Verkehr frisst den Raum für Parkplätze weg

Die Zahl der Autoparkplätze im öffentlichen Raum nimmt ab. Das liegt auch daran, dass der Verkehr selber immer mehr Raum einnimmt. Kein Wunder, entstehen private Parkplätze vermehrt im Untergrund.

Minus 443 Auto-, plus 1268 Zweiradparkplätze. Gerechnet wird mit einem Platzbedarf von fünf Metern pro Auto, 80 Zentimetern pro Motorrad und 60 Zentimetern je Velo.

Auf Allmend stehen in der Stadt Basel rund 27’500 Auto- und 16’500 Zweiradparkplätze zur Verfügung. Das geht aus dem Parkplatzkataster hervor, den das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) nach 2015 zum zweiten Mal publiziert.

443 Autoparkplätze oder 1,6 Prozent sind demnach in den letzten zwei Jahren verschwunden – vor allem im Interesse des ÖV (Verlängerung des 3er-Trams nach Saint-Louis sowie in der Belforter- und der Hegenheimerstrasse) und zugunsten neuer Wohnungen auf dem Bachgraben-Parkplatz.

Andere Autoparkplätze wurden in Zweiradparkplätze verwandelt. Im Rahmen der Parkraumbewirtschaftung wurden ausserdem 2100 «weisse Parkplätze» der Blauen Zone zugeschlagen und der Gebührenpflicht und Zeitbeschränkung unterstellt. Die Zahl der Velo- und Motorradparkplätze hat im selben Zeitraum um fast 1300 zugenommen.

Weil die Fahrzeuge laufend grösser werden und die Sicherheitsanforderungen erhöht werden, schreibt das BVD in seiner Mitteilung weiter, nehme der Verkehr selber immer mehr Platz ein im öffentlichen Raum. Das verunmögliche nicht nur die Schaffung zusätzlicher, sondern führe auch zum Abbau bestehender Parkplätze auf Allmend.

Insgesamt nehme die Zahl der Parkplätze aber zu, so das BVD. Von 2000 bis 2015 wurden rund 6000 private Parkplätze bewilligt, mehrheitlich in Tiefgaragen. Diese Tendenz werde sich zum Beispiel mit den 200 geplanten Abstellplätzen unter dem Landhof fortsetzen.

https://tageswoche.ch/stadtleben/landhof-quartierparking-deckel-auf-autos-rein-und-deckel-zu/

Konversation

  1. In vollem Bewusstsein, dass dies nicht ganz direkt mit dem Artikel zu tun hat, aber um den Kontext in Erinnerung zu rufen, modifiziere ich den Titel: „Verkehr und Parkplätze fressen Bewegungs- und Kontakträume weg“.

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  2. Das ist wieder Mal eine ganz grosse Milchbüeblirechnung des Deps. Viele Plätze mussten die letzten Jahre den zahlreichen Verkehrsberuhigungs- und Verkehrsbehinderungsmassnahmen weichen, dazu wurden viele Plätze durch Pflanzrabatten ersetzt. Die verbliebenen Plätze werden „bewirtschaftet“ durch unangemessen hohe Parktarife, damit mit den Einnahmen noch mehr Verkehr behindert werden kann.
    Das Erschaffen von kostenpflichtigen Tiefgaragenplätzen mag für Anwohner mit Auto eine Alternative sein, aber für Pendler sowie Auswärtige und Touristen, welche die Stadt besuchen wollen ist sie es definitiv nicht. Basel wird es noch schaffen die letzten verbliebenen Läden aus der Stadt rauszukriegen und dem letzten Restaurant den Saft abzudrehen. Die Konkurrenz endet der Grenze freut dies. Nur wenige km resp einige Fahrminuten ist parkieren kostenlos, die Einkäufe billiger, der Service in Restaurants oft auch besser und freundlicher.

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  3. Ob sich die Tendenz gerade im Wettsteinquartier mit dem geplanten Bau eines Parkings unter dem Landhof fortsetzen wird, wird sich noch zeigen müssen. Es bestehen erhebliche Zweifel der Quartierbewohnerinnen und Quartierbewohner über die Art und Weise wie dieses Projekt an ihnen vorbei durchgeboxt werden soll, ohne dass sie mit einbezogen wurden.
    Das geplante sogenannte Quartierparking wurde im Baurecht an einen privaten Investor vergeben, soll aber gleichzeitig und auf zweifelhafte Art und Weise aus dem Pendlerfonds mit bis zu 1,7 Mio. SFr mitfinanziert werden. Daniel Wiener hat die Posse heute in seiner wie immer lesenswerten Kolumne in der bz Basel „Unsere kleine Stadt“ mit dem Titel „Vier Kurzschlüsse und eine Erkenntnis“ schön dargestellt: https://www.bzbasel.ch/kommentare-bz/vier-kurzschluesse-und-eine-erkenntnis-132207947
    Denn nicht wie sonst üblich werden dann oberirdisch Parkplätze aufgehoben, wenn unterirdisch neue entstehen, wie das Umweltschutzgesetz des Kantons es eigentlich vorschreibt. Nein, per Regierungsratsbeschluss werden gar keine Parkplätze aufgehoben. Es sollen also auf einen Schlag 200 neue Parkplätze im Wettstein entstehen – wenn das nicht ein riesiger Anreiz für noch viel mehr Verkehr ist, zentrumsnah, Roche-nah?
    Man kann sich zu Recht fragen, ob BVD und Regierung gerade dabei sind, sich und uns eigentlich viel mehr Probleme schaffen zu wollen als sie jemals lösen können werden – mit Konzepten, die schon seit Jahrzehnten in den Schubladen vergilbt geglaubt schienen: mehr Fahrzeuge, also mehr Parkplätze, ist doch logisch, oder?
    QuartierbewohnerInnen und Landhof-AnwohnerInnen werden dies allerdings nicht einfach so hinnehmen und haben eine Petition gestartet, die in drei Monaten bereits über 900 Unterzeichnende aufweist: http://www.openpetition.eu/%21landhof

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    1. Was wollt ihr eigentlich?

      Ihr wollt keine ausgebauten Innenhöfe, ihr wollt keine unterirdischen Parkplätze, ihr wollt keine Hochhäuser, ihr wollt die Postfiliale nicht aufgeben, ihr wollt «die grüne Oase Landhof» nicht verlieren. Was wollt ihr denn?

      In Wirklichkeit wollt ihr in eurer Genossenschafts-Gerontokratie in Frieden sterben.

      Das gibt es nicht. Nirgends.

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  4. Könnte das mit den neuen Parkplätzen bald die gleiche Geschichte sein wie mit den neugebauten Wohnungen: Leerstehend, da horrende Mietpreise?

    Vielleicht ist das ja auch so gewollt. Dann kann man da unten nämlich auch bei Regen richtig skateboarden und Pingpong spielen.

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