«Wir sind vielleicht zwischendurch eine Weltstadt», sagt der Musikchef der Kaserne

Sandro Bernasconi redet über das neue Herbstprogramm, die schädliche Gratiskultur der Stadt Basel, lästige Lärmklagen und seine ungestillte Leidenschaft für Musik.

«Es kommt noch einiges, das noch nicht auf dem Programm ist.» Sandro Bernasconi hat nur wenig Zeit für eine Kaffeepause. (Bild: Nils Fisch)

Sandro Bernasconi, Ihr Konzertprogramm startet am Freitag mit dem Auftritt von Bit-Tuner nach der Verleihung des Schweizer Musikpreises. Das Preisgeld von 100’000 Franken für Sophie Hunger sorgte letztes Jahr für grossen Aufruhr. Bewegt Musik heute nur noch, wenn es um Geld oder Lärm geht?

Ich hoffe nicht. Ich bin auch weiterhin überzeugt, dass jeder Künstler Verantwortung trägt – egal ob Musiker, Schriftsteller oder Schauspieler. Das ist vielleicht eine romantische Vorstellung. Aber gerade in unserer digitalen Zeit, wo wir vor lauter Stress kaum mehr Zeit finden, uns selbst Gedanken zu machen, ist es wichtig, wenn Musiker Stellung beziehen und Menschen zum Denken animieren.

An wen denken Sie da beim Herbstprogramm?

Nun, die ganzen Artisten bei der «Step It Up»-Reihe predigen Unity und dass es nicht nur um kapitalistische Ziele geht. Yasmin Hamdan aus Beirut hat eine klare kosmopolitische Message. Bilderbuch haben beim Open Air auf der Bühne mit Augenzwinker-Philosophie ihren Song «Sneakers for free» gespielt und dann gefordert: Wenn schon, dann auch Drinks for free. Ob das wirklich cool ist, müssten vielleicht mal Basler Musiker thematisieren.

https://tageswoche.ch/kultur/frisch-zeitlos-legendaer-die-konzerte-der-kaserne-im-herbst/

Genau die fehlen im aktuellen Programm, bis auf James Gruntz und ein Benefizkonzert mit Black Tiger.

Hmm, stimmt. Aber da kommen noch einige dazu, die noch nicht im Programm sind.

Behaupten Sie das nun einfach?

Nein! Es kommt noch einiges, das noch nicht auf dem Programm ist, vom Frauenmusik-Festival «Les Créatives» aus der Romandie mit Basler Beteiligung bis zum Tourabschluss einer international nicht unbekannten Singer/Songwriter-Band.

«Unser Auftrag ist es, Bands zu buchen, die sonst keiner in Basel buchen kann.»

Also Serafyn.

Genau. Ausserdem werden sicher noch ein paar Bands als Support für internationale Acts wie Triggerfinger oder andere spielen. Unser Auftrag ist es, Bands zu buchen, die sonst keiner in Basel buchen kann. Nun, wo die Grundpfeiler stehen, muss ich mich wieder mehr um Basler Bands kümmern.

Wie schätzen Sie denn die Entwicklung der Basler Szene ein?

Es findet eine Professionalisierung statt, von Bands und vom Umfeld. Auch aufgrund von internationalen Erfahrungen, welche die neu entstandenen Labels in den letzten Jahren gemacht haben und nun an ihre Musiker weitergeben. Und dank Anstrengungen des RFV Basel, der Bands von erfahrenen Leuten wie David Burger oder Jennifer Jans coachen lässt.

Basel fehlt es momentan an Kapazität bei den mittleren Bühnen. Nun wäre doch der Moment, sich als Kaserne noch stärker als Zentrum für Live-Musik zu positionieren und zusätzlich zu Reithalle und Rossstall die Bar-Bühne mehr zu bespielen…

Wir haben es probiert. Aber der Barraum ist so vielseitig genutzt – als Bar, Foyer, für Apéros, After-Partys oder Lesungen –, da konnten wir keine Konzertanlage fix installiert lassen. Auch bekam ich von Bands und Musikern das Feedback, dass es im Rossstall toller ist, mit der vollen Sound- und Lichtanlage. Darum haben wir auch angefangen, den Rossstall zu verkleinern, etwa für die Plattentaufen von Basler Bands mit 250 Leuten. Noch kleiner wollen wir aber nicht. Dafür gibt es ja die Kaschemme, die ein tolles Konzertangebot aufgebaut hat. Mit solchen Clubs will ich lieber kooperieren als konkurrieren.

«Finanziell sind Konzerte immer schwieriger zu veranstalten.»

