Götterdämmerung bei Baselworld – oder alles gar nicht so schlimm?

Mit der Swatch Group verliert die Baselworld ihren grössten Aussteller. Was vor einem halben Jahr wohl einer Katastrophe gleichgekommen wäre, spielt die MCH Group heute als Unannehmlichkeit herunter.

Die Aussichten waren schon besser. Dieses Jahr wurde die Baselworld bereits deutlich verkleinert, 2019 fehlt mit Swatch die grösste Ausstellerin.

Es war 2013, als Messe-Schweiz-CEO René Kamm noch vom grenzenlos prosperierenden Messestandort träumte. Von einem neuen Hochhaus, das Hotelzimmer, Wohnungen und unterirdische Parkplätze miteinander vereint. «Wir brauchen Parkplätze – mindestens so viele, wie wir heute haben – und wir brauchen zusätzliche Hotelzimmer. Das hilft, unsere Messen und Kongresse besser zu verkaufen. Und schliesslich braucht die Stadt Wohnraum. Das alles könnte auf diesem Perimeter realisiert werden», sagte Kamm damals gegenüber der «Basler Zeitung».

Es war eine euphorische Zeit für die MCH Group, Kamm konnte an jenem Tag den Messeneubau eröffnen. 22 Monate Bauzeit, 430 Millionen Franken Kosten.

Nick Hayek goutiert den Umgang der MCH Group mit den Ausstellern nicht und zieht die Reissleine.

Fünf Jahre später sieht alles ganz anders aus: Im Herbst 2017 gibt die MCH Group bekannt, dass die Baselworld ab 2018 weniger lang dauert und deutlich weniger Aussteller beherbergt. Noch rund 650 Aussteller sind auf dem Messeplatz vertreten, im Jahr zuvor waren es noch doppelt so viele.

Und nun der nächste Schlag: Nick Hayek sagt gegenüber der NZZ am Sonntag, dass die Swatch Group künftig nicht mehr an der Baselworld teilnehmen werde. Die führende Ausstellerin sagt also Adieu Basel.

Genau das wollte René Kamm um jeden Preis verhindern. Auf die grossen Aussteller setzte die MCH Group zuletzt mit dem Mut der Verzweiflung. Mit diesem führenden Player könne die Messe auch in Zukunft überleben.

12 der 33 Aussteller in der Haupthalle fallen weg

Omega, Longines, Tissot, Calvin Klein, Harry Winston: Dies sind nur einige der Marken unter dem Dach der Swatch Group, die 2019 ihre neusten Uhren- und Schmuckkreationen nicht mehr in Basel ausstellen. In der Halle 1.0 fallen 12 der 33 Aussteller weg. Solche, die mit ihren palastartigen Stand-Tempeln das Bild der Luxusmeile im Messebau prägten.

Wer sich dieser Tage mit dem CEO der MCH Group unterhalten möchte, hat es schwer. Die Unternehmenskommunikation weilt teilweise in den Ferien, teilweise scheint sie das Telefon zu scheuen. Auskunft gibt es nur per E-Mail. Dort äussert man sich optimistisch. Obwohl das Unternehmen zugeben muss, dass der Rückzieher der Swatch-Gruppe eine Überraschung war:

Diese Entscheidung kommt für die Baselworld überaus überraschend, da die Swatch Group ihre Teilnahme bereits definitiv zugesagt hatte.

Auch wenn sich jetzt der grösste Aussteller mit mehreren der bedeutendsten Marken von der Uhren- und Schmuckmesse verabschiedet, sei dies nicht der Untergang der Messe, beschwichtigt die Veranstalterin:

Die Swatch Group ist ein bedeutender Player im Markt, keine Frage. Die Baselworld versammelt aber noch weitere hochattraktive Marken, die eine Vielzahl internationaler Retailer anziehen. Die Unternehmen, die an der Baselworld 2019 ausstellen werden, repräsentieren sowohl in Wert als auch in Volumen weiterhin die Mehrheit der Schweizer Uhrenexporte. Hinzu kommen die bedeutendsten Vertreter der internationalen Schmuck-, Diamanten- und Edelsteinbranche.

Was vor einem halben Jahr also noch einem Super-GAU gleichgekommen wäre, ist jetzt mühelos verkraftbar. Beinahe mantramässig erwähnt die MCH Group ihre Transformationsbemühungen, für die man in engem Austausch mit allen Ausstellern stehe. In einer Medienmitteilung kündigt die Veranstalterin ausserdem an, mittels Partnerhotels ein «vernünftiges Preisniveau» garantieren zu können. Die Preispolitik von Messe und Hotellerie war einer der grossen Kritikpunkte, die nicht nur Nick Hayek angesprochen hatte.

Alles halb so schlimm also? Die Messe-Verantwortlichen geben sich nach wie vor «sehr zuversichtlich», was die Ausgabe 2019 angeht:

«Es werden jetzt Flächen frei, die das Baselworld-Team neu vermarkten und neu planen kann, wir sind sehr zuversichtlich, dass wir hier attraktive neue Lösungen finden, um die Baselworld 2019 zu einem Erfolg und einem Erlebnis für alle Beteiligten zu machen. Die Transformation der Baselworld von einer Order- zu einer attraktiven Marketing-, Kommunikations- und Eventplattform treiben wir mit Hochdruck weiter voran. Es werden zahlreiche neue Formate und Ideen präsentiert und implementiert, die wir in engem Austausch mit den Ausstellern entwickelt haben und die bisher auf ein positives Feedback gestossen sind. Wir sind von unserem Konzept überzeugt und werden es gemeinsam mit den anderen Keyplayern der Branche umsetzen.»

Konkret soll es künftig eine Internetplattform geben, auf der alle Aussteller das ganze Jahr über ihre Produkte präsentieren können. Ob das ausreichen wird, um weitere Branchengrössen wie Hublot oder Rolex an die Messe zu binden? Innovation klingt anders.

https://tageswoche.ch/wirtschaft/verkehrte-welt-reden-messe-und-kanton-das-baselworld-fiasko-schoen

Konversation

  1. Diese Meldung ist das Basler Sommer-Fiasko schlechthin. Nicht schön zu reden. Nur – hat nicht Herr Hayek die Messe selbst soweit getrieben, dass sie ihm jetzt nicht mehr passt. Seine Paläste in der Messe wurden so gross und teuer, dass er sie lieber das ganze Jahr durch stehen liess. Und wer war auch massgebend für den Entscheid, die Chinesen nicht mehr als Aussteller einzuladen?
    Die Basler Messe wurde auch zur Messe Schweiz. Synergien! Wieder wandert ein Stück Basel nach Zürich. Wie schon in der Webebranche, des Bankenwesens, der Fluggesellschaften,…
    Leider ist für solche Sachen niemand verantwortlich. Da bleibt doch nur das Schönreden.

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