Mülhauserstrasse 26: Nach Totalsanierung sind die Mietpreise «jenseits von Gut und Böse»

Vor zwei Jahren sorgte die Massenkündigung an der Mülhauserstrasse 26 durch Immobilien Basel-Stadt für Furore. Nun sind die Wohnungen saniert und zur Vermietung ausgeschrieben. Der Mieterverband hält die Mietzinsen für Wucher. 

Die Mieter Eliette Pillonel, Urs Wiget und Margrit Benninger dürfen in die renovierte Liegenschaft Mülhauserstrasse 26 zurück. (Bild: Immobilien Basel-Stadt, Hans-Jörg Walter / Montage: Nils Fisch)

Margrit Benninger sitzt in ihrer provisorischen Wohnung an der Kleinbasler Mörsbergerstrasse und zählt die Tage, bis sie wieder ins St. Johann darf. «Ich freue mich sehr, bald wieder in meinem gewohnten Umfeld zu sein», sagt die 93-Jährige. In rund zwei Monaten ist es soweit, dann wird Benninger ihre Zügelkisten packen und an den Ort zurückkehren, der ihr zuletzt viele schlaflose Nächte beschert hat.

Seit 15 Monaten wohnt Benninger im Kleinbasel. Widerwillig. Vor zwei Jahren erhielt sie gemeinsam mit 21 weiteren Mietparteien an der Mülhauserstrasse 26 die Kündigung. Dies, weil die staatliche Liegenschaftsverwalterin Immobilien Basel-Stadt das Haus totalsanieren wollte, um mehr Rendite zu erzielen.

Mieterverband fühlt sich bestätigt

Der Widerstand von Margrit Benninger, Eliette Pillonel und Urs Wiget gegen die Massenkündigung sorgte landesweit für SchlagzeilenDie Bewohner reichten unter Federführung des Mieterverbandes Basel-Stadt Klage gegen die Kündigung ein – mit Erfolg. Die staatliche Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten gewährte den drei Mietparteien eine Fristerstreckung. Anschliessend einigten sich die Mieter mit Immobilien Basel-Stadt darauf, dass sie während der Sanierung in eine andere Liegenschaft umziehen und danach wieder in das Haus zurückkehren dürfen.

Mittlerweile ist die Totalsanierung der Liegenschaft an der Mülhauserstrasse 26 abgeschlosen. Anfang Dezember werden die 22 Mietparteien die Wohnungen beziehen. In ihren Inseraten wirbt die staatliche Liegenschaftsverwalterin mit «Landhausdielen aus Eiche in den Küchen sowie allen Wohn- und Schlafbereichen und edlen Keramikplatten in den Nasszellen». Zudem würden die Kücheneinrichtungen mit «hochwertigen Elektroeinbaugeräten von V-ZUG sowie schönen Natursteinarbeitsflächen» überzeugen.

Dieser Luxus hat seinen Preis: Eine 2-Zimmerwohnung im 1. Stock (55 Quadratmeter) kostet 1610 Franken inklusive Nebenkosten. Für eine 3-Zimmerwohnung (80 Quadratmeter) verlangt die staatliche Liegenschaftsbesitzerin 2170 Franken und für eine 4-Zimmerwohnung im Erdgeschoss (102 Quadratmeter) stolze 2780 Franken.

Beat Leuthardt, Co-Geschäftsleiter des Mieterverbandes, kann über den Mietzins von Immobilien Basel-Stadt an der Mülhauserstrasse 26 nur den Kopf schütteln. «Das ist jenseits von Gut und Böse und bestätigt unsere damaligen Befürchtungen, dass Immobilien Basel-Stadt auf dem Buckel der Mieterinnen und Mietern hohe Gewinne machen will – die Sanierung diente dabei nur als Vorwand.»

Die Bevölkerung habe mit der Annahme der vier Wohninitiativen am 10. Juni zum Ausdruck gebracht, dass sie genau solche Luxussanierungen nicht toleriere. «Eine solche Sanierung wäre gar nicht erst möglich gewesen, wenn die Umsetzung der Initiativen schon in Kraft wäre», sagt Leuthardt.