Neu ist mit dem Konzert der 25-köpfigen Kasai Allstars aus dem Kongo eine Kooperation mit dem Parterre im Programm.

Das hat sich ergeben, weil wir die Veranstaltung schon gebucht hatten, wegen dem Culturescapes Festival aber hausintern einen längeren Umbau hatten. Schön, hat sich dadurch eine Zusammenarbeit ergeben, doch ist da längerfristig noch nicht mehr geplant. Es gab ja schon früher Kooperationen mit anderen Lokalen wie der Kuppel.

Während die Clubszene aufblühte, verlor Basel an Konzertbühnen. Als Sie vor neun Jahren anfingen, präsentierte das Volkshaus viel öfter grosse Konzerte. Dazu gab es mittelgrosse Bühnen im Erlkönig, in der Kuppel oder im Sudhaus. Heute haben nur noch das Sommercasino und das Parterre Bühnen für 200 bis 400 Leute. Sind Konzerte out?

Finanziell sind Konzerte immer schwieriger zu veranstalten. Die Bands verlangen wegen dem Wegfall der Albumverkäufe immer höhere Gagen und das Publikum prüft im Netz etliche Live-Clips, bevor es eine Band gucken geht. Das ist ein nationales Problem: Gerade bei unbekannten Bands kommt niemand.

Wenn mehr Bands touren müssen: Bekommen Sie mehr Angebote?

Ja, es wurden massiv mehr.

Dann müsste der Markt doch die Gagen drücken, damit die Bands doch noch spielen können?

Jein. Bei international etablierten Bands wie Spoon oder Mogwai, die in der Reithalle spielen, können wir froh sein, dass sie in einer Kleinstadt wie Basel auftreten, wo sie 1000 Leute ziehen, während sie in Grossstädten vor 5000 Leuten spielen könnten. Wir sind vielleicht zwischendurch eine Weltstadt, aber durch das Jahr halt doch eine Kleinstadt mit 180’000 Einwohnern. Selbst in Zürich kommen mit halbem Werbeaufwand doppelt so viele Leute, obwohl die Show dort 10 bis 20 Franken mehr kostet. Dieselben Bands ziehen hier generell 200 bis 300 Personen weniger an. Das ist ein Fakt. So wie auch die Konzertkultur momentan einen schweren Stand hat.

Dafür gibt es immer mehr Events im Sommer.

Festivals sind ein ganz anderer Markt und ein ganz anderes Thema. Eines, das ich in Basel sehr schwierig finde.

«Heranwachsende werden in Basel darauf konditioniert, dass Konzerte gratis sind. Deswegen ist Basel ein hartes Pflaster.»

Warum?

Weil ich als hier Heranwachsender darauf konditioniert werde, dass ich für Konzerte nichts zahlen muss. Von JKF über Imagine und Floss – alles ist gratis. Darum finden die Jungen 50 Franken an der Abendkasse beim Open Air Basel viel, zahlen aber anderswo in der Schweiz das Doppelte für eine Tageskarte. Als aktuelles Beispiel: Unser Headliner Archive kostete in Zürich 60 Franken – ohne weitere Bands. Wegen dieser Gratiskultur ist Basel ein hartes Pflaster. Dieses Feedback bekomme ich auch von vielen schweizweit tätigen Veranstaltern. Das Thema kann man gerne weiterdiskutieren.

Anlass zu Diskussionen bietet auch immer wieder die Lautstärke von Konzerten: Die Lärmklagen nach dem Open Air Basel hallen noch immer nach, anscheinend haben wegen Ihren Bässen sogar in Lörrach die Hosen geflattert.

(Seufzt) Also, zu laut war es definitiv nicht! Das Problem diskutieren wir ja schon lange mit dem AUE (Amt für Umwelt und Energie) und haben beim Open Air vor drei Jahren angefangen, aktiv die Bassemissionen einzudämmen. Warum wir dieses Jahr mehr Reklamationen denn je hatten, müssen wir mit dem Amt auswerten. Bisher habe ich nur im SRF-«Regionaljournal» vom AUE-Leiter Matthias Nabholz gehört, dass es wegen dem Bass so viele Reklamationen gab. Ich warte noch auf das Treffen mit dem AUE Ende Oktober.

Der Basskiller hat gemäss Anfrage bei Entwickler Christian Frick dieses Jahr besser funktioniert als die Jahre zuvor.

