Zank um Lysbüchel-Areal: Wirtschaftsverbände wollen keine Wohnungen

Die Basler Wirtschaftsverbände bekämpfen das SBB-Wohnungsprojekt: Sie wehren sich gegen eine Umzonung des nördlichen Lysbüchel, da sie eine weitere Verdrängung des Gewerbes befürchten.

Noch dominiert die Recycling-Firma Schmoll das Bild im nördlichen Teil des Lysbüchel-Areals. Die Wirtschaftsverbände befürchten jedoch, dass das Gewerbe vertrieben wird, falls die SBB hier Wohnungen baut.

(Bild: Michel Schultheiss)

Der Gewerbeverband und die Handelskammer möchten die Wirtschaftsfläche auf dem Lysbüchel-Areal erhalten und eventuell mit Werkhallen weiter verdichten. Die geplante Mischnutzung der Eigentümerin SBB ist ihnen dabei ein Dorn im Auge, da neue Wohnungen wohl das Ende des lauten Gewerbes bedeuten.

Noch kann hier gelärmt werden: Tagsüber rattert und rumpelt es im Recyclingbetrieb Schmoll AG wie auch im Korridor der Lysbüchelstrasse mit den kleineren Werkstätten. Die Tage der Gewerbler auf dem Areal im Norden des St. Johann-Quartiers sind jedoch gezählt – mehrere von ihnen wehren sich seit rund einem Jahr gegen die Kündigungen durch die Eigentümerin SBB.

Nun gehen der Gewerbeverband Basel-Stadt und die Handelskammer beider Basel in die Offensive: Sie fordern nicht nur den Erhalt, sondern auch eine Weiterentwicklung und Verdichtung des Industrieareals. Eine Möglichkeit wäre etwa der Bau von Werkhallen für neue Betriebe.

Wirtschaftsverbände versus SBB: Widerstand gegen Umzonung

Dabei sind die Eigentumsverhältnisse auf dem Lysbüchel zu beachten: Der Kuchen ist zwischen dem Kanton, der Stiftung Habitat und den SBB aufgeteilt. Im Süden plant Habitat neuen Wohnraum, was aus der Sicht der Wirtschaftsverbände nachvollziehbar ist. Ihnen ist jedoch die mögliche Entwicklung im nördlichen Teil des Geländes ein Dorn im Auge: Sie fordern den Verbleib in der Zone 7 für Industrie und Gewerbe auf dem gesamten Areal der SBB und Immobilien Basel-Stadt (IBS).

Der Kanton prüft auf seinem Gebiet – wo sich einst die Coop-Verteilzentrale befand – unter anderem den Standort für ein neues Primarschulhaus. Die Wirtschaftsverbände würden auf dem IBS-Areal am liebsten stilles Gewerbe, Parkplätze sowie Nachtleben und Kultur sehen.



Ein «rotes Tuch» im Lybüchel-Areal: Ginge es nach den Wirtschaftsverbänden, so müsste der nördliche Teil des Geländes (rot) dem Gewerbe zur Verfügung stehen – zum Beispiel mit Werkhallen. Die Eigentümerin SBB peilt jedoch eine Mischnutzung an.

Ein «rotes Tuch» im Lybüchel-Areal: Ginge es nach den Wirtschaftsverbänden, so müsste der nördliche Teil des Geländes (rot) dem Gewerbe zur Verfügung stehen – zum Beispiel mit Werkhallen. Die Eigentümerin SBB peilt jedoch eine Mischnutzung an. (Bild: Gewerbeverband Basel-Stadt)

Ihr Fokus liegt aber vor allem auf der vorgesehen Mischnutzung im 70’000 Quadratmeter umfassenden Gebiet der SBB. «Diese Parzelle ist der Hauptzankapfel für die künftige Entwicklung des Areals», sagt Martin Dätwyler, stellvertretender Direktor der Handelskammer beider Basel. Da die Eigentümerin dort Wohnungen bauen möchte, befürchtet er eine weitere Verdrängung des Gewerbes: «Dem schleichenden Rückgang der Wirtschaftsflächen in Basel möchten wir Einhalt gebieten».