Note 3 von Comparis

Bei Immobilien Basel-Stadt weist man die Kritik entschieden zurück. Sprecherin Barbara Neidhart schreibt:

Nach 40 Jahren Nutzung war – trotz ordentlichen Unterhalts während aller Jahre – die Totalsanierung unumgänglich. Immobilien Basel-Stadt hat verschiedene Analysen und Studien durchgeführt und nicht ein Luxusprojekt, sondern ein Sanierungsprojekt ausgearbeitet, welches sicherstellt, dass die neuen Wohnungen für die kommenden 30 bis 40 Jahre wieder den Anforderungen der Gesellschaft entsprechen. Aufgrund des treuhänderischen Mandats sind sowohl die PKBS (Eigentümerin) als auch Immobilien Basel-Stadt allen Versicherten der Pensionskasse verpflichtet und müssen bei Sanierungen die langfristigen Interessen und Ansprüche mitberücksichtigen. Die Wohnungen sind nach der Sanierung neuwertig und werden zu Marktpreisen vermietet.»

Der Vergleichsdienst Comparis sieht das anders. Er gibt den ausgeschriebenen Wohnungen von Immobilien Basel-Stadt an der Mülhauserstrasse 26 die ungenügende Note 3. Die Comparis-Note bewertet die preisliche Attraktivität von Immobilien im Vergleich zum durchschnittlichen Richtpreis. Berücksichtigt werden unter anderem Kriterien wie Standort, Wohnfläche oder Balkon. Allerdings findet ein besonderer Ausbaustandard in der Note von Comparis keine Beachtung.

Margrit Benninger ist das alles ziemlich egal. Sie wird eine 2-Zimmerwohnung im sechsten Stock beziehen und aufgrund der Einigung mit Immobilien Basel-Stadt weniger als 1610 Franken für ihre Loge hinblättern müssen. Wie viel weniger, will sie nicht verraten. Nachfragen zeigen aber, dass es sich um rund 400 Franken handeln dürfte. «Die Wohnungen sind schön geworden. Aber ich könnte mir den Mietzins von 1610 Franken nicht leisten, das ist viel zu teuer für mich», so Benninger.

Bevor die 93-Jährige die Kündigung erhielt, zahlte sie rund 1000 Franken Miete – für eine 3,5-Zimmer-Wohnung. «Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, dass wir Widerstand geleistet haben. Aber in meinem hohen Alter nochmals umziehen zu müssen, ist eine enorme Belastung.»

Konversation

  1. Die Differenz rsp. der Mitpreis welcher die Frau rsp die EL bezahlt dürfte in etwa der Höchstbetrag sein welche die EL zahlt. Wie hoch ist der schon wieder? Und wie hoch wird der wann werden, wurde doch in Bern beschlossen?

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  2. Das sind ja stattliche Preise. Allerdings steigen alle Preise – Krankenkasse, Benzin, Nahrungsmittel, Strom … wieso sollen dann Mieten billiger werden , vorallem wenn da Geld investiert wird in Erneuerungen. Das die Dame runter handeln konnte spricht doch für Fairness.

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  3. Ob da der Vermieter bei manchen Mietern nur den Umzug in Richtung Hörnli abwartet, um danach wieder freie Hand zu haben?

    Geräte von Zug mögen patriotisch sein, aber Miele bietet sicher zu günstigerem Preis etwa die gleiche Qualität.
    … und wenn die Geräte nur halb so teuer sind, dürfen sie auch doppelt so schnell kaputt gehen.

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    1. Neue Dunstabzugshaube von AEG: Pfusch. Schalter Wackelkontakt und Kanten Rasiermesserscharf. Chefkontrolleur hat palavert anstatt kontrolliert. Kühlschrank auch AEG: Metallabdeckungen seitenfächer fehlen z.T. auch messerscharf. Und anderer Pfusch!

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