Umso erstaunlicher ist die Häufung der Klagen. Ausserdem hatten wir letztes Jahr mit den Beginnern einen viel basslastigeren Headliner. Dieselbe Gruppe spielte dieses Jahr am Stimmen Festival in Lörrach mit dem exakt gleichen Programm und derselben Anlage. So einen 1:1-Vergleich in derselben Konstellation in der Region gibt es kaum nochmals. Nun warte ich gespannt auf ein Feedback, wie viele Reklamationen es dort gab.

Glauben Sie, man reagiert in Basel empfindlicher auf Konzertlärm?

Vielleicht ist man im Kleinbasel mit dem ganzen Lärm von Verkehr und den vielen Baustellen einfach schon gesättigt. Dann kommen noch das Tattoo, die Herbstmesse und das Open Air. Auch andere Festivals sind basslastig. Klagen gab es ja schon früher bei den Joggeli-Konzerten, und wir sind ja nicht das einzige Stadtfestival. Ich habe auf meinem Balkon im Kleinbasel Konzerte mitverfolgen können, die ennet dem Rhein stattfanden. Je nach Wind konnte ich sogar die Lines der Rapper mithören. Keine Ahnung, ob die auch mit solchen Klagen konfrontiert sind. Nur gibt es in keiner anderen Schweizer Stadt Bass-Empfehlungen. Übrigens auch am Stimmen Festival in Lörrach nicht. Ganz ausmerzen kann man den Bass nicht. Das ist nun mal ein wichtiges Merkmal zeitgenössischer Musik.

«Wir wollen Künstlern keine Vorgaben machen: Das wäre, als würde man eine Chagall-Ausstellung ohne Rot machen.»

Und wenn Sie den Bass limitieren?

Dann machen solche Konzerte keinen Sinn. Wir stehen in gutem Kontakt mit den Behörden und tun mit den technischen Eingriffen unser Möglichstes, wollen den Künstlern aber keine Vorgaben machen, wie sie ihre Musik zu präsentieren haben. Das wäre, als würde man dem Kunstmuseum diktieren, eine Chagall-Ausstellung ohne die Farbe Rot zu machen. Dass die Hosen flattern, ist Teil der Kunst, genauso wie gewisse zeitgenössische Kunst damit arbeitet, dass die Augen flattern. Solche Elemente sind Teil der gewünschten Wahrnehmung. Die Kaserne hat den Auftrag, modernes musikalisches Schaffen nach Basel zu holen. Da gehört der Bass dazu.

Befürchten Sie nun Konsequenzen oder buchen Sie diese Klagen als Teil des Tagesgeschäftes ab?

Als der Headliner beim Open Air 2012 um drei Minuten überzog, wurde unsere Spielzeit im Folgejahr um 30 Minuten gekürzt, und die Hauptband musste erst noch leiser spielen. Ich hoffe nicht, dass nun Ähnliches passiert. Wir suchen ja mit technischen Hilfsmitteln aktiv nach Lösungen, ohne dass die Musik beschnitten wird, worunter Publikum wie Künstler leiden würden.

Im Haus selbst haben Sie seit dem Umbau keine Nachbarschaftsprobleme mehr?

Letzten Mai hatten wir einen Vorfall, als Schlachthofbronx mit ihrem Soundsystem kamen. Das gab eine Busse. Drinnen messen wir jedes Konzert, zeichnen es auf und halten uns an die nationalen Gesetze der Laser- und Schallschutzvorgaben. Doch egal, was für eine Bewilligung du hast: Sobald sich die Nachbarschaft erheblich gestört fühlt, kann sie die Polizei rufen. Auch wenn wir alle gesetzlichen Limiten einhalten, bleibt der vage Bereich der «individuellen erheblichen Störung». Aber ich hatte bei acht Open Airs sicher mehr mit der Polizei zu tun als bei 300 Shows hier drinnen.

Ihr langjähriger Mitstreiter Linus Munz verlässt das Musikbüro. Warum eigentlich?

Er will nun voll auf die Arbeit für seine Agentur setzen. Es war klar, dass der Zeitpunkt irgendwann kommt. Ich kann seinen Entscheid voll verstehen.

Was bedeutet sein Abgang für das Musikbüro der Kaserne?

Er war schon vor mir hier und hat mich eingearbeitet. Es war, nebst dem menschlichen, eine enorm spannende Zusammenarbeit, da Linus eine andere musikalische Seite, Kontakte und Erfahrungen eingebracht hat. In der zeitgenössischen elektronischen Musik ist er über seine Agentur natürlich extrem stark. Dazu der Soul und Funk, aus dem er ursprünglich stammt. Linus agierte mehr im Hintergrund und wurde von vielen nicht wahrgenommen, aber seine Kontakte und sein Know-how waren enorm wichtig und eine grosse Hilfe.

