Harassenlauf sei «Blödsinn», er verursache «hohe Sachschäden» (konkret: Reinigungskosten) – und überhaupt, man müsse ihn «verbieten», doch seien die Behörden «machtlos».

Zudem, auch das ein Dauerthema seit 2005, würde das «Massenbesäufnis» unweigerlich in kollektiven Alkoholismus münden: «Dass sich dort tausend Jugendliche betrinken, ist gravierend», mahnte schon der erste befragte Suchtexperte im Interview. «Hier ist die Prävention gefordert, hier sind wir alle gefordert.»

An Prävention war allerdings niemand interessiert. Sicher nicht die Harassenläufer: Die schweizweite Umstellung von 12er-Harassen auf
10er-Harassen und die damit einhergehende Einführung von 0,5-Liter-Flaschen statt der früher üblichen 0,58-Liter-Flaschen machten die Aufgabe höchstens leichter. Alte Harassenlauf-Hasen führten einfach mehr Extra-Biere mit – oder machten längst etwas anderes: Beliebt sind etwa der Hölschtener Hanflauf, der Sissacher Sugartrail, der Liestaler LSD-Trip oder der Muttenzer Methwalk, um nur einige zu nennen.

Repression um jeden Preis

Die Politik war ebenfalls nur oberflächlich an Prävention interessiert: Man konnte sich so wunderbar wichtig machen mit dem Thema, rein symbolisch. Weil sich viele damit so schön über «die Jungen» und über alles, was sonst noch schief läuft mit dem Land und der Welt, aufregen konnten.

In Tat und Wahrheit hatte die Politik mit Fussballspielen, Jodelfesten und Banntagen schon genug Reinigungsaufgaben, das Geld reichte nicht noch für den grünen Hügel. Aber die Einsatzkräfte, die standen noch zur Verfügung. Also war Repression angesagt.

Und die konnte nicht teuer genug sein: Verbote aller Art wurden diskutiert und durchgesetzt. Am Harassenlauf waren in manchem Jahr mehr Polizisten im Einsatz als bei einer militanten Attacke des Schwarzen Blocks. Im Jahr 2010 war ein Super-Puma-Helikopter des Militärs im Einsatz, um die Bier-Spaziergänger aus der Luft zu überwachen (Kosten für den Steuerzahler allein für diese Massnahme: 37’000 Franken). Im Jahr 2012 wurde gleich die ganze «Grün 80» geschlossen, und die Gemeinden Münchenstein und Reinach haben Alkohol- und Fahrverbotszonen eingerichtet, um ja keine Menschen mit Harassen zuzulassen.

«Operation Birskopf-ab»

Aber nun ist der Harassenlauf – jedenfalls als Böötli-Büchsenbier-Birsfahrt – wieder da. Mit dem ursprünglichen Harassenlauf hat das Unterfangen vom Personal her zwar nichts zu tun, trotzdem ist es laut den Organisatoren als Erinnerung an den Harassenlauf gedacht, wie 20minuten.ch berichtet. «D Birs ab» heisst das Bier-Baden auf Facebook.

Doch aufgepasst: Die Medienberichte haben Präventions- und Sicherheitspolitiker bereits aus dem Sommerloch aufgeschreckt. Wie die TagesWoche aus gut uninformierter Quelle erfahren hat, läuft die «Operation Birskopf-ab» bereits auf Hochtouren – verantwortlich sind die Sicherheitsdirektoren der beiden Halbkantone.

Geplant sei, so die Quelle weiter, dass ein Aufgebot der Baselbieter und Basler Polizei das Vorhaben von allen Seiten – also vom Basler wie vom Baselbieter Birs-Ufer – bekämpft. Ebenfalls aufgeboten werde die Rheinpolizei Basel-Stadt, die sich mit einer Tauch-Truppe um besonders renitente Kampftrinker kümmern soll.

Weil man jegliches Wiederaufleben des Harassenlaufs im Keim ersticken will, haben die Verantwortlichen laut des Insiders bereits wieder beim Bundessicherheitsdienst um Verstärkung gebeten.

Eine definitive Zusicherung stehe zwar noch aus, doch beim VBS stünden die Zeichen auf «klar Schiff»: Denkbar ist neben dem Einsatz von ein bis zwei Super-Pumas die Unterstützung zu Wasser durch Pontonier-Truppen. Schon praktisch sicher sei das Entsenden von ein bis zwei Motorboot-Kompanien. Den 12,7-mm-Bordmaschinengewehren dürfte kein knall-blaues Gummiboot entkommen.

«Auch das noch» – Die TagesWoche-Rubrik fürs Schöne, Schräge und Fiese. Immer mit einem 😉 zu verstehen.

Konversation

  1. Ein Harassenlauf mit Gummiboot ist wirklich sehr „unschlau“. Gerade betrunkene Teen und die schon mehrfach erwähnte Gefahr von Wasserwalzen sind eine sehr ungünstige Kombination. Allerdings bin ich der Gefahr von Wasserwalzen auch erst wirklich bewusst geworden, seit dem ich in der Feuerwehr bin.

    Nehmt lieber wieder die alte Strecke und geht zu Fuss!

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  2. Da gibt’s noch ganz andere Möglichkeiten, ich sag‘ nur „Sperrstelle Grossbasel-Wettsteinbrücke“:
    A2869 Infanteriebunker Letzischanze Ost – 612’460/267’190)
    A2870 Infanteriebunker Letzischanze West – 612’420/267’160)
    A2871 Infanteriebunker Mühleberg – 612’040/267’160)
    A2872 Infanteriebunker Wettsteinbrücke – 611’780/267’240)
    A2873 Infanteriebunker Alte Universität – 611’360/267’580)

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    1. Nein. Es gibt kaum einen Grund, dann die Sicherheitsdirektoren zu beschuldigen. Wer beim Saufen im Gummiboot absäuft, ist in der Regel* selber Schuld.

      *Ausnahmen sind denkbar. Beschuss des Bootes, etwa mit 12,7mm-Mun, wäre z.B. als Fremd-, nicht Eigenverschulden zu kategorisieren.

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    2. Anna, greifen Sie doch die Organisatoren/Ideengeber des Schwachsinns an und nicht Brönnimann. Letzterer schreibt einfach sachlich über ein kommendes Ereignis, während Sie irgendwelche Links posten und wirre Zusammenhänge à la Maschinengewehr erfinden.

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    3. Ich greife Brönnimann an weil er sich, meiner Meinung nach, herablassend über die Abklärungen der Sicherheitsdirektionen auslässt: «Operation Birskopf-ab».
      Und ich poste nicht irgendwelche Links sondern solche welche im Zusammenhang mit Gefährdungen durch solche Bootsfahrten stehen.
      Und zudem greifen Sie bitte Brönnimann und nicht mich wegen des tatsächlich wirren Maschienengewehrbezug an, der kommt von ihm nicht von mir: 12.7mm (https://de.wikipedia.org/wiki/12,7_%C3%97_99_mm_NATO)
      Und zu guter letzt: lesen und verstehen – gaaannnz wichtig….

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