Angst vor einer «Piranha-Zone»

«Verdichten statt verdrängen» – dies fordert auch Gabriel Barell, Direktor des Gewerbeverbandes Basel-Stadt. Dabei weist er darauf hin, dass das Lysbüchel Bestandteil eines «Werkgürtels» sei. Damit meint er den ganzen industriell genutzten Streifen, der sich über den Novartis-Campus, das Bell-Areal, die Brenntag AG bis hin zur Kehrichtsverbrennungsanlage erstreckt. Im Vorhaben der SBB sieht er daher eine Art Spaltpilz mitten in diesem zusammenhängenden Industriegebiet.

Zwar begrüssen es die Wirtschaftsverbände, dass an der Nordspitze ein Gewerbehaus geplant ist, gleichzeitig sehen sie im Mischnutzungsprojekt auf dem Lysbüchel reichlich Konfliktpotenzial. «Das könnte eine Piranhazone geben», sagt Barell. Damit bezieht er sich auf die erfahrungsgemäss geringe Toleranzschwelle der Neuzuzüger gegenüber dem lauten Gewerbe.



Gewerbeverband und Handelskammer fordern, dass das Lysbüchel-Areal auch weiterhin nahtlos im Basler «Werkgürtel» eingebettet bleibt. Nach ihren Vorstellungen müsste eine künftige Nutzung so aussehen.

Gewerbeverband und Handelskammer fordern, dass das Lysbüchel-Areal auch weiterhin nahtlos im Basler «Werkgürtel» eingebettet bleibt. Nach ihren Vorstellungen müsste eine künftige Nutzung so aussehen. (Bild: Gewerbeverband Basel-Stadt)

Kritik an der stiefmütterlichen Behandlung des Gewerbes

Zudem verweist Barell darauf, dass für die nächste Zeit genug Wohnraum geschaffen wird oder geplant ist. Als Beispiele nennt er Erlenmatt, Felix-Platter-Areal, Volta Ost und Dreispitz. Industrie- und Gewerbebetriebe könnten hingegen praktisch nirgends mehr unterkommen: Nach Angaben der Wirtschaftsverbände sind die leerstehenden Gewerbeflächen um rund zwei Drittel geschrumpft.

Diese möchten daher die Gewerbezone nicht nur erhalten, sondern auch effizienter nutzen: Auf einer Visualisierung ist zu sehen, wie sie sich das Lysbüchel der Zukunft vorstellen. Die dort eingezeichneten grossen Werkhallen sind aber nur schematisch: Es geht darum zu zeigen, was auf dem Areal möglich wäre, sprich Gebäude mit bis zu vierzig Metern Höhe.

Diese Wünsche stützen sich unter anderem auf eine Studie, die der ehemalige FHNW-Student Olivier Sangalli im Auftrag des Gewerbeverbandes erstellt hat. Dabei hat er die einzelnen Unternehmen auf dem Areal befragt. Sein Fazit ist, dass Bedarf nach bezahlbarer Gewerbefläche, Toleranz bei Lärm- und Geruchsemissionen und langfristige Planbarkeit vorhanden ist. Das ist momentan nicht erfüllt: Für die Schmoll AG und die Säulikantine etwa, laufen die Verträge ungefähr im Jahr 2021 aus.

Unterstützung erhalten die Wirtschaftsverbände von der GLP-Grossrätin Martina Bernasconi. Sie wirft die Frage auf, wie nachhaltig es ist, wenn das Gewerbe aufs Land abwandert. Die Frage um die künftige Entwicklung des Lysbüchel-Areals ist aber noch nicht im Rathaus angelangt: Der Bebauungsplan von Kanton und SBB steht noch aus.

Konversation

  1. Ich muss zugeben: So auf den ersten Blick scheinen die Überlegungen von Gewerbeverband und Handelskammer überraschenderweise für einmal gar nicht so völlig daneben.

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  2. Mhmm… Geht mal nach Zuerich und fragt euch dann ob dass wirklich eine Entwicklung ist die wuenschenswert ist…. Ohne Gewerbe (auch Lautes) ist eine Stadt keine Stadt mehr…

    Es kann nicht nur stilles Gewerbe, Parkplätze sowie Nachtleben und Kultur (die dann natuerlich auch still sein muessen) geben…. Die Mischung machts…. und wie gesagt – geht mal nach Zuerich und schaut euch diese tollen Zonen (besonders von der SBB gepusht) an…. (zb. Europaallee, Vulkanplatz, die Hohlstrasse)

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