Also ein zünftiger Verlust.

Ganz bestimmt. Nun ist es so, und ich freue mich über die Zeit, die wir zusammen arbeiten konnten – und bis Ende November auch noch können. Danach übernimmt Steffi Klär interimistisch, um die Produktionen zu begleiten bis zum Wechsel der gesamtkünstlerischen Leitung nächstes Jahr. Klär kennt das Haus, hat hier schon Produktionen gemacht. Da lag diese Lösung auf der Hand.

«Es ist noch nicht in Stein gemeisselt, wie es mit der Musik ab Sommer 2018 weitergeht.»

Ende Saison geht auch die künstlerische Leiterin Carena Schlewitt: Geniessen Sie als Teamältester dann Narrenfreiheit?

Ich glaube und hoffe nicht! Das wäre schade. Ich suche immer Austausch, Konfrontation oder inhaltliche Auseinandersetzung mit der künstlerischen Leitung oder Theaterabteilung. Ich kenne ihren Nachfolger Sandro Lunin schon, und wir arbeiten bereits an einem Projekt. Das funktioniert gut. Aber es ist noch nicht in Stein gemeisselt, wie es mit der Musik ab Sommer 2018 weitergeht. Die Musik hinkt Theater und Tanz immer etwas hinterher.

Wieso?

Weil unsere Produktionen – also die Konzerte – nicht zwei Jahre im Voraus gebucht werden wie beim Tanz oder Theater. Wir buchen jetzt noch Konzerte für November und Dezember.

Wenn Lunin schon so weit vorausplant: Gab es schon Forderungen an das Musikbüro?

Den letzten generellen Leistungsauftrag erhielt das Musikbüro vor elf Jahren nach einem Roundtable mit Leuten von der Abteilung Kultur, dem RFV Basel und der Musikszene. Der Auftrag besagte, dass die Kaserne als subventionierter Kulturort sich mehr auf Konzerte als Partys ausrichtet. Das deckte sich mit meinem Konzept und der Entwicklung – gerade die Clubszene hat sich in den letzten zehn Jahren massiv entwickelt. Die wollen wir sicher nicht konkurrieren. Wir machen Konzerte. Dafür haben wir einen Kulturauftrag und Subventionen. Das Geld braucht es, denn jeder weiss, Konzerte sind defizitär.

Ist das immer so?

Ja.

Im Tanz und Theater wurde die Kaserne dank Carena Schlewitt zum Inputgeber einer lokalen Szene, wo sich kleinere Bühnen wie das Theater Roxy etablieren konnten. Warum ist das bei der Musik nicht passiert?

Ich glaube, die Kaserne setzte durchaus Impulse für die Live-Musik in der Region. So war die Crew des ehemaligen Hinterhofs regelmässig Gast bei den Bazzle Partys, da hier die elektronischen Acts spielten, die sie später in ihrem Club buchten. Auch kommen von vielen Veranstaltern Anfragen, wie man zum Beispiel die Quellensteuer ausländischer Acts korrekt abrechnet. Oder wir haben Lichttechniker-Schulungen auf einem Top-Pult angeboten, dazu eine Lehrlingsausbildung zusammen mit dem Theater Basel, einer Veranstaltungstechnik-Firma und der Roten Fabrik in Zürich. Wir haben Meetings organisiert, etwa mit der aufstrebenden Basler Agentur Radicalis, oder Basler Label-Nächte mit A Tree In A Field und Czar of Crickets. Als Input werte ich schon, dass lokale Bands hier als Publikum oder Support von internationalen Bands Erfahrung und Inspiration holen können. Die Kaserne ist aber auch kein RFV, der Produktionen und Touren unterstützt. Im Theaterbereich hat die Kaserne Budgets, wo sie als Produzent oder Co-Produzent auftritt. Im Musikbereich ist das der RFV Basel.

«Ich würde gerne mal ein paar Künstler verschiedener Richtungen einsperren und sehen, was dabei entsteht.»

Wenn Sie so ein Produktionsbudget für die Musik hätten, wie würden Sie es einsetzen?

Ich fände spartenübergreifende Projekte spannend. Die Unterteilung in Tanz, Theater und Musik finde ich ohnehin schade. Ich sehe die Kaserne als Haus der perfomativen Künste und würde gerne mal ein paar Künstler verschiedener Richtungen miteinander einsperren – sehen, was dabei entsteht, und damit verschiedene Räume in der Kaserne bespielen. Das Publikum käme dann, um sich überraschen zu lassen und vielleicht etwas komplett Neues zu entdecken. Ich kann mir auch Abende vorstellen, die eher Podiumsdiskussion als Konzert wären, wo man Musik von der wissenschaftlichen Seite angeht. Das hab ich sogar schon probiert. Es hat nicht funktioniert – vielleicht habe ich es zu wenig lange versucht, vielleicht braucht es das aber auch nicht. Die Idee ist ein wichtiger Ansatz, doch muss das Projekt stimmen. Man kann es nicht erzwingen.

