Game of Thrones: Die Krönung für Dürr oder Wessels?

Noch hat sich keiner offiziell für die Nachfolge ums Regierungspräsidium entschieden, dennoch werden bereits Namen herumgereicht. Wir haben die Wichtigsten aufgelistet und mit einer Einschätzung versehen.

Wer wird der nächste Basler Regierungspräsident? Das Rennen um die Nachfolge von Guy Morin ist eröffnet.

Noch hat sich keiner offiziell für die Nachfolge ums Regierungspräsidium entschieden, dennoch werden bereits Namen herumgereicht. Wir haben die Wichtigsten aufgelistet und mit einer Einschätzung versehen.

Die Schlacht möge beginnen. Mit dem Verzicht auf eine Wiederwahl stellt Guy Morin das Präsidialdepartement zur Verfügung. Es ist das einzige Basler Departement von sieben, dessen Vorsteher direkt vom Volk gewählt wird. Das macht die Thronfolge umso spannender.

Die Kandidaten müssen dafür erst in die Regierung gewählt werden. Erst damit qualifizieren sie sich für die Wahl ins Präsidialdepartement. Alle anderen Departemente verteilt die neue Regierung selbst an ihrer ersten, konstituierenden Sitzung.

Bisherige klar im Vorteil

Der Wahlmodus erhöht die Aussichten für einen der Magistraten beträchtlich. Sie verfügen bereits über Regierungserfahrung und damit auch über den Bisherigen-Bonus. Sprich: Es ist wahrscheinlicher, dass ein Bisheriger ins Präsidium gewählt wird als dass er abgewählt würde.

Bislang hat sich noch kein Kandidat offiziell für die direkte Nachfolge Morins zur Verfügung gestellt. Erste Namen von potentiell Interessierten werden aber bereits herumgereicht. Wir haben für Sie eine Übersicht erstellt.

Baschi DürrHans-Peter WesselsLukas EngelbergerEine Grüne oder ein GrünerConradin Cramer

 

1. Baschi Dürr, Sicherheitsdirektor. FDP.

Der Basler Polizeidirektor Baschi Dürr.

Der Basler Polizeidirektor Baschi Dürr. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Baschi Dürr forderte Guy Morin bereits 2012 heraus, indem er direkt gegen den Vorsteher des Präsidialdepartements antrat. Dürr wurde tatsächlich in die Regierung gewählt, bei den Präsidiumswahlen unterlag er allerdings dem Bisherigen Guy Morin. Dürr hat damit Erfahrung im Wahlkampf ums Präsidium. Und seine Ambitionen auf höhere politische Weihen dürften die vergangenen vier Jahre im Justiz- und Sicherheitsdepartement nicht geschmälert haben.

Einschätzung: Sollte sich Dürr entscheiden anzutreten, sind seine Chancen intakt. Als Sicherheitsdirektor stand er allerdings in der Kritik. Er wird seine Glaubhaftigkeit für den Posten als Gesicht des politischen Basel im Wahlkampf unter Beweis stellen müssen. Dürr wird von TagesWoche, «Basler Zeitung» und «Basellandschaftlicher Zeitung» gleichermassen als möglicher Kandidat genannt. Auch verwaltungsintern wird sein Name bereits herumgereicht. Dürr selbst will sich noch entscheiden, ob er es auch wirklich tut.

2. Hans-Peter Wessels, Baudirektor. SP.

Viel Feind, viel Ehr: Hans-Peter Wessels dürfte zu einem wichtigen Sujet der kommenden Fasnacht werden. Und er freut sich darüber: «Das ist eine grosse Ehre.»

Der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels. (Bild: Hans-Joerg Walter)

Baudirektor Hans-Peter Wessels ist als Regierungsrat fast schon ein Original. Sein kerniges Lachen, sein oft jovialer Umgangston und der sympathische Auftritt kommen ihm bereits im Baudepartement entgegen. Wessels ist vom bisherigen SP-Trio mit Eva Herzog (Finanzdepartement) und Christoph Brutschin (Departement für Wirtschaft, Soziales, Umwelt) der dynamischste Regierungsrat. Allerdings hat er sich als Baudirektor etabliert. Würde er sich fürs Rennen ums Präsidialdepartement entscheiden und sogar gewinnen, würde das einflussreiche Bau- und Verkehrsdepartement frei und bei der Neuverteilung allenfalls in bürgerliche Hände fallen. 

Einschätzung: Wenn einer von der SP, dann Wessels. Auch bei der «Basler Zeitung» und bei der «Basellandschaftlichen Zeitung» geistert sein Name durch die Spalten. Wessels hat als erfahrener Regierungsrat das Potenzial zur Integrationsfigur. Und bei der Stadtentwicklung mischt er durch seine tägliche Arbeit ohnehin schon mit: Das Planungsamt sowie die bauliche Ausführung unterstehen seiner Direktion. Er wäre ein starker Gegner für eine bürgerliche Kandidatur. Noch stärker wäre Finanzdirektorin Eva Herzog, die jetzt schon eine entscheidende Rolle in der Regierung innehat. Allerdings wäre es verfehlt, die Schlüsselstelle des Finanzdepartements für die Wahl ins Präsidialdepartement leichtfertig aus den Händen zu geben.

3. Lukas Engelberger, Gesundheitsdepartement. CVP.

Lukas Engelberger, seit 2014 Basler Gesundheitsdirektor.

Lukas Engelberger, seit 2014 Basler Gesundheitsdirektor. (Bild: Hans-Joerg Walter)

Neo-Regierungsrat Lukas Engelberger wird von den Kommentatoren ebenfalls als bürgerlicher Thronfolger Morins gehandelt. Engelberger ist allerdings erst seit Kurzem im Amt und hat noch weniger Erfahrung als Dürr. Seit der Auslagerung der Spitäler ist es im Gesundheitsdepartement ruhiger geworden. Für Engelberger eine bequeme Ausgangslage: Er ist noch jung, hat nach aussen hin die Geschäfte seines Departements im Griff und muss sich nicht als Präsidiumskandidat drängen lassen. 

Einschätzung: Kann, aber muss nicht. Würden die Bürgerlichen voll auf Engelberger setzen, laufen sie Gefahr, den Mann zu verheizen. Die Tätigkeit im Gesundheitsdepartement verspricht in der Regel eine lange Regierungszeit. Da müsste schon eine weitere Honoraraffäre ans Licht kommen, um eine Karriere wie die seines Vorgängers Carlo Conti zu beenden. Träte der noch frische Regierungsrat gegen den Veteranen Wessels an, seine Chancen sähen nicht gerade rosig aus.

4. Eine Grüne oder ein Grüner.

Für das Amtsjahr 2015/16 posierte Elisabeth Ackermann (Grünes Bündnis) als Präsidentin des Grossen Rates im Hof des Basler Rathauses.

Für das Amtsjahr 2015/16 posierte Elisabeth Ackermann (Grünes Bündnis) als Präsidentin des Grossen Rates im Hof des Basler Rathauses. (Bild: Georgios Kefalas)

Die Grünen wollen den Sitz von Guy Morin halten. Bereits gestern fielen Namen wie alt Grossratspräsidentin Elisabeth Ackermann oder Michael Wüthrich, Präsident der Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (er hat im Interview mit der BaZ bereits Interesse bekundet, nachzulesen hier: «Rot-Grün macht zu wenig aus seiner Mehrheit»). Hinzu kommt Thomas Grossenbacher, seit elf Jahren im Grossen Rat. Sie sind die Spitzenreiter unter den genannten Namen. Die Grünen haben eine Findungskommission einberufen, die laut «Basler Zeitung» im März Resultate präsentieren will.

Einschätzung: Für die Grünen ist es eine schwierige Ausgangslage. Erst müssen sie den neuen Namen in die Regierung bringen und dann auch noch zum Sieg bei den Präsidiumswahlen führen, um Guy Morin eins zu eins zu ersetzen. Eine schwierige Aufgabe, zumal die bislang genannten Namen zwar allesamt dem Basler Polit-Establishment entstammen, aber weitgehend als Legislativpolitiker aufgetreten sind. Alle Genannten werden ihre Qualitäten für ein Exekutivamt erst noch unter Beweis stellen müssen. Und: Die Grünen müssen bei den Wahlen klar auf die Hilfe der wählerstarken Basler SP zählen können.

5. Conradin Cramer, Grossrat. LDP.

Conradin Cramer wurde fürs Amtsjahr 2013/2014 mit 90 von 98 Stimmen zum höchsten Basler gewählt.

Conradin Cramer wurde fürs Amtsjahr 2013/2014 mit 90 von 98 Stimmen zum höchsten Basler gewählt. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Der junge Grossrat hat bereits das Grossratspräsidium hinter sich und wird nicht nur im bürgerlichen Lager breit akzeptiert. Es ist allerdings noch nicht einmal sicher, ob Cramer überhaupt zu den Regierungsratswahlen antritt. Klar ist, dass die Bürgerlichen für den ebenfalls abtretenden Erziehungsdirektor Christoph Eymann (LDP) aber einen mehrheitsfähigen Kandidaten vom Format Cramers lancieren müssen. 

Einschätzung: Für ihn gilt dasselbe, wie für jeden neu Antretenden. Erst muss er den Sprung in die Regierung schaffen. Gleich beim ersten Versuch aufs Präsidialdepartement zu zielen, wäre äusserst wagemutig. So hoch hatte nur Baschi Dürr 2012 gepokert. Er unterlag dennoch. Sollte sich einer der zwei bisherigen bürgerlichen Regierungsräte für den Wahlkampf ums Präsidium entscheiden, wäre jeder zweite bürgerliche Kandidat daneben kontraproduktiv.

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Konversation

  1. Klar, Cramer ist meiner Meinung nach wählbar, keine Diskussion.

    Aber ich habe mir folgende Überlegungen gemacht:

    – Mit von Falkenstein könnte die „bürgerliche Frauenfrage“ fürs Erste gelöst werden.
    – Crameri ist eine Option für einen Angriffskandidaten bei einem besagtem Rücktritt, wobei ich nicht unbeidngt glaube, dass die LDP 2 RRs stellen kann und will?
    – Ich denke eher, dass von Falökenstein für den RR kandidiert, Crameri Fraktionsführer wird und bei einem allfälligen Rücktritt von Eymann aus dem NR nachrutscht und dort seine ersten „grösseren“ Sporen abverdient und nach einem Rücktritt von von Falkenstein dann antritt. So hätte die LDP noch möglichst lange „etwas“ von ihrem Zugpferd Cramer.

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    1. 1. Wahr: Die Frauenfrage steht bei den Bürgerlichen nach wie vor im Raum. Von Falkenstein ist klar eine Option. Allerdings würde ein Cramer in der Exekutive der leicht angestaubten Partei ein zukunftsfähiges Gesicht geben. Was überfällig ist.
      2. Zwei LDP-Regierungsräte wären angesichts der Parteigrösse tatsächlich einer zu viel. Ein Grund mehr, Cramer bereits jetzt zu lancieren.
      3. Denn Eymann wird als Frischgewählter noch eine Weile im Nationalrat bleiben. Zu lange sollte die Partei Cramer daher nicht warmhalten. Jetzt ist er noch frisch. Absprünge aus privaten oder beruflichen Gründen sind ein Risiko; auch Zugpferde werden müde. Siehe Mirjam Ballmer. Und wer ist schon gerne auf ewig der Hoffnungsträger…

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    2. Wobei bei Balmer muss ich mich fragen, wollte sie überhaupt RR werden? Weil nach der knapp gescheiterten Wahl in den NR war es ihr doch sicher bekannt oder man konnte es ahnen, dass die Grünen jemand bräuchten für den RR.

      Insofern sehe ich es nicht ganz so, dass Frau Balmer als „ewige Hoffnungsträgerin“ verheizt wurde.

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    3. Zu ahnen war das durchaus. Ballmers Wegzug zeigt einzig, dass auch in Basel nicht auf ewig mit Hoffnungsträgern bzw. Leuten mit grossem Potenzial gerechnet werden kann. Irgendwann funkt dann eben doch das Leben dazwischen.

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  2. Ich denke nach wie vor, die LDP wird Cramer nicht schon jetzt verheizen, sondern es wird Patricia von Falkenstein nominiert.

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    1. Angesichts seiner aktuellen Auftritte in der Öffentlichkeit wäre Conradin Cramer auf jeden Fall die frischere Option der LDP, deshalb auch das Medieninteresse. Es stimmt aber: Denkbar ist durchaus, dass sich z.B. erst einmal Parteipräsidentin Patricia von Falkenstein nominieren lässt und Cramers Kandidatur für eine Ersatzwahl aufgespart wird (z.B. wenn Eva Herzog während der Legislatur zurücktreten sollte). Cramer wäre allerdings jetzt schon wählbar.

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