Das Experimentelle dieser Ideen steht diametral zum neuen Programm, das mit Qualität ein grosses Publikum anlocken soll.

Hmm, mit dem Programm bedienen wir sicher den klassischen Auftrag, zeitgenössische Musik zu präsentieren. Aber es hat durchaus ein paar Abende, die in Basel ein Wagnis sind.

Wie ist denn die Tendenz im Zuschauerbereich?

Als wir noch elektronische Partys machten, hatten wir mit weniger Aufwand höhere Besucherzahlen im Jahresbericht. Bei Konzerten ziehen heute nur grosse Namen wie Mark Lanegan, Mogwai oder GusGus. Mit unbekannteren oder experimentellen Bands lockt man keine Leute an.

Diese drei Bands spielten erst am Open Air Basel. Ist das eine Möglichkeit, grosse Namen auch für Konzerte drinnen zu gewinnen?

Auf jeden Fall. Die Bands fühlen sich bei uns wohl, das gehört zur Aufbauarbeit, die wir hier leisten. So entstehen über die Jahre Kontakte und Vertrauen zu Agenten und Künstlern. Ein paar bekannte Musiker schreiben uns mittlerweile persönlich, wenn sie neue Projekte haben. Geniesst ein Veranstalter einen guten Ruf, spricht sich das in der Szene herum. Darauf sind wir als Club in der Provinz angewiesen. Das ist aber nicht nur das Verdienst des Musikbüros. Auch die Technik hat sich in den letzten zehn Jahren massiv entwickelt und ist nun auf internationalem Standard.

Sie schwärmen von Professionalität, organisieren in der Freizeit aber Anlässe wie Beat on the Street, die vom chaotischen Charme leben. Brauchen Sie das als Ausgleich?

Klar hat das Alternativ-Anarchische seinen Charme. So habe ich ja auch angefangen. Beat on the Street ist eine Herzensangelegenheit, aber die Arbeit in der Kaserne macht mir genauso Freude und bietet, etwa mit der «Step It Up»-Reihe, Platz für persönliche Geschichten. Das ist für mich auch eine Förderung der lokalen Szene, selbst wenn es hier nicht um Live-Bands sondern Basler Soundsystems geht. Das Holen, der Auf- und Abbau dieser Holzkolosse bedeutet auch viel persönliches Engagement, das ich nicht verrechnen kann.

Wie lange haben Sie noch diese Lust an der Kaserne?

Die Frage stelle ich mir auch immer wieder. Aber solange ich selbst in den Ferien Flyer-Fotos vom Strand poste, daheim in meiner Freizeit jedem in der Bar ein Programm in die Hand drücke und in meiner Begeisterung allen eine Band aufschwatzen will, bin ich wohl am richtigen Platz. Natürlich schafft ein Wechsel immer Platz für neue Ideen. Auch mein Blickwinkel ist begrenzt. Selbst wenn ich mich bemühe, ein breit gefächertes, interessantes Programm zu schaffen, fehlt doch einiges. Es gibt auch nach neun Jahren hier noch viel zu tun. Ich freue mich auf die neue Saison. Ich will bei den Anlässen mit dabei sein und lege selbst Hand an, weil Konzerte und Party-Kultur Teil meines Lebens sind. Ich hoffe, diese Euphorie ist auch spürbar.

Solange sich Ihre Freunde also beklagen, Sie sollten mal über etwas anderes als die Kaserne sprechen, ist alles okay?

(Lacht) Das hat sich hoffentlich gebessert!

Konversation

  1. Wieso wurde für die Niederschrift das distanziertere Sie gewählt, obwohl wir alle wissen, dass die Beiden per Du sind ? Das ist ein krasser Formfehler, der eine Distanz suggeriert, die nicht vorhanden ist. Beispiellos im Journalismus.

    Danke Empfehlen (0 )
    1. Für die gewählte Form gibt es unzählige Beispiele im Journalismus, da sich ein Interview für die Öffentlichkeit mit Bezug auf die Funktion der Person von einem normalen Gespräch unterscheidet.

      Danke Empfehlen (0 )
Alle Kommentare anzeigen (4)

Nächster